Der Mann, der die Stars ein­klei­det

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - RP-FO­TO: SA­BI­NE KRICKE

Der De­si­gner hat die Mar­ke „Li­ve Fast Die Young“ge­schaf­fen, die er in sei­nem Ge­schäft in Flin­gern an­bie­tet.

Statt ei­nes Schau­fens­ters sieht man von au­ßen an Ih­rem Ge­schäft in Flin­gern nichts – au­ßer den Hin­weis auf ei­nem Tep­pich vor dem Ge­schäft: „No Win­dow Shop­pers“. War­um? LO­RENZ AMEND Das ist ei­gent­lich ei­nem Zu­fall ge­schul­det. Kurz vor der Er­öff­nung des La­dens 2014 ha­ben wir es ein­fach nicht mehr ge­schafft, das Schau­fens­ter zu de­ko­rie­ren. Erst zwei St­un­den vor dem Ope­ning ha­be ich mich da­zu ent­schlos­sen, das Schau­fens­ter ein­fach schwarz zu las­sen. Mich hat schon im­mer ge­stört, dass die meis­ten Men­schen ein­fach nur am Schau­fens­ter ste­hen und dann wei­ter­ge­hen, oh­ne den La­den von In­nen zu se­hen. Die Mar­ke „Li­ve Fast Die Young“(LFDY) gibt es seit 2012. Be­reits nach kur­zer Zeit sah man auf Ih­rem Ins­ta­gram-Ac­count Fo­tos von Fuß­ball­stars wie Fer­nan­do Tor­res und Mar­co Reus oder von Rap­pern wie Ty­ga aus den USA, die Ih­re Klei­dung tra­gen. Wie ha­ben Sie es ge­schafft, Pro­mi­nen­te auf Ih­re Mar­ke auf­merk­sam zu ma­chen? AMEND Bei Mar­co Reus ha­ben wir durch Zu­fall im On­li­ne­shop ge­se­hen, dass er bei uns be­stellt hat – wie ein ganz nor­ma­ler Kun­de halt. Der Kon­takt zu Ty­ga kam über ei­nen Be­kann­ten. Der hat­te ihn für ei­nen Auf­tritt in sei­nem Club ge­bucht, und da ha­ben wir Ty­ga an­ge­bo­ten, dass er vor­her ein­fach mal im Sto­re vor­bei­kommt und ein paar Kla­mot­ten er­hält. Und dann kam er halt. Ähn­lich war es bei Rap­per The Ga­me… und bei­den ge­fie­len die Sty­les von LFDY. Das ist auch der Grund, war­um wir zu die­sen bei­den Künst­lern seit­dem in­ten­si­ve­ren Kon­takt ha­ben. Be­zah­len Sie Pro­mi­nen­te da­für, dass sie Ih­re Klei­dung tra­gen? AMEND Nein. Wenn dei­ne Sa­chen cool sind, dann kau­fen die Stars sie auch. Wir be­zah­len da­für nicht, wenn über­haupt be­kom­men die mal ei­ni­ge Tei­le um­sonst. Und hin und wie­der ha­ben wir Par­tys oder Ver­an­stal­tun­gen ge­spon­sert, bei de­nen Stars auf­ge­tre­ten sind. Uns ist die Au­then­ti­zi­tät im Rah­men des In­flu­en­cer-Mar­ke­tings wich­tig. Die Leu­te sol­len die Sa­chen frei­wil­lig tra­gen, nicht weil wir sie da­für be­zah­len. Wel­che Rol­le spielt Ins­ta­gram bei der Ver­mark­tung Ih­rer Klei­dung? AMEND Wir wa­ren schon ziem­lich früh bei Ins­ta­gram ver­tre­ten. An­fangs hat das ei­ne rich­tig gro­ße Rol­le für uns ge­spielt, vor al­lem weil Ge­schaf­fen ha­ben Sie die Mar­ke da­mals mit Patrick van den Heu­vel und ei­nem wei­te­ren Be­kann­ten. Mit Patrick van den Heu­vel ha­ben Sie zu­dem die Druck­bar, ei­ne Tex­til­dru­cke­rei, be­trie­ben. Ist die Kon­stel­la­ti­on heu­te noch die glei­che? AMEND Nein. Ich ha­be im No­vem­ber 2015 im Rah­men ei­ner Um­struk­tu­rie­rung im Ge­sell­schaf­ter­kreis die Mehr­heit an LFDY über­nom­men. Patrick ist seit­dem al­lei­ni­ger In­ha- ber der Druck­bar und ist an LFDY nicht mehr be­tei­ligt. Wie kam es zu der Tren­nung? AMEND Wir ha­ben bei­de ge­merkt, dass sein Herz mehr für die Druck­bar schlägt und mein Ding eher LFDY ist. Au­ßer­dem war es für den wei­te­ren Weg von LFDY un­er­läss­lich, dass es ei­ne kla­re Struk­tur im Ge­sell­schaf­ter­kreis gibt. Wo pro­du­zie­ren Sie Ih­re Klei­dung? AMEND Wir pro­du­zie­ren das meis­te in der Tür­kei. Aber die Druck­bar ist im­mer noch ein wich­ti­ger Di­enst­leis­ter für LFDY im Be­reich Tex­til­druck und -ver­ed­lung. Seit wann ma­chen Sie Ge­winn? AMEND Vom ers­ten Tag an. Die Mar­ke ist aus der Druck­bar her­aus sehr or­ga­nisch ent­stan­den und ge­wach­sen. Weil es im­mer ei­ne „on de­mand“(auf Nach­fra­ge, An­mer­kung der Re­dak­ti­on)-Pro­duk­ti­on war, muss­ten wir ei­gent­lich nie in Vor­leis­tung ge­hen, um Sa­chen ver­kau­fen zu kön­nen. Wir ha­ben kei­ne gro­ße An­fangs­in­ves­ti­ti­on be­nö­tigt, das war ein or­ga­ni­sches Wach­sen aus dem ei­ge­nen Cash­flow her­aus. War­um ist Ihr Kern­stand­ort aus­ge­rech­net Flin­gern? AMEND Wir ver­zich­ten be­wusst auf ei­ne 1A-La­ge und Lauf­kund­schaft. Die Leu­te su­chen un­se­re Sto­res ja ganz ge­zielt auf, weil sie Kla­mot­ten kau­fen wol­len, die sie nur bei uns be­kom­men. Letz­tens ist ein Kun­de aus Abu Dha­bi in un­se­ren Sto­re nach Flin­gern ge­kom­men und hat für 4000 Eu­ro ein­ge­kauft. Das ist halt cool. In Köln und Mün­chen ha­ben wir es ähn­lich ge­hal­ten. Zwar lie­gen die Ge­schäf­te dort in mitt­ler­wei­le be­kann­te­ren Sze­ne-Orts­tei­len, aber trotz­dem ab­seits der Main­stream­Ein­kaufs­stra­ßen. Wir wol­len uns nicht nur mit un­se­rer Mar­ke, son- dern auch rä­um­lich von der Mas­se ab­set­zen. Das De­sign von LFDY war bis zur ver­gan­ge­nen Kol­lek­ti­on von Far­ben wie Schwarz, Weiß und Grau be­stimmt. Mitt­ler­wei­le gibt es Shirts und an­de­re Klei­dungs­stü­cke in Pa­s­tell­tö­nen. Wo­her kommt die­ser Stil­wech­sel? AMEND Da ich nicht nur Ge­schäfts­füh­rer, son­dern auch De­si­gner der Kla­mot­ten bin, ma­chen wir Klei­dung, die wir auch sel­ber tra­gen. Und es ist ein­fach mo­men­tan Trend, dass auch Män­ner Pa­s­tell- und Nu­de-Tö­ne tra­gen. Wo­her kommt die In­spi­ra­ti­on zu den Kol­lek­tio­nen? AMEND Vor al­lem durch Rei­sen. Wenn man sich im­mer nur an den glei­chen Or­ten auf­hält, wird man ein­fach nicht mehr so krea­tiv. Auf Rei­sen schaut man sich hin­ge­gen das Land an, vor al­lem auch die Leu­te dort und das in­spi­riert to­tal. War­um pro­du­zie­ren Sie kei­ne Klei­dung für Frau­en? AMEND Un­se­re Ziel­grup­pe sind Män­ner von 15 bis 35 Jah­ren. Ich de­si­gne ja die Kla­mot­ten, die ich selbst auch tra­ge. Und ganz ehr­lich: Ich ha­be ein­fach kei­nen Plan, was Frau­en ger­ne tra­gen wür­den. Was sind Ih­re Plä­ne? Wol­len Sie wei­te­re Ge­schäf­te er­öff­nen? AMEND Wir schau­en uns gera­de im Nor­den Deutsch­lands um. Da soll auf je­den Fall 2016 noch ein Sto­re er­öff­net wer­den. Und wie sieht es mit L.A aus? AMEND (lacht) Aus­zu­schlie­ßen ist das nicht, es gab tat­säch­lich schon mal Ge­sprä­che. Aber da ist noch nichts kon­kret. Erst­mal kon­zen­trie­ren wir uns auf 2016.

SA­BI­NE KRICKE FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

Lo­renz Amend schuf die Mar­ke, „Li­ve Fast Die Young“im Her­zen des Düs­sel­dor­fer Sze­ne-Stadt­teils Flin­gern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.