ANA­LY­SE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Das neue Weiß­buch der Bun­des­re­gie­rung geht auf Kol­li­si­ons­kurs mit dem Ge­setz: Auch Bür­ger an­de­rer EU-Staa­ten sol­len in den deut­schen Streit­kräf­ten die­nen dür­fen. Ein Ver­suchs­bal­lon oder ein ge­ziel­ter Ta­bu­bruch?

den­le­gi­on nach fran­zö­si­schem Mus­ter öff­nen könn­te. Die Bun­des­wehr be­nö­tigt jähr­lich rund 13.000 neue Zeit­sol­da­ten und min­des­tens 5000 jun­ge Men­schen für den frei­wil­li­gen Wehr­dienst, da­zu im zi­vi­len Be­reich 4000 Aus­zu­bil­den­de, Ar­beit­neh­mer und Be­am­te. Für die Aus­wahl sind jähr­lich mehr als 60.000 Be­wer­bun­gen für den mi­li­tä­ri­schen und rund 20.000 für den zi­vi­len Be­reich Pflicht. Bei sin­ken­den Schul­ab­gän­ger­zah­len wirkt das wie ei­ne kaum zu be­wäl­ti­gen­de Her­aus­for­de­rung, zu­mal die Bun­des­wehr auf­ge­stockt wer­den soll.

Der Nach­wuchs­man­gel be­trifft nicht nur die Streit­kräf­te: Die Bun­des­ver­wal­tung hat sich be­reits für EU-Aus­län­der ge­öff­net. „Du hast die Staats­an­ge­hö­rig­keit ei­nes eu­ro­päi­schen Mit­glied­staa­tes oder von Is­land, Liech­ten­stein, Nor­we­gen oder der Schweiz? Dann kannst du Be­am­tin/Be­am­ter wer­den!“, heißt es auf der of­fi­zi­el­len Sei­te „Wir-sin­dBund.de“. Den Weg, wie für die Bun­des­wehr emp­foh­len, ge­hen – au­ßer Bay­ern – auch die Po­li­zei­en der Län­der: Nach ei­nem Be­schluss der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz wird seit 1993 um nicht­deut­sche Be­wer­ber ge­wor­ben.

Das Sol­da­ten­ge­setz öff­net be­reits ei­nen Spalt in Rich­tung eu­ro­päi­scher Bun­des­wehr, da es Aus­nah­men von der deut­schen Staats­bür­ger­schaft mit dem Halb­satz „wenn da­für ein dienst­li­ches Be­dürf­nis be­steht“in nicht nä­her de­fi­nier­ten Fäl­len zu­lässt. „War­um soll­ten wir je­man­den, der sich be­wusst für den Di­enst in der Bun­des­wehr ent­schei­det, grund­sätz­lich ab­wei­sen?“, sagt der Stell­ver­tre­ter des Prä­si­den­ten des Re­ser­vis­ten­ver­ban­des, Karl-Heinz Brun­ner. „Die Ver­pflich­tung nicht­deut­scher Staats­bür­ger bräch­te für ei­ne Par­la­ments­ar­mee wie die Bun­des­wehr Schwie­rig­kei­ten mit sich, die wir dis­ku­tie­ren müs­sen. Aus­schlie­ßen soll­ten wir es den­noch nicht.“Auch der Wehr­be­auf­trag­te Hans-Pe­ter Bar­tels (SPD) be­grüßt den Vor­stoß im Weiß­buch. Doch könn­te bei ei­nem EU-wei­ten Wett­kampf um Sol­da­ten bünd­nis­in­ter­ner Är­ger dro­hen. So sind Hür­den zu neh­men, soll­ten Ru­mä­nen oder Bel­gi­er mit der Ei­des­for­mel ver­pflich­tet wer­den.

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