Die Leh­ren aus der Würz­bur­ger Blut­tat

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GRE­GOR MAYNTZ VON ANT­JE HÖ­NING VON GIANNI COSTA DIE OLYM­PI­SCHE FA­MI­LIE, SEI­TE D 1

Be­fürch­tet hat­ten es die Si­cher­heits­be­hör­den seit lan­gem: Dass sich da auch in Deutsch­land ein jun­ger Mus­lim im stil­len Käm­mer­lein ra­di­ka­li­siert, zu Waf­fen greift und sich mit dem Ruf „Al­la­hu Ak­bar“auf „Un­gläu­bi­ge“stürzt. Da­ge­gen hilft kei­ne Be­ob­ach­tung von noch so vie­len po­ten­zi­el­len Ge­fähr­dern, wenn er als sol­cher vor­her nicht in Er­schei­nung tritt. Und es hilft auch kei­ne noch so in­ten­si­ve nach­rich­ten­dienst­li­che Über­wa­chung von Ter­ror­netz­wer­ken, wenn er über­haupt nicht da­zu ge­hört. Ge­nau da ma­ni­fes­tiert sich die von Ex­per­ten viel­fach zi­tier­te Un­mög­lich­keit von hun­dert­pro­zen­ti­ger Si­cher­heit.

Na­tür­lich wer­den sich jetzt wie­der all je­ne be­stä­tigt füh­len, die die ak­tu­el­le Flücht­lings­po­li­tik für ein Ver­häng­nis hal­ten. Sie dürf­ten groß­zü­gig dar­über hin­weg se­hen, dass der jun­ge Af­gha­ne re­gis­triert, über­prüft und an­er­kannt wur­de, hier al­so auf je­den Fall Schutz ge­fun­den hät­te. So be­steht die Ge­fahr, dass die is­la­mis­ti­sche Tat ei­nes ir­re­ge­lei­te­ten Ju­gend­li­chen zur ge­ne­rel­len is­la­mi­schen Ge­fahr ver­zerrt wird. Da­bei war im­mer klar, dass es beim Um­gang mit der Flücht­lings­dy­na­mik Fort­schrit­te und Rück­schlä­ge ge­ben wür­de. Die Würz­bur­ger Blut­tat war ein Rück­schlag, ein gro­ßer. BE­RICHT AXT-AN­GREI­FER WOLL­TE „UN­GLÄU­BI­GE“. . ., TITELSEITE

FMy­thos Ärz­te­man­gel

unk­tio­nä­re kla­gen ger­ne über Ärz­te­man­gel, um im Ge­gen­zug mehr Geld zu for­dern. Da­bei gibt es ge­nug Ärz­te in Deutsch­land, sie sind nur falsch ver­teilt. Bal­lungs­zen­tren sind über­ver­sorgt, auch weil dort vie­le Pri­vat­pa­ti­en­ten le­ben. Auf dem Land fehlt es da­ge­gen an Haus­ärz­ten – aber auch nicht in dem Ma­ße, wie Lob­by­is­ten ger­ne glau­ben ma­chen. NRW hat fak­tisch kein Pro­blem.

Das Sys­tem braucht nicht mehr Geld, es braucht bes­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on zum Wohl von Pa­ti­en­ten und Ärz­ten. War­um ver­die­nen Ra­dio­lo­gen und Au­gen­ärz­te viel mehr als Haus­ärz­te, ob­wohl Letz­te­re als Gr­und­ver­sor­ger für Kör­per und See­le ei­ne zen­tra­le Funk­ti­on ha­ben? War­um sind Fach­arzt­pra­xen oft so schlecht or­ga­ni­siert, dass Pa­ti­en­ten selbst in Groß­städ­ten Wo­chen auf Ter­mi­ne war­ten müs­sen? War­um dür­fen Kli­ni­ken auf dem Land nicht am­bu­lant ar­bei­ten? War­um kauft man frei wer­den­de Arzt­sit­ze in Städ­ten nicht auf? An­statt Lan­d­arzt-Pro­gram­me auf­zu­le­gen, soll­te sich Mi­nis­ter Grö­he lie­ber mit der Fach­arzt-Lob­by an­le­gen. Er aber löst Kon­flik­te lie­ber mit Geld, der Bei­trags­schock geht auf sein Kon­to. BE­RICHT ÄRZ­TE IN DEUTSCH­LAND SCHLECHT VER­TEILT, TITELSEITE

IOC spielt auf Zeit

Der gro­ße Knall ist vor­erst aus­ge­blie­ben. Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) hat sein Ur­teil ver­tagt. Das war er­wart­bar und ist aus Sicht der Funk­tio­nä­re so­gar ein durch­aus cle­ve­rer Schach­zug. Denn mor­gen ur­teilt der Sport­ge­richts­hof Cas über den Ein­spruch der rus­si­schen Leicht­ath­le­ten ge­gen den Aus­schluss von den Som­mer­spie­len in Rio.

Der Cas be­fasst sich nicht mit den Er­geb­nis­sen des so­ge­nann­ten McLa­ren-Be­richts, der dem rus­si­schen Staat sys­te­ma­ti­sches Do­ping von Spit­zen­sport­lern nach­ge­wie­sen hat. So ist die Ge­fahr groß, dass sich das IOC her­nach hin­ter ei­nem Ur­teil ver­steckt, das ei­ne ganz an­de­re Grund­la­ge hat.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist, ob die rus­si­schen Sport­ler kol­lek­tiv be­straft wer­den dür­fen oder ob man in je­dem ein­zel­nen Fall den Nach­weis ih­rer Schuld er­brin­gen muss. Letz­te­res aber kann nicht sein. Es braucht schon ein ge­hö­ri­ges Maß an Welt­fer­ne, zu glau­ben, nur in ei­ner Dis­zi­plin sei be­tro­gen wor­den, der­weil al­le an­de­ren Ver­bän­de den Idea­len des sau­be­ren Sports nach­ge­ei­fert hät­ten. BE­RICHT

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