HIER IN NRW

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Neue Kenn­zeich­nungs­pflicht für Po­li­zis­ten ist Un­fug

Kurz vor der Som­mer­pau­se hat sich der Land­tag mit der rot-grü­nen No­vel­le des Po­li­zei­ge­set­zes be­fasst. Die ge­plan­te Ge­set­zes­än­de­rung um­fasst zwei Be­stand­tei­le: die pro­be­wei­se Ein­füh­rung von klei­nen Ka­me­ras, die am Kör­per ge­tra­gen wer­den (Bo­dy­cams), für Po­li­zei­kräf­te und die Kenn­zeich­nungs­pflicht für die Be­reit­schafts­po­li­zei. Bei­de Kom­ple­xe sind hoch­e­mo­tio­nal. Vor al­lem die Grü­nen ha­ben lan­ge Zeit Bo­dy­cams, mit de­nen ein Po­li­zist sein Ge­gen­über fil­men kann, aufs Schärfs­te ab­ge­lehnt. Doch an­ge­sichts der zu­neh­men­den Ge­walt ge­gen­über Po­li­zis­ten ge­riet die Lan­des­re­gie­rung un­ter Druck.

Ob­wohl In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) skep­tisch ist, macht er sich jetzt für den pro­be­wei­sen Ein­satz von Bo­dy­cams stark und kommt da­mit end­lich ei­ner jah­re­lan­gen For­de­rung der Op­po­si­ti­on nach. Die Ka­me­ras sol­len üb­ri­gens nicht nur bei Groß­ein­sät­zen ge­tra­gen wer­den, son­dern vor al­lem im All­tag. Der Hin­ter­grund: Ge­ra­de im Fall von häus­li­cher Ge­walt wer­den her­bei­ge­ru­fe­ne Po­li­zis­ten oft an­ge­grif­fen. Sie könn­ten die Ka­me­ras dann auch in Wohn­räu­men an­schal­ten. So weit geht bis­lang kein an­de­res Bun­des­land. Ob lau­fen­de Ka­me­ras wirk­lich ab­schre­cken, wird sich wäh­rend des Pro­be­laufs bis 2019 zei­gen.

Und was soll die Kenn­zeich­nungs­pflicht? Sie ist ganz klar der Preis, den die SPD für das Ja der Grü­nen zu Bo­dy­cams zah­len muss. Da­zu muss man wis­sen, dass Be­reit­schafts­po­li­zis­ten schon jetzt auf der Rück­sei­te ih­rer Ja­cken ei­ne Num­mern­kom­bi­na­ti­on tra­gen, aus der ih­re Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner der lan­des­weit 18 Hun­dert­schaf­ten und der je­wei­li­gen Grup­pe her­vor­geht. Die­ser Num­mer soll nun noch ein Buch­sta­be bei­ge­fügt wer­den, der ei­nem Po­li­zis­ten oder ei­ner Po­li­zis­tin zu­ge­ord­net ist. Die ge­plan­te (aber noch nicht ver­ab­schie­de­te) Ver­schär­fung der Kenn­zeich­nungs­pflicht ist blan­ker Un­fug, weil schon jetzt kei­ne Be­schwer­de über an­geb­li­ches oder tat­säch­li­ches Fehl­ver­hal­ten ei­nes Po­li­zis­ten dar­an ge­schei­tert ist, dass man den „Übel­tä­ter“nicht hät­te er­mit­teln kön­nen.

Die Grü­nen sa­gen, die ein­deu­ti­ge Kenn­zeich­nung stär­ke das Ver­trau­en der Bür­ger in die Po­li­zei, die „mit of­fe­nem Vi­sier“an­zu­tre­ten ha­be. Welch zy­ni­sche For­mu­lie­rung! Die Po­li­zei­kräf­te le­gen ih­re Hel­me an, wenn sie vom Mob mit Fla­schen und St­ei­nen be­wor­fen wer­den. An­ders als die Grü­nen emp­fin­den sie die zu­sätz­li­che Kenn­zeich­nungs­pflicht nicht als Mit­tel zu mehr Bür­ger­nä­he und Trans­pa­renz, son­dern als Aus­druck grund­sätz­li­chen Miss­trau­ens ge­gen­über der Po­li­zei. Das kann man gut nach­voll­zie­hen. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.