Frau Trump rückt ins Ram­pen­licht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON FRANK HERR­MANN

Lan­ge hat sich Me­la­nia Trump aus dem Wahl­kampf ih­res Man­nes Do­nald her­aus­ge­hal­ten. Jetzt hielt sie ei­ne Re­de zur bes­ten Sen­de­zeit – und prompt wur­de dar­aus ei­ne De­bat­te übers Ab­kup­fern.

CLEVE­LAND Ei­ne po­li­ti­sche First La­dy woll­te Me­la­nia Trump wahr­schein­lich nie wer­den, schon gar kei­ne im Wei­ßen Haus. Als Do­nald Trump das Feld der re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber von hin­ten auf­roll­te, hat sie sich lan­ge her­aus­ge­hal­ten aus dem Ge­tüm­mel, mit dem Ar­gu­ment, sie müs­se sich da­heim um den zehn­jäh­ri­gen Sohn Bar­ron küm­mern.

Als sie im April im Bun­des­staat Wis­con­sin zum ers­ten Mal ei­ne Wahl­kampf­büh­ne be­trat, be­schränk­te sich ihr Auf­tritt dar­auf, die Qua­li­tä­ten ih­res Man­nes zu prei­sen. Der sei nicht nur über­aus flei­ßig und ver­ste­he sich aufs Ver­han­deln, er ha­be auch ein gro­ßes Herz, er sei klug, ein be­gab­ter Kom­mu­ni­ka­tor, der den Leu­ten die Wahr­heit sa­ge. Kur­ze Sät­ze, die klan­gen wie aus­wen­dig ge­lernt. Hin­ter­her schrieb ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Ko­lum­nis­tin, die Re­de ha­be sich an­ge­hört, als ha­be Me­la­nia Trump aus dem Haus­auf­ga­ben­heft ih­res Soh­nes vor­ge­le­sen.

Nun stand sie er­neut im Ram­pen­licht, dies­mal zur bes­ten Sen­de­zeit, um auf dem Wahl­par­tei­tag der Re­pu­bli­ka­ner Lo­bes­hym­nen auf ih­ren Mann an­zu­stim­men. Im hoch­ge­schlos­se­nen wei­ßen Kleid mit Puff­är­meln steht sie vor den De­le­gier­ten, ar­tig liest sie vor, was über den Te­le­promp­ter läuft.

Sie spricht von den wei­chen, den eher un­be­kann­ten Sei­ten ih­res Man­nes. Dann spricht sie von ih­rer Er­zie­hung und dem Wer­te­ka­non, den ih­re El­tern ihr mit­ge­ge­ben hät­ten und den sie na­tür­lich wei­ter­ge­ben wol­le an künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen. Sie spricht von gro­ßen Träu- men und Ver­läss­lich­keit und da­von, dass man je­den Men­schen mit Re­spekt be­han­deln müs­se.

Nur hat Mi­chel­le Oba­ma 2008 auf dem Par­tei­tag der De­mo­kra­ten ei­ne ähn­li­che Re­de ge­hal­ten, auch die da­ma­li­ge First La­dy in spe sprach von Wer­ten, die sie an künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen wei­ter­ge­ben wol­le. Jetzt wie­der­holt Me­la­nia Trump nicht nur die­se, son­dern auch an­de­re Pas­sa­gen. Na­he­zu wort­gleich. Es klingt wie ab­ge­kup­fert, prompt wird aus ih­ren 15 Mi­nu­ten im Schein­wer­fer­licht ei­ne De­bat­te über Pla­gia­te.

Wie ge­sagt, die schö­ne Frau an Trumps Sei­te woll­te nie ei­ne po­li­ti­sche Rol­le spie­len. Ih­re Zu­rück­hal­tung ent­sprach ganz dem Ver­ständ­nis, das „The Do­nald“von der Ehe hat. Er ar­bei­te sehr hart, er wol­le nicht nach Hau­se kom­men und auch noch an ei­ner Be­zie­hung ar­bei­ten, hat er mal zum Bes­ten ge­ge­ben. Soll­te der Ty­coon tat­säch­lich zum Staats­chef ge­wählt wer­den, wä­re sie nach Loui­sa Adams An­fang des 19. Jahr­hun­derts erst die zwei­te im Aus­land ge­bo­re­ne Prä­si­den­ten­gat­tin. 1970 kam Me­la­ni­ja Knavs, aus dem Na­men wur­de spä­ter Kn­auss, in Slo­we­ni­en zur Welt.

Wie ge­spal­ten die Par­tei ist, wur­de in Cleve­land be­reits deut­lich: In­ter­ne Que­re­len kenn­zeich­ne­ten den Auf­takt der „Con­ven­ti­on“. So lie­fer­ten sich ei­ni­ge Re­pu­bli­ka­ner ei­nen Schlag­ab­tausch dar­über, ob Me­la­nia Trumps Re­den­schrei­ber ge­feu­ert wer­den soll­ten. Tu­mult gab es zu­dem über die Fra­ge, ob den Geg­nern Trumps ei­ne of­fe­ne Ab­stim­mung über die Re­geln des Par­tei­tags zu­ge­stan­den wür­de oder nicht. Ei­ni­ge De­le­gier­te ver­lie­ßen das Plenum, an­de­re kün­dig­ten an, Trump nicht zu un­ter­stüt­zen.

FO­TO: REU­TERS

Me­la­nia Trump 2016 (l.) und Mi­chel­le Oba­ma 2008.

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