Monsan­to will mehr Geld von Bay­er

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖ­NING QU­EL­LE: HAN­DELS­BLATT/EI­GE­NE RE­CHER­CHE FO­TO: BCS | GRA­FIK: C. SCHNETTLER

Der US-Kon­zern lehnt auch das zwei­te An­ge­bot als zu nied­rig ab. Bay­er re­agiert ent­täuscht – und stellt ei­ne wei­te­re Er­hö­hung in Aus­sicht. Der Be­triebs­rats-Chef for­dert ei­ne schnel­le Ent­schei­dung im Über­nah­me­kampf.

LEVERKUSEN Der Mil­li­ar­den-Po­ker zwi­schen Bay­er und Monsan­to geht in ei­ne neue Run­de. Ges­tern lehn­te der US-Kon­zern die er­höh­te Of­fer­te von Bay­er ab. Das An­ge­bot sei fi­nan­zi­ell nicht an­ge­mes­sen und rei­che nicht aus, um die Ak­tio­nä­re zu über­zeu­gen, teil­te Monsan­to mit. Man blei­be of­fen für kon­struk­ti­ve Ge­sprä­che mit Bay­er – dies gel­te aber auch für an­de­re In­ter­es­sen­ten. Laut Bran­chen­krei­sen führt Monsan­to mit BASF ers­te Ge­sprä­che.

Am 23. Mai hat­te Bay­er öf­fent­lich 122 Dol­lar je Monsan­to-Ak­tie ge­bo­ten, was ei­nem Um­fang des De­als von 55 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­sprach. Am 15. Ju­li hat­te Bay­er sein An­ge­bot zö­ger­lich auf 125 Dol­lar (ins­ge­samt 58 Mil­li­ar­den Eu­ro) auf­ge­stockt. Doch auch das ist Monsan­to nicht ge­nug.

Bay­er er­klär­te, man sei ent­täuscht. Die Of­fer­te ent­spre­che ei­nem Auf­schlag von 40 Pro­zent zum Monsan­to-Schluss­kurs vom 9. Mai. Das war der Tag, be­vor Bay­er den Ame­ri­ka­nern die ers­te ge­hei­me Of­fer­te un­ter­brei­te­te. „Das an­ge­pass­te An­ge­bot ist ei­ne über­zeu­gen­de Ge­le­gen­heit für ei­ne so­for­ti­ge Wert­stei­ge­rung für Monsan­to-Ak­tio­nä­re, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der schwa­chen Ge­schäfts­ent­wick­lung“, be­ton­te Bay­er. Im ver­gan­ge­nen Quar­tal war der Monsan­to-Ge­winn um 37 Pro­zent ein­ge­bro­chen.

Zu­gleich stell­te Bay­er ein drit­tes An­ge­bot in Aus­sicht: „Bay­er sieht ei­ner Fort­set­zung des Dia­logs mit Monsan­to un­ter ei­ner Ver­trau­lich­keits­ver­ein­ba­rung ent­ge­gen, die den Zu­gang zu wei­te­ren In­for­ma­tio­nen er­mög­licht.“Soll wohl hei­ßen: Öff­net ihr die Bü­cher („Due Dil­li­gence“), le­gen wir et­was drauf. 15 Mil­li­ar­den

Ka­pi­tal­er­hö­hung

mög­li­che Kauf­sum­me: 60 Mil­li­ar­den

Eu­ro 20 Mil­li­ar­den Bank­kre­di­te

25 Mil­li­ar­den Un­ter­neh­mens

an­lei­hen

Die Fonds­ge­sell­schaft Uni­on In­vest­ment hält ei­ne Er­hö­hung auf bis zu 135 Dol­lar je Ak­tie für mög­lich. „Stra­te­gisch wä­re die Über­nah­me sinn­voll. Nun stellt sich die Fra­ge, ob Bay­er sei­ne Of­fer­te ein zwei­tes Mal er­hö­hen wird. Nach un­se­rer Ein­schät­zung wä­re bei 135 Dol­lar die Schmerz­gren­ze er­reicht“, sag­te Fonds­ma­na­ger Mar­kus Manns. „Mehr wird Bay­er nicht zah­len kön­nen, oh­ne sich in fi­nan­zi­el­le Ge­fah­ren zu brin­gen.“Es könn­te aber auch sinn­voll sein, sich di­rekt an die Monsan­to-Ak­tio­nä­re zu wen­den, um Druck auf das Ma­nage­ment aus­zu­üben. „Ein kom­plet­te feind­li­che Über­nah­me oh­ne vor­he­ri­ge Due Di­li­gence ist wahr­schein­lich zu ris­kant“, so Manns.

Der US-Kon­zern, der Gen­mais und das Un­kraut­mit­tel Gly­pho­sat her­stellt, ist um­strit­ten. Doch er ist welt­weit füh­rend beim Saat­gut, Bay­er beim Pflan­zen­schutz die Num­mer zwei. Mit der Fu­si­on wür­de ei­ne neue Num­mer eins auf dem glo­ba­len Agrar­che­mie­markt ent­ste­hen, Bay­er wür­de ne­ben Phar­ma ein zwei­tes star­kes Stand­bein er­hal­ten.

Der Bay­er-Ge­samt­be­triebs­rat for­dert ei­ne zü­gi­ge Ent­schei­dung. „Je schnel­ler der Über­nah­me­kampf ent­schie­den wird, des­to bes­ser. Mit je­der neu­en Nach­richt neh­men die Spe­ku­la­tio­nen im Kon­zern zu“, sag­te Ge­samt­be­triebs­rats-Chef Oli­ver Zühl­ke un­se­rer Re­dak­ti­on. „Ei­ne wei­te­re An­he­bung des An­ge­bots ist Sa­che des Vor­stan­des, er weiß, was er dem Kon­zern fi­nan­zi­ell zu­mu­ten kann. Stra­te­gisch ist die Über­nah­me sinn­voll.“

Die Bay­er-Ak­tie ließ das Nein aus St. Lou­is ges­tern kalt. Sie war nach dem ers­ten An­ge­bot ab­ge­stürzt, hat­te dann aber auf­ge­holt. Bau­mann und Fi­nanz­chef Jo­han­nes Dietsch rei­sen seit Wo­chen um die Welt, um In­ves­to­ren zu über­zeu­gen. Die An­le­ger schreckt nicht das schlech­te Monsan­to-Image, sie schreckt die dro­hen­de Ka­pi­tal­er­hö­hung. Bay­er hat an­ge­kün­digt, bis zu 25 Pro­zent des Kauf­prei­ses mit Ei­gen­ka­pi­tal (Aus­ga­be neu­er Ak­ti­en oder Wan­del­an­lei­hen) zu stem­men.

Bay­er be­kräf­tig­te nun sein An­ge­bot, ei­ne Aus­fall­ge­bühr von 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar zu zah­len, falls der De­al an Kar­tell­fra­gen schei­tert. For­de­run­gen der Kar­tell­äm­ter zum Ver­kauf von CropSci­ence-Tei­len sieht der Bay­er-Be­triebs­rat ge­las­sen: Bay­er ha­be zu­ge­sagt, da­für zu sor­gen, dass be­trof­fe­ne Mit­ar­bei­ter beim po­ten­zi­el­len Er­wer­ber ei­ne Be­schäf­ti­gungs­per­spek­ti­ve be­kä­men.

Als Wich­tig­tue­rei gilt da­ge­gen der Ruf von An­le­gern nach ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Haupt­ver­samm­lung. Bay­er kön­ne im Rah­men frü­her ge­neh­mig­ter Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen neue Ak­ti­en aus­ge­ben, so Manns. 15 Mil­li­ar­den Eu­ro sind laut Bay­er von al­ten Be­schlüs­sen ge­deckt.

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