Po­ké­mon Go ist Ab­mah­nungs­grund

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON OLI­VER BURWIG

Ar­beit­ge­ber kön­nen sich ge­gen ih­re spie­len­den Mit­ar­bei­ter zur Wehr set­zen.

DÜSSELDORF Längst hat die Wel­le der Po­ké­mon-Go-Spie­ler auch die deut­sche Ar­beits­welt er­reicht. Wer sich im Bü­ro, auf der Bau­stel­le oder in der ver­län­ger­ten Rau­cher­pau­se al­ler­dings mit sei­nem Smart­pho­ne auf die Jagd nach Po­ké­mon be­gibt, ris­kiert un­ter Um­stän­den sei­nen Job. Den­noch kön­nen An­ge­stell­te in be­stimm­ten Fäl­len auch ein Recht aufs Spie­len ein­for­dern. Wich­tig sind in je­dem Fall ge­naue Ab­spra­chen zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer, sagt An­walt und Ar­beits­recht-Ex­per­te Olaf Meth­ner von der Düs­sel­dor­fer Kanz­lei Baum Rei­ter und Col­le­gen.

„Die Ar­beits­zeit ist aus­schließ­lich für dienst­li­che Be­län­ge da“, sagt Meth­ner. Ar­beit­ge­ber, die ih­re An­ge­stell­ten beim Spie­len er­wi­schen, kön­nen die­se zwar nicht so­fort ent- las­sen, da­für aber ab­mah­nen und „Wie­der­ho­lungs­tä­tern“auch kün­di­gen. An­ders sei dies bei Ver­trau­ens­ar­beits­zei­ten: So­lan­ge der Mit­ar­bei­ter die ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen er­brin­ge, ste­he es ihm frei, auch am Ar­beits­platz Po­ké­mon Go zu spie­len. Glei­ches gel­te bei Be­reit­schafts­diens­ten, so­lan­ge die „tat­säch­li­che Leis­tungs­be­reit­schaft“nicht un­ter dem Spie­len lei­det.

Die pri­va­te Nut­zung von Han­dys wäh­rend der Ar­beit ist laut Meth­ner oh­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che nie ge­stat­tet. „Der Chef kann aber auch dul­den, dass sei­ne Mit­ar­bei­ter te­le­fo­nie­ren oder auch spie­len“, sagt der An­walt. Aus un­aus­ge­spro­che­nen Ver­bo­ten und dau­er­haf­ter Dul­dung kön­nen An­ge­stell­te nach län­ge­rer Zeit so­gar ein Recht ab­lei­ten, zu spie­len. Das gilt vor al­lem dann, wenn man mehr­fach bei der Po­ké­mon-Jagd be­ob­ach­tet wur­de, oh­ne zu­recht­ge­wie­sen zu wer­den, und in je­dem Fall na­tür­lich, wenn der Chef selbst mit­spielt.

Um zu ver­hin­dern, dass zo­cken­de Mit­ar­bei­ter den Weg zur Kan­ti­ne ver­län­gern, kön­nen Ar­beit­ge­ber auch ge­naue Pau­sen­zei­ten fest­le­gen. Um­ge­kehrt gel­te auch hier wie­der, dass An­ge­stell­te ge­ge­be­nen­falls ein Ge­wohn­heits­recht in An­spruch neh­men kön­nen, wenn es kei­ne ge­nau­en Ver­ein­ba­run­gen gibt und als üb­lich gilt, dass die Kol­le­gen re­gel­mä­ßi­ge Po­ké­mon-Pau­sen ein­le­gen.

Pro­ble­ma­tisch für Ar­beit­ge­ber sei­en Apps wie Po­ké­mon Go, die Zu­griff auf Nut­zer­da­ten er­lau­ben, wenn An­ge­stell­te sie auf Di­ens­tHan­dys spie­len und so­mit un­ter Um­stän­den auch be­trieb­li­che In­for­ma­tio­nen tei­len. „Wir emp­feh­len ganz kla­re Re­ge­lun­gen, wel­che Apps auf Di­enst­ge­rä­ten ver­bo­ten sind“, be­tont Meth­ner.

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