Die olym­pi­sche Fa­mi­lie

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON GIANNI COSTA UND RO­BERT PE­TERS

Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) hat nach den Ent­hül­lun­gen über rus­si­sches Staats­do­ping noch nicht ent­schie­den, ob die Sport­ler des Lan­des an den Spie­len von Rio teil­neh­men dür­fen.

LAU­SANNE/DÜSSELDORF Al­fons Hör­mann ist mit der Ent­schei­dung des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees (IOC), erst ein­mal noch nichts zu ent­schei­den, to­tal zu­frie­den. Der Prä­si­dent des Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des (DOSB) fin­det, man sol­le jetzt mal lie­ber nichts über­stür­zen. Schließ­lich

„Es han­delt sich um ei­ne sport­his­to­risch

ein­ma­li­ge Ent­schei­dung“

Al­fons Hör­mann

DOSB-Prä­si­dent

wür­de es sich ja bei ei­nem mög­li­chen Aus­schluss Russ­lands von den Som­mer­spie­len in Rio (5. bis 21. Au­gust) um ei­nen „sport­his­to­risch ein­ma­li­gen und sehr weit­rei­chen­den Vor­gang han­deln“. Man könn­te al­ler­dings auch der An­sicht sein, dass schon viel zu lan­ge ge­war­tet wor­den ist.

Das IOC wird je­den­falls frü­hes­tens mor­gen ein Ur­teil fäl­len. Nach ei­ner mehr­stün­di­gen Te­le­fon­kon­fe­renz des Exe­ku­tiv-Ko­mi­tees un­ter Lei­tung von Prä­si­dent Tho­mas Bach ent­schied man sich für die­sen Fahr­plan. Der In­ter­na­tio­na­le Sport­ge­richts­hof CAS ur­teilt über 68 rus­si­sche Leicht­ath­le­ten, die nach der Sper­re durch den Welt­ver­band IAAF ih­re Teil­nah­me in Rio vor der letz­ten In­stanz der Sport­ge­richts­bar­keit er­zwin­gen wol­len. Es wer­de „die CASEnt­schei­dung am Don­ners­tag eben­so in Be­tracht zie­hen wie den Welt-An­ti-Do­ping-Co­de und die Olym­pi­sche Char­ta“, er­klär­te das IOC. Laut IAAF dür­fen nur je­ne Leicht­ath­le­ten aus dem größ­ten Land der Welt in Rio star­ten, die nach­weis­lich nicht ins rus­si­sche Do­ping-Kon­troll­sys­tem fie­len.

Der IOC will sich aber nicht den Vor­wurf ge­fal­len las­sen, über­haupt nichts ge­tan zu ha­ben – und be­straft im­mer­hin schon ein­mal rus­si­sche Funk­tio­nä­re aus der zwei­ten und drit­ten Rei­he. Als vor­läu­fi­ge Maß­nah­men dür­fen we­der Of­fi­zi­el­le des rus­si­schen Sport­mi­nis­te­ri­ums noch an­de­re im Re­port der Welt-An­ti-Do­ping-Agen­tur WA­DA er­wähn­te Per­so­nen zu den Spie­len nach Rio rei­sen. Zu­dem wer­de das IOC kei­ne Sport­ver­an­stal­tun­gen in Russ­land or­ga­ni­sie­ren. Dies schließt auch die Eu­ro­pa-Spie­le 2019 ein. Ein pro­mi­nen­ter Na­me ist al­ler­dings nicht zu fin­den. Auch der von Sport­mi­nis­ter Wi­ta­li Mut­ko fehlt.

In­zwi­schen be­fasst sich die Ethik­kom­mis­si­on des Welt­fuß­ball­ver­bands Fifa mit der Rol­le von Mut­ko (57) in der Do­ping-Af­fä­re. Mut­ko sitzt im Fifa-Rat, dem Coun­cil, der so et­was wie die Re­gie­rung des Welt­fuß­balls ist. Das Gre­mi­um hat das frü­he­re Exe­ku­tiv­ko­mi­tee ab­ge­löst. „Die Un­ter­su­chungs­kam­mer der Ethik­kom­mis­si­on nimmt die Ver­öf­fent­li­chung des Wa­da-Be­rich­tes zur Kennt­nis und wird die­sen ein­ge­hend prü­fen“, teil­te die Fifa mit, „soll­te der Be­richt Ver­stö­ße ge- gen das Ethik­re­gle­ment auf­zei­gen, wird die Un­ter­su­chungs­kam­mer ge­eig­ne­te Maß­nah­men er­grei­fen und ent­spre­chend in­for­mie­ren.“

Mut­ko ge­hört zu je­ner Grup­pe von Funk­tio­nä­ren, die man die Pe­ters­burg-Con­nec­tion nen­nen könn­te. Er be­gann sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re ge­nau wie Wla­di­mir Pu­tin im Rat­haus von St. Pe­ters­burg. 1992 wur­de er dort Vi­ze-Bür­ger­meis­ter und in den Auf­sichts­rat des Fuß­ball­ver­eins Ze­nit St. Pe­ters­burg ge­wählt. Ab 1995 war er Prä­si­dent des Klubs. Er ge­wann Gaz­prom als Haupt­spon­sor und führ­te den Klub aus der zwei­ten Li­ga an die rus­si­sche Spit­ze.

In der Amts­zeit von Prä­si­dent Dmi­tri Med­we­dew, auch er stammt aus der Pe­ters­burg/Gaz­prom-Ver­bin­dung, wur­de Mut­ko rus­si­scher Sport­mi­nis­ter. Ob­wohl der rus­si­sche Rech­nungs­hof we­gen des Ver­dachts der Be­güns­ti­gung Straf­an­zei­ge er­stat­te­te, blieb Mut­ko im Amt, und er ge­hör­te zum Auf­sichts­rat des Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees für die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2014 in Sot­schi.

Un­ge­ach­tet der Ent­hül­lun­gen des McLa­ren-Re­ports bleibt Mut­ko wei­ter an der Spit­ze des Sport­mi­nis­te­ri­ums. „Mut­ko wur­de nicht als Hin­ter­mann hin­ter den Ver­feh­lun­gen er­wähnt, er wird des­sen nicht wie an­de­re Per­so­nen ver­däch­tigt“, sag­te ein Spre­cher von Prä­si­dent Pu­tin, „Mut­ko wur­de nicht als ei­gent­li­cher Tä­ter er­wähnt.“

FO­TO: IMAGO

Un­ter Funk­tio­nä­ren (hin­te­re Rei­he von links): Russ­lands Sport­mi­nis­ter Wi­ta­li Mut­ko, Mi­nis­ter­prä­si­dent Di­mi­trij Med­we­dew, Staats­prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin und IOCPrä­si­dent Tho­mas Bach.

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