Lan­ger ist noch im­mer der Star der deut­schen Golf-Sze­ne

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON STEFAN KLÜTTERMANN

AA­CHEN Mit den Jah­ren hat die bu­schi­ge Vo­ku­h­i­la-Fri­sur an Vo­lu­men ver­lo­ren, und im ers­ten Mo­ment fehlt da auch die nach oben of­fe­ne Schirm­müt­ze, die er doch ir­gend­wie im­mer trug. Und ja, die Fal­ten um den Mund her­um sind ein paar mehr ge­wor­den bei Deutsch­lands Golf-Le­gen­de Bern­hard Lan­ger, der an die­sem Abend in der ver­gan­ge­nen Wo­che beim CHIO in die Ruh­mes­hal­le des Deut­schen Sports auf­ge­nom­men und von der Stif­tung Deut­sche Sport­hil­fe für sein Le­bens­werk mit der „Gol­de­nen Sport­py­ra­mi­de“aus­ge­zeich­net wird.

Aber an­sons­ten ist Lan­ger mit 58 Jah­ren ir­gend­wie im­mer noch der Al­te ge­blie­ben. Der ba­ju­wa­ri­sche Charme, der wa­che Blick, das spitz­bü­bi­ge Lä­cheln, die Ele­ganz im Auf­tre­ten – al­les wie frü­her. Doch was so­fort auf­fällt: Lan­ger hat es als ei­ner der we­ni­gen Sport­ido­le ver­gan- ge­ner Ta­ge ge­schafft, mit Blick auf die gro­ßen Mo­men­te in sei­nem Le­ben nicht zwangs­läu­fig die Ver­gan­gen­heit be­mü­hen zu müs­sen.

„Ich ge­nie­ße es, vor­ne da­bei zu sein. Wenn das Ad­re­na­lin durch den Kör­per fließt, das fühlt sich gut an. Das Ge­win­nen wird nie alt“, sagt der An­hau­se­ner, und es sind eben kei­ne Er­in­ne­run­gen an die Gol­de­nen Jah­re, an die zwei Ma­jor-Sie­ge 1985 und 1993 oder sei­ne Ry­der-Cup-Er­fol­ge, die er schil­dert. Nein, Lan­ger ist ak­tu­ell er­folg­reich, ja vi­el­leicht er­folg­rei­cher denn je. Er spielt auf der Se­ni­or-Tour mit, der Tur­nier­se­rie für Ab-50-Jäh­ri­ge. Und dort hat er seit 2010 sie­ben wei­te­re Ma­jor-Tur­nie­re ge­won­nen. „Ich wer­de auch wahr­schein­lich noch nicht so schnell auf­hö­ren. Man kann im Golf tech­nisch auch in mei­nem Al­ter noch bes­ser wer­den, und das ist mir in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ge­lun­gen, den­ke ich. Ich ver­su­che fit und be­weg­lich zu blei­ben, um den Al­te­rungs­pro­zess

Bern­hard Lan­ger ein biss­chen auf­zu­hal­ten“, sagt Lan­ger, der mit sei­ner Fa­mi­lie seit Jah­ren über­wie­gend in Bo­ca Ra­ton, Flo­ri­da lebt. „Ich ha­be ge­lernt, wie vie­le Tur­nie­re ich im Jahr spie­len kann, oh­ne dass es mir scha­det.“Jetzt spielt er vor al­lem Tur­nie­re in Ame­ri­ka und we­ni­ge in Eu­ro­pa.

Sein Sport lässt Lan­ger al­so nach wie vor nicht los. Und es ist un­be­strit­ten sein Sport, vor al­lem hier in Deutsch­land. In den 1980ern und 1990ern guck­ten die Leu­te Golf im Fern­se­hen, weil Lan­ger Golf spiel­te. Sze­nen, in de­nen er den Ball aus dem Loch holt und dann den Zu- schau­ern auf dem Platz zu­winkt, ha­ben sich der­art ein­ge­brannt, dass es fast ko­misch wirkt, wenn er denn mal oh­ne Ball in der Hand winkt. Wie sich der Golf seit sei­ner gro­ßen Zeit ent­wi­ckelt hat, freut Lan­ger. „Der Golf­sport ver­zeich­net seit den 80ern stän­dig ei­nen Zu­wachs. In je- dem Fall ist der Sport er­wach­sen. Wir wer­den nicht mehr ver­gli­chen mit Minigolf“, sagt Lan­ger. Mit dem Preis­geld von 25.000 Eu­ro für die Gol­de­ne Sport­py­ra­mi­de will Lan­ger dann auch Golf-Ta­len­te för­dern.

Dass Golf jetzt erst in Rio wie­der ins Olym­pi­sche Pro­gramm zu­rück­kehrt, das stimmt ihn weh­mü­tig, denn „es wä­re für mich ein Traum ge­we­sen, die deut­schen Far­ben bei Olym­pia zu ver­tre­ten“, sagt Lan­ger. Dass vie­le Gol­fer we­gen des Zi­ka-Vi­rus nicht in Bra­si­li­en an­tre­ten wol­len – halb so wild, fin­det Lan­ger. Und ob Martin Kay­mer ei­ne Me­dail­le ho­len kann? – Klar, er ha­be doch ge­zeigt, ei­ner der Bes­ten sein zu kön­nen.

Ge­nau das, der Bes­te sein zu kön­nen, das treibt Lan­ger je­den Tag an, wie er sagt. Es klingt sim­pel, aber er sieht sich selbst als den le­ben­den Be­weis da­für, dass es funk­tio­niert. „Ich spie­le lie­ber gut Golf als schlecht Golf. Was ich tue, möch­te ich gut tun, voll­kom­men egal, was es ist. Wenn wir zwei Tisch­ten­nis spie­len wür­den, wür­de ich auch ver­su­chen, Sie zu schla­gen“, sagt er. Er ist eben ein Idol oh­ne Ru­he­stand.

„Wenn das Ad­re­na­lin durch den Kör­per fließt, das fühlt

sich gut an“

Golf-Pro­fi

FO­TO: IMAGO

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