Raub­kunst gibt noch heu­te Rät­sel auf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON JES­SI­CA BALLEER

Die Her­kunft vie­ler Kunst­wer­ke ist un­klar. Vie­le NRW-In­sti­tu­tio­nen sind um Auf­klä­rung be­müht.

DÜSSELDORF Die Raub­kunst-De­bat­te um das Xan­te­ner Ge­mäl­de „Platz­bild“von Jan van der Hey­den zieht jetzt im­mer wei­te­re Krei­se: Der Kunst­aus­schuss des Baye­ri­schen Land­tags for­dert öf­fent­lich mehr Trans­pa­renz und rich­tet sein In­ter­es­se vor al­lem auf die Baye­ri­schen Staats­ge­mäl­de­samm­lun­gen, die im Ver­dacht ste­hen, in der Nach­kriegs­zeit mit NS-Raub­kunst ge­han­delt zu ha­ben. Die Ab­ge­ord­ne­ten wol­len den „Skan­dal um ver­kauf­te NSRaub­kunst auf­klä­ren“, so ei­ne Be­schluss­emp­feh­lung, die der Kunst­aus­schuss ver­gan­ge­ne Wo­che ein­stim­mig ge­bil­ligt hat.

Der Aus­schuss will Klar­heit dar­über, ob Ar­chi­ve öf­fent­lich zu­gäng­lich sind und ob es rea­lis­tisch ist, zu­künf­tig ei­ne un­ab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on zur Auf­klä­rung ein­zu­rich­ten. Aus­lö­ser da­für ist der Erb­streit um das „Platz­bild“. Der Xan­te­ner Dom­bau­ver­ein hat­te es 1963 im Köl­ner Auk­ti­ons­haus Lem­pertz er­stei­gert. „Die Pro­ve­ni­enz war uns bis 2011 nicht be­kannt“, sagt Ver­eins­vor­sit- zen­der Hans-Wil­helm Bar­king. Der Dom­bau­ver­ein wand­te sich an Ex­per­ten.

Die „Com­mis­si­on for Loo­ted Arts in Eu­ro­pe“(CLAE), ei­ne Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on mit Sitz in Lon­don, er­forscht welt­weit die Her­kunft von Kunst­wer­ken im Na­men von Fa­mi­li­en, Ge­mein­den, In­sti­tu­tio­nen und Re­gie­run­gen. Die CLAE hat­te das „Platz­bild“der NS-Raub- kunst zu­ge­ord­net: Nach­dem es der jü­di­schen Fa­mi­lie Kraus in Wi­en ent­zo­gen wur­de, ge­lang­te es in den Be­sitz ver­schie­de­ner staat­li­cher Mu­se­en, bis es Kunst­ex­per­te Wolf­gang Arntz über das Auk­ti­ons­haus Lem­pertz ver­stei­gern ließ.

„Be­schrif­tun­gen oder Num­me­rie­rung sind Spu­ren, die als Aus­gangs­punk­te für ei­nen Pro­ve­ni­en­z­for­scher die­nen“, sagt Mei­ke Hoff­mann von der For­schungs­stel­le „Entar­te­te Kunst“in Berlin. Ein an­de­rer Re­cher­che­weg sei­en Ak­ten­be­stän­de. „Heu­te gibt es auch Hilfs­mit­tel im In­ter­net“, sagt Hoff­mann. So be­treibt auch die CLAE ein Zen­tral­re­gis­ter für zwi­schen 1933 und 1945 ge­raub­te Kunst auf „loo­te­dart.com“. Such- und Fund­mel­dun­gen gibt es auch in der On­li­neDa­ten­bank „lost art“, die Mel­dun­gen an das Deut­sche Zen­trum für Kul­tur­gut­ver­lus­te über­mit­telt.

Es sind noch heu­te un­zäh­li­ge Kunst­wer­ke, de­ren Ge­schich­te im Dun­keln liegt. „Die Her­kunft der be­kann­tes­ten Kunst­wer­ke ist zwar häu­fig do­ku­men­tiert“, sagt Cars­ten Fel­g­ner, Pro­ve­ni­en­z­for­scher am Auk­ti­ons­haus Lem­pertz. „Aber bei den we­ni­ger pro­mi­nen­ten Kunst­wer­ken muss man lei­der fest­stel­len, dass sich die Pro­ve­ni­enz häu­fig nicht sehr weit zu­rück­ver­fol­gen lässt.“Das gel­te auch für die Zeit von 1933 bis 1945. „Hier muss man dann den um­ge­kehr­ten Weg ge­hen und fest­stel­len, ob ein Re­sti­tu­ti­ons­an­spruch exis­tiert.“

Mu­se­en, Mi­nis­te­ri­en und an­de­re In­sti­tu­tio­nen nut­zen die­se We­ge, um Fun­de zu mel­den. Zwölf Ein­trä­ge über Fund­stü­cke fin­den sich al­lein von In­sti­tu­tio­nen aus NRW bei „lost art“. Dar­un­ter sind das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um und Mu­se­en. Sie­ben Ma­le­rei­en hat die Stif­tung Mu­se­um Kunst­pa­last ein­ge­stellt – um Auf­klä­rung be­müht. Dar­un­ter ist et­wa das „Bild­nis ei­ner Da­me mit Per­len­schmuck “von Adria­na Spil­berg.

„Frü­her hat man die Fäl­le an­ders be­ur­teilt“, sagt Mei­ke Hoff­mann. Ver­drän­gung präg­te die Nach­kriegs­zeit. Den­noch wa­ren es die Baye­ri­schen Staats­mu­se­en, die das Xan­te­ner Ge­mäl­de bei „lost art“mel­de­ten, ob­wohl es längst dem Dom­bau­ver­ein ge­hört hat­te.

FO­TO: STIF­TUNG MU­SE­UM KUNST­PA­LAST

Bei­spiel für ei­nen Fund: das „Bild­nis ei­ner Da­me mit Per­len­schmuck“von Spil­berg.

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