Hän­sel und Gre­tel bil­den ei­ne Ban­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON AR­MIN KAUMANNS

Rund 60 jun­ge Mu­si­ker aus Düsseldorf und Duis­burg stu­die­ren in der Deut­schen Oper am Rhein „Hän­sel und Gre­tel“ein.

„Hän­sel und Gre­tel“geht auch in der Groß­stadt. Klar: Ju­gend­li­che, de­nen der gu­te Kon­takt zu ih­ren El­tern ab­han­den­ge­kom­men ist, kön­nen auch im As­phalt-Dschun­gel (statt im Grimm’schen ro­man­ti­schen Wald) leicht auf Aben­teu­erAb­we­ge ge­ra­ten. Wenn sich nun al­so die „Edu­ca­ti­on-Ab­tei­lung“der Rhein­oper für die­sen Stoff in­ter­es­siert, ver­wun­dert das nicht son­der­lich. Kom­po­nist En­gel­bert Hum­per­dinck lässt grü­ßen. Dass an ei­nem nor­ma­len Nach­mit­tag rund 60 jun­ge Leu­te zwi­schen 14 und 20 Jah­ren im Bun­ker am Ga­ther­weg zu­sam­men­kom­men, um „Brü­der­chen, komm tanz mit mir“auf Gei­gen und Brat­schen zu schrum­peln, auf Obo­en und Fa­got­ten zu bla­sen oder im Chor zu sin­gen, das ist schon ver­wun­der­lich.

„Lost in the fo­rest“(Ver­lo­ren im Wald) liegt seit Ja­nu­ar auf den Pul­ten des U16-Orches­ters der Ton­hal­le. Das ist ein Spiel­ver­ein, den es in die­ser Kon­stel­la­ti­on sonst nir­gends gibt in Deutsch­land. Denn was der Di­ri­gent Ernst von Mar­schall da an Nach­wuchs­ta­len­ten ver­sam­melt hat, ist nicht an ei­ne Mu­sik­schu­le oder ei­ne Lan­des-In­sti­tu­ti­on ge­bun­den, son­dern an das Düs­sel­dor­fer Kon­zert­haus mit sei­nem Orches­ter, den Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­kern. Dar­über gibt’s das Ton­hal­leJu­gend­or­ches­ter, dar­un­ter die Ton­hal­le-Bam­bi­ni, die „Kin­der­or­ches­ter“hei­ßen.

Je­den­falls ha­ben die Ju­gend­li­chen im Grun­de so et­was Ähn­li­ches auf den Pul­ten wie die Pro­fi-Kol­le- gen auch. Und sie wer­den ab No­vem­ber auch bei den Pro­fis spie­len: im Gr­a­ben der Deut­schen Oper am Rhein näm­lich. Und so sit­zen bei die­ser „Lost in the fo­rest“-Chor­und Orches­ter­pro­be Jun­gen und Mäd­chen mit ih­ren In­stru­men­ten un­term Dach des per­fekt zum Pro­ben­raum um­ge­stal­te­ten Welt­kriegs­bun­kers und ge­hen an ih­re Gren­zen. Denn Hum­per­dinck ist schwie­rig, fast wie Wa­gner. Und die Mu­sik hat der Duis­bur­ger Kom­po­nist Da­vid Gra­ham ziem­lich ganz ge­las­sen. „Den Wa­gner aber ha­be ich aus­ge­trie­ben“, sagt er. „Über vier Hör­ner hin­weg kön­nen Ju­gend­li­che nicht sin­gen. Schließ­lich ist ,Lost in the fo­rest’ ein Stück von Ju­gend­li­chen für Ju­gend­li­che.“

Al­so sind vor al­lem die Gei­gen und Obo­en be­schäf­tigt beim Du­ett der Mär­chen­kin­der. Die sind in Gra­hams Be­ar­bei­tung al­ler­dings zu acht, denn Hän­sel und Gre­tel in der Groß­stadt – sind ei­ne Gang. Und da hat Gre­tel (wie Hän­sel) eben vier bis fünf Keh­len. Die Mäd­chen, die aus dem „Kin­der­chor am Rhein“stam­men und von Sa­bi­na López Mi­guez trai­niert wer­den, ma­chen ih­re Sa­che fast schon pro­fes­sio­nell. Das klingt auch im Orches­ter schon ziem­lich gut, wenn zwi­schen­durch mal span­nen­de Tre­mo­li er­klin­gen, die ganz nah am Steg ge­spielt ge­ra­de­zu ge­spens­tisch wir­ken. Aber zu üben ist noch je­de Men­ge. Zu­mal ja nicht der an­ge­stamm­te Di­ri­gent am Pult steht, son­dern An­na Ma­rei­ke Vohn, die Lei­te­rin und Initia­to­rin der gan­zen Ak­ti­on, und die ist ei­gent­lich Che­fin der Jun­gen Oper am Rhein und nicht Di­ri­gen­tin.

Doch auch sie wird von Takt zu Takt ge­lös­ter, gibt die Tem­po-Wech­sel im­mer deut­li­cher an, greift ord­nend ein, wenn ir­gend­wo ge­ra­de Cha­os aus­bricht. Au­ßer­dem hat sie mit von Mar­schall je­man­den (wenn auch de­zent) zur Sei­te, der den Orches­ter­mu­si­kern per Hand­zei­chen auch mal be­deu­tet, dass Vi­bra­to an­ge­sagt wä­re, wäh­rend im Hin­ter­grund Ge­s­angs­trai­ne­rin López Mi­guez den Chor-So­lis­tin­nen klar­macht, wie sie phra­sie­ren, wie sie at­men sol­len.

Ein gro­ßes, ein kom­pli­zier­tes, ein span­nen­des Un­ter­fan­gen ist so ei­ne Pro­be. Und die Ar­beit auf der Büh­ne hat noch nicht ein­mal be­gon­nen. Es sind dann, ne­ben den Pro­fis von der Rhein­oper, auch noch an­de­re Ju- gend­li­che mit von der Par­tie, die in der Ko­s­tüm­ab­tei­lung, bei der Be­leuch­tung, in der Tech­nik oder in der Mas­ke mit­ar­bei­ten. Es wer­den so­gar noch jun­ge Leu­te ge­sucht, die Lust ha­ben, bei der Gestal­tung des Pro­gramm­hefts mit­zu­wir­ken (sie­he In­fo­box). Ein Mit­mach­pro­jekt eben, an dem vor al­lem vie­le Kin­der so­wie Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne be­tei­ligt sind.

Zu se­hen ist „Lost in the fo­rest“ab No­vem­ber auf den Büh­nen der Groß­städ­te Düsseldorf und Duis­burg. Und das, so viel darf man ver­ra­ten: mit He­xe.

FO­TO: SA­RAH DIESNER

Pro­jekt­lei­te­rin An­na Ma­rei­ke Vohn di­ri­giert das ein­zig­ar­ti­ge Orches­ter bei der Pro­be für das Stück „Lost in the fo­rest“. Im No­vem­ber ist die Pre­mie­re.

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