350 Kin­der bau­en Dschun­gel-Groß­stadt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON SA­RAH SCHNEIDEREIT

Im Düs­sel­dörf­chen geht es zu wie in ei­ner rich­ti­gen Groß­stadt - mit Werk­stät­ten, ei­ner ei­ge­nen Wäh­rung und Wahl­be­trug.

OBER­BILK Mor­gens halb zehn im Düs­sel­dörf­chen: Vor dem Mel­de­amt bil­det sich ei­ne klei­ne Schlan­ge, im Rat­haus be­spricht sich der Bür­ger­meis­ter mit sei­nem Fi­nanz­mi­nis­ter und in der An­strei­che­rei wer­den schon die ers­ten Auf­trä­ge be­ar­bei­tet. Vom Markt­platz her hört man ers­tes Häm­mern und Sä­gen. Lu­kas, Ro­bin und Da­ni­el hel­fen flei­ßig beim Bau des so­ge­nann­ten Dschun­gel­kiez, der als Treff­punkt und Aben­teu­er­spiel­platz für al­le ge­dacht sein soll. Die Dschun­gelGroß­stadt im Süd­park er­wacht lang­sam zum Le­ben.

Bür­ger­meis­ter Kai ver­dankt sei­nen Wahl­sieg in der ver­gan­ge­nen Wo­che wohl sei­nem Wahl­ver­spre­chen, ei­ne „Chill-Lounge“zu bau­en und das Stadt­tor zu ver­schö­nern. Au­ßer­dem hat er ver­an­lasst, dass es kei­ne Steu­ern mehr gibt. „Ich hab trotz­dem nicht wirk­lich mit mei­nem Wahl­sieg ge­rech­net“, so Kai. Ei­gent­lich war zu­nächst ein an­de­rer Bür­ger­meis­ter ge­wählt wor­den. Da es aber Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei den Stim­men gab, wur­de die Wahl wie­der­holt. „Die an­de­re Par­tei hat wahr­schein­lich Geld für Stim­men flie­ßen las­sen“, meint der Bür­ger­meis­ter. Bis Mor­gen ist er noch im Amt, da­nach möch­te er im Film­stu­dio ar­bei­ten.

Seit 1989 gibt es das Fe­ri­en­an­ge­bot des Ver­eins Ak­ki nun schon. Je­den Som­mer bau­en die teil­neh­men­den Kin­der ih­re ei­ge­ne Stadt. Das Mot­to wech­selt jähr­lich. Die­ses Mal ha­ben sich die Ver­an­stal­ter für das The­ma Groß­stadt-Dschun­gel ent­schie­den. „Die Häu­ser sind des­halb al­le mit Bam­bus ver­ziert, der hier im Süd­park ab­ge­schnit­ten wur­de“, sagt Pro­jekt­lei­te­rin Son­ja Hirsch­berg. Vor­ga­ben, wie die Stadt aus­zu­se­hen hat, gibt es kei­ne. Die Fan­ta­sie der Kin­der fin­det ih­re Gren­zen le­dig­lich in den Vor­ga­ben der Bau­ge­sell­schaf­ten „Hoch & Tief“und „Kreuz & Quer“. Die Bau­maß­nah­men müs­sen zu­vor auch von der Stadt­ver­samm­lung ge­neh­migt wer­den.

Wäh­rend Kai durchs Düs­sel­dörf­chen läuft und Wer­bung für die an­ste­hen­de Wahl macht, streicht Ju­li­ka ein paar Wän­de weiß an. Die 10Jäh­ri­ge ist zum ers­ten Mal bei der Fe­ri­en­ak­ti­on da­bei. Ih­re Ar­beit macht ihr gro­ßen Spaß, da sie ger­ne malt. „Wir ha­ben hier schon den Lie­fer­wa­gen für die Bä­cke­rei an­ge­malt. Die­se Wo­che steht noch ein Auf­trag von der Au­to­werk­statt an“, er­zählt sie.

Ein paar Me­ter wei­ter küm­mert Gerlinde sich um die fünf Hüh­ner, die seit Frei­tag in dem von der Schrei­ne­rei ge­bau­ten Frei­lauf woh­nen. Auf dem Hüh­ner­stall füh­ren die Kin­der Strich­lis­te, wie vie­le Eier schon ge­legt wor­den sind. Bis­her sind es elf Stück. „Die Hüh­ner sind nicht nur flei­ßig, son­dern auch sehr lieb. Man kann sie auf den Arm neh­men und strei­cheln“, sagt Gerlinde. Die 14-Jäh­ri­ge ist schon zum vier­ten Mal beim Düs­sel­dörf­chen da­bei. Im nächs­ten Jahr darf sie nicht mehr mit­ma­chen, da sie dann zu alt für das An­ge­bot ist.

Auch An­na Schu­bert kennt das Pro­blem, dass man ir­gend­wann zu alt für die Kinderstadt ist. 2008 war sie das letz­te Mal beim Düs­sel­dörf­chen da­bei. Die­sen Som­mer ist sie als Be­treue­rin zu­rück­ge­kehrt. „Das ist rich­tig schön, wie­der mit von der Par­tie zu sein. Ich ha­be auch schon vie­le be­kann­te Ge­sich­ter von da­mals ge­trof­fen“, meint An­na, die in der Au­to­werk­statt bei der Ar­beit hilft. Für die 21-Jäh­ri­ge wa­ren die drei Wo­chen in der Kinderstadt im­mer das High­light in den Som­mer­fe­ri­en. „Ich er­in­ne­re mich noch ger­ne dar­an, wie wir da­mals auf ei­ner Sei­fen-Rutsch­bahn den Hü­gel her­un­ter­ge­rutscht sind.“

RP-FO­TO: DA­VID YOUNG

Lu­kas, Ro­bin und Da­ni­el (von links) sä­gen flei­ßig, da­mit der Aben­teu­er­spiel­platz „Dschun­gel­kiez“im Düs­sel­dörf­chen bald end­lich fer­tig wird.

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