Hass­kom­men­ta­re

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Die Mehr­heit der Deut­schen will, dass die Ver­fas­ser von Hass­kom­men­ta­ren im In­ter­net ge­richt­lich ver­folgt wer­den. Was kann dem Durch­schnitts-In­ter­net­nut­zer dann blü­hen? Wenn die Gleich­set­zung des IQ un­se­rer Mi­nis­ter­prä­si­den­tin, Han­ne­lo­re Kraft, mit dem ei­nes To­ast­brots schon jetzt mit 2250 Eu­ro zu Bu­che schlägt, dann kann ei­ne ech­te Be­lei­di­gung rich­tig teu­er wer­den. Aber was, wenn man der Nach­ba­rin, die ver­ges­sen hat, die Blu­men zu gie­ßen, bloß ei­nen „net­ten“Kom­men­tar auf der Face­book-Pinn­wand hin­ter­lässt? Glück­li­cher­wei­se ist die Be­lei­di­gung ein An­trags­de­likt. Soll­te die Nach­ba­rin al­so kei­nen Straf­an­trag stel­len, bleibt al­les im grü­nen Be­reich. Tut sie es aber Frau Kraft gleich und ent­schei­det sich für ei­ne An­kla­ge, müs­sen Rich­ter über das Buß­geld die­ser „Net­tig­keit“ur­tei­len. kam

te Fahr­sys­te­me ver­spre­chen ei­nen Mul­ti-Mil­li­ar­den-Markt. Des­halb drückt CSU-Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt aufs Tem­po, um Rechts­si­cher­heit zu schaf­fen. Doch die Tech­nik steckt noch im­mer vol­ler Tü­cken.

Hin­der­nis für ein tief­hän­gen­des Ver­kehrs­schild ge­hal­ten.

Die Un­fäl­le ver­mit­teln nach Ein­schät­zung von Ver­kehrs­ex­per­ten ein schrä­ges Bild. Tat­säch­lich ver­spre­che die ver­stärk­te Nut­zung au­to­ma­ti­sier­ter Fahr­zeu­ge ein Mehr an Si­cher­heit. 90 Pro­zent der Un­fäl­le mit Per­so­nen­scha­den sei­en auf mensch­li­ches Fehl­ver­hal­ten zu­rück­zu­füh­ren, we­ni­ger als ein Pro­zent auf tech­ni­sche Feh­ler, heißt es auch in den Er­läu­te­run­gen zum Ge­setz­ent­wurf.

Mi­nis­te­ri­um und Au­to­in­dus­trie hal­ten Ei­le für ge­bo­ten. In vie­len Län­dern steck­ten kon­kur­rie­ren­de Sys­te­me in der All­tags­er­pro­bung. Für die Lö­sung der Haf­tungs­fra­gen sei ei­ne Black­box drin­gend er­for­der­lich, für die sich die Au­to­bau­er na­tür­lich ei­nen in­ter­na­tio­nal ein­heit­li­chen Stan­dard wün­schen. Un­gern will sich Do­brindt da­bei von fort­ge­schrit­te­nen Sys­te­men an­de­rer Na­tio­nen vor voll­ende­te Tat­sa­chen stel­len las­sen. Des­halb soll Deutsch­land in Sa­chen Rechts­si­cher­heit ganz vor­ne ste­hen und ein­deu­tig re­geln, wie der Nach­weis zu füh­ren ist, zu wel­chem Zeit­punkt je­weils Mensch oder Ma­schi­ne am Steu­er sind.

Doch die Sa­che wird noch kom­pli­zier­ter, weil es auch um schwie­ri­ge ethi­sche Fra­gen geht. Wie soll der Au­to­pi­lot für Si­tua­tio­nen pro­gram­miert wer­den, in de­nen Brem­sen plötz­lich nicht mehr hilft, son­dern nur noch ab­rup­tes Aus­wei­chen? Und dann links ein ein­zel­ner Mensch über­fah­ren wür­de und rechts ei­ne gan­ze Grup­pe? Oder links ein al­ter Mensch und links ein jun­ger? Dür­fen al­so Al­go­rith­men in das Grund­recht auf Le­ben ein­grei­fen, das ei­gent­lich für al­le gleich sein muss, in der Pro­gram­mie­rung dann aber un­ter­schie­den wird?

Vie­le der­ar­ti­ger Kon­flikt­si­tua­tio­nen las­sen sich durch­spie­len. Soll ein Pro­gramm et­wa ent­schei­den, ob das Wild über­fah­ren wird oder we­gen ei­ner Voll­brem­sung der zu dicht auf­fah­ren­de Wa­gen ins Heck kracht? Au­to­pi­lo­ten sind al­so ju­ris­ti­sches Neu­land, und für un­be­kann­tes Ter­rain emp­fiehlt die Er­fah­rung, auf Sicht und vor­sich­tig zu fah­ren. Je­den­falls so lan­ge Al­go­rith­men noch nicht die bes­se­ren Ge­set­ze schrei­ben.

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