Es reicht, Herr Prä­si­dent!

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON STE­FAN WEI­GEL VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Po­li­ti­sche Geg­ner un­ter­drü­cken, miss­lie­bi­ge Jour­na­lis­ten mund­tot ma­chen, wi­der­bors­ti­ge Rich­ter ent­las­sen. Klingt al­les nach Rat­schlä­gen aus ei­nem Hand­buch für Dik­ta­to­ren. Schlimm, wenn es die po­li­ti­sche Stra­te­gie ei­nes Staats­chefs im 21. Jahr­hun­dert ist, der sein Volk in die Eu­ro­päi­sche Uni­on füh­ren will. Jetzt hat Re­cep Tay­yip Er­do­gan sich die Bil­dungs­eli­te sei­nes Lan­des vor­ge­knöpft: Zehn­tau­sen­de von Leh­rern, Pro­fes­so­ren und Hoch­schul­rek­to­ren dür­fen nicht mehr un­ter­rich­ten und nicht ein­mal mehr Di­enst­rei­sen ins Aus­land un­ter­neh­men. Der tür­ki­sche Prä­si­dent hat of­fen­bar vor sei­nen ei­ge­nen Bür­gern be­son­ders viel Angst, wenn sie über­durch­schnitt­lich in­tel­li­gent und gut ge­bil­det sind. Er wird da­für sei­ne Grün­de ha­ben.

Frü­her hät­te man ge­sagt, ei­ne sol­che Stra­te­gie kann dau­er­haft kei­nen Er­folg ha­ben; schließ­lich kann ein de­mo­kra­tisch ge­wähl­ter Po­li­ti­ker sei­ne Geg­ner nicht für im­mer aus dem Weg räu­men. Nach den Äu­ße­run­gen des De­s­po­ten vom Bo­spo­rus zur Wie­der­ein­füh­rung der To­des­stra­fe kann man sich da trau­ri­ger­wei­se nicht mehr so si­cher sein. Er könn­te es tat­säch­lich ver­su­chen. Ne­ben al­lem Mit­leid für die Tür­kei ist aber ei­nes klar: In die­sem Zu­stand hat das Land in der Eu­ro­päi­schen Uni­on nichts ver­lo­ren. BE­RICHT TÜR­KEI VER­HÄNGT AUS­NAH­ME­ZU­STAND . . ., TITELSEITE

EFlücht­lin­ge im Bad

r schaut den Mä­dels hin­ter­her, bräunt sich in der Son­ne und me­ckert Kin­der an, die vom Be­cken­rand sprin­gen. Es sind im­mer die­sel­ben plat­ten Vor­ur­tei­le, die man mit dem Be­ruf des Ba­de­meis­ters ver­bin­det. Sie sind nicht nur un­ge­recht, son­dern auch schlicht falsch. Schwimm­meis­ter sind längst kei­ne rei­nen Auf­pas­ser mehr. Ne­ben dem Be­treu­en der Ba­de­gäs­te müs­sen sie auch die auf­wen­di­gen tech­ni­schen An­la­gen be­die­nen kön­nen.

Das schlech­te Image hat auch da­zu bei­ge­tra­gen, dass kaum noch je­mand die­sen viel­fäl­ti­gen Job er­grei­fen will und des­halb bun­des­weit Fach­kräf­te feh­len, so dass be­reits Bä­der ge­schlos­sen wer­den muss­ten. Ei­ne fa­ta­le Ent­wick­lung.

Des­halb ist der Vor­schlag zu be­grü­ßen, Flücht­lin­ge zu Ba­de­meis­tern aus­zu­bil­den. Na­tür­lich müs­sen die Kan­di­da­ten den­sel­ben An­for­de­run­gen ge­nü­gen und die­sel­ben Gr­und­vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen wie al­le an­de­ren auch. Wenn das passt, spricht über­haupt nichts da­ge­gen. Man soll­te schließ­lich je­dem dank­bar sein, der be­reit ist, die­sen ver­ant­wor­tungs­vol­len Job zu über­neh­men. BE­RICHT FLÜCHT­LIN­GE ALS BA­DE­MEIS­TER . . ., TITELSEITE

Bit­te­res En­de der Lü­gen

Das Schei­tern der SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Pe­tra Hinz we­gen ih­res er­fun­de­nen Le­bens­lau­fes macht rat­los, trau­rig und auch är­ger­lich. Der Rück­tritt war zwangs­läu­fig – ein Mensch, der Abitur, Staats­ex­amen und zwei­tes Ex­amen frei er­fin­det, kann nicht Ab­ge­ord­ne­ter des Bun­des­ta­ges sein.

Rat­los macht die Fra­ge, wie ei­ne sol­che Hoch­sta­pe­lei mög­lich war: Frau Hinz ar­bei­te­te vier Jah­re nach ei­ge­ner An­ga­be als „Ju­ris­tin“in ei­nem gro­ßen Un­ter­neh­men, sie leb­te im­mer in Es­sen, sie ist seit 1989 in der Po­li­tik – und da fällt nie­man­den auf, dass sie über­haupt kein Ju­ra stu­diert hat­te? Selt­sam.

Trau­rig macht die Fra­ge, wel­chen An­trieb sie hat­te. Glaub­te Hinz, in der frü­he­ren Ar­bei­ter­par­tei SPD oh­ne Abitur und Stu­di­um kei­ne Chan­ce zu ha­ben? Ist die eins­ti­ge Par­tei der So­li­da­ri­tät so kalt, dass kei­ner ei­ne Schwä­che ein­ge­ste­hen kann? Oder han­del­te es sich um gro­ße, rein per­sön­li­che Un­si­cher­heit?

Är­ger­lich ist, dass Hinz nun wohl 2500 Eu­ro an Pen­si­on zu­ste­hen. Das ist zwar kor­rekt, weil al­le Ab­ge­ord­ne­ten gleich be­han­delt wer­den müs­sen. Als qua­si „Lohn“für 30 Jah­re Lü­gen ist das aber viel Geld. BE­RICHT AB­GE­ORD­NE­TE GIBT MAN­DAT . . ., TITELSEITE

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