RP-ON­LINE.DE/WIRT­SCHAFT

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

„Han­dels­blatt“. In­for­mier­te Krei­se be­stä­ti­gen die Über­le­gung.

Als ein Er­geb­nis könn­te Air Ber­lin ei­ni­ge dut­zend Mil­lio­nen Eu­ro ein­strei­chen und da­mit wie­der­um das ver­blei­ben­de Ge­schäft mit rund 100 Flug­zeu­gen auf­recht­hal­ten. Als zwei­tes Re­sul­tat wür­de Air Ber­lin sich wei­ter von ver­lust­brin­gen­den Stre­cken zu­rück­zie­hen – denn die lie­gen eher ab­seits von Ber­lin und Düs­sel­dorf. Und als drit­tes Er­geb­nis könn­te der Wett­be­werb an wich­ti­gen Stand­or­ten wie Köln, Stutt­gart oder auch Ham­burg zeit­wei­se deut­lich zu­rück­ge­hen. „Das Kar­tell­amt wür­de sich ei­ne sol­che Ber­ei­ni­gung des Mark­tes si­cher sehr ge­nau an­schau­en“, sagt da­zu der Zü­ri­cher Bran­chen­ex­per­te Thomas Jä­ger, von der Be­ra­tungs­fir­ma Ch-Avia­ti­on, „und die wer­den dann bei man­chen Stand­or­ten oder Stre­cken si­cher durch­set­zen, dass Wett­be­wer­ber ei­ni­ge der Flug­rech­te er­hal­ten.“

Wo­rum es geht, hat Luft­han­saChef Cars­ten Sp­ohr mehr­fach öf­fent­lich ge­sagt: „Wir wol­len un­ter dem Dach von Eu­ro­wings ei­ne Kon­so­li­die­rung in Eu­ro­pa or­ga­ni­sie­ren.“Er füg­te auch mehr­fach hin­zu, dass es zu vie­le un­pro­fi­ta­ble Air­lines ge­be, die sei­ner Mei­nung nach kei­ne dau­er­haf­te Exis­tenz­be­rech­ti­gung ha­ben – ge­meint ist auch die mit 900 Mil­lio­nen Eu­ro ver­schul­de­te Air Ber­lin, der kein Flug­zeug der ei­ge­nen Flot­te mehr ge­hört und die in den letz­ten fünf Jah­ren an­dert­halb Mil­li­ar­den Eu­ro an Ka­pi­tal ver­nich­tet hat.

Doch da­mit das Un­ter­neh­men nicht in­klu­si­ve al­ler Flug­rech­te ein­fach ver­schwin­det, setzt Luft­han­sa auf die Sa­la­mi­tak­tik: Erst rund ein Drit­tel von Air Ber­lin schlu­cken, dann kann man spä­ter wei­ter­se­hen.

Schlech­ter wä­re da­ge­gen, wenn Air Ber­lin kom­plett vom Markt ver­schwin­den wür­de. Denn dann wür­den an­gel­säch­si­sche Wett­be­wer­ber wie Rya­nair und Ea­sy­jet die Flug­rech­te er­wer­ben und Flü­ge zu at­trak­ti­ven Zei­ten an­bie­ten. „Ei­ne Grund­re­gel in der Luft­fahrt lau­tet, dass gu­te Slots nicht an den Haupt- wett­be­wer­ber ge­hen soll­ten“, sagt Jä­ger, „denn Flug­rech­te si­chern Markt­an­tei­le.“

Wie wich­tig Air Ber­lin auch ab­seits von Düs­sel­dorf und Ber­lin ist, zeigt sich in Köln: Da hat die Fir­ma laut Ch-Avia­ti­on 14 Pro­zent Markt­an­teil, Luft­han­sa kommt in­klu­si­ve Eu­ro­wings auf 49 Pro­zent. Aber auch Rya­nair mischt mit.

Als Er­geb­nis des star­ken Wett­be­wer­bes kann man nächs­ten Sonn­tag um 18 Uhr mit­ten in den Som­mer­fe­ri­en für 90 Eu­ro nach Pal­ma de Mallor­ca flie­gen. Auch in Düs­sel­dorf mit dem star­ken Wett­be­werb zwi­schen Eu­ro­wings und Air Ber­lin (Markt­an­teil: 25 Pro­zent) las­sen sich sol­che Prei­se be­ob­ach­ten. Wür­den Luft­han­sa und Eu­ro­wings da­ge­gen in Köln 63 Pro­zent des Mark­tes kon­trol­lie­ren und Air Ber­lin gä­be auf, wä­re klar, wo­hin die Ti­cket­prei­se ge­hen – nach oben.

Noch dras­ti­scher wä­ren die Fol­gen ei­ner Ber­ei­ni­gung des Mark­tes auf ver­schie­de­nen Renn­stre­cken: Zwi­schen Ham­burg und Mün­chen bie­ten Eu­ro­wings und Luft­han­sa 67 Pro­zent der Flug­ti­ckets an, die an­de­ren Sit­ze wer­den von Air Ber­lin an­ge­bo­ten – es wä­re al­so klar, dass das Kar­tell­amt den Ver­kauf ei­ni­ger Slots er­zwin­gen wür­de. 59 Pro­zent der Flü­ge von Köln nach Mün­chen of­fe­riert die Luft­han­sa-Grup­pe, Air Ber­lin kommt auf die rest­li­chen 41 Pro­zent – auch hier wä­re klar, was pas­siert.

Wie geht es nun wei­ter? Ste­fan Pich­ler, der neue Chef von Air Ber­lin, steht mit dem Rü­cken zur Wand. Das letz­te ei­ge­ne Flug­zeug wur­de kürz­lich ver­kauft. Ein neu­er Bank­kre­dit von ei­ni­gen hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro hat das vor­läu­fi­ge Über­le­ben ge­si­chert – aber Haupt­ak­tio­när Eti­had muss­te ihn mit Ga­ran­ti­en ab­si­chern. Auf Ab­si­che­rungs­ge­schäf­te ge­gen stei­gen­de Öl­prei­se will Pich­ler man­gels Fi­nanz­kraft erst ein­mal ver­zich­ten. Und sei­ne Flot­te ge­leas­ter Air­bus-Jets lockt Eu­ro­wings: Die Köl­ner Ge­sell­schaft hat prak­tisch iden­ti­sche Ma­schi­nen. Das macht die War­tung güns­tig.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.