Frau­en an Sil­ves­ter be­tatscht: 22 Mo­na­te Haft für 30-Jäh­ri­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

(wuk) Erst­mals hat das Amts­ge­richt das Ein­kes­seln und Be­tat­schen von Frau­en durch ei­ne Män­ner­hor­de ges­tern als Ge­walt­tat und da­mit als Ver­bre­chen ge­wer­tet. Ge­gen ei­nen 30-Jäh­ri­gen aus Ban­gla­desh wur­den 22 Mo­na­te Haft ver­hängt, oh­ne je­de Be­wäh­rung. Der Mann hat­te be­strit­ten, in der Sil­ves­ter­nacht am Bol­ker Stern mit ei­ner Män­ner­grup­pe drei Frau­en um­ringt und die Op­fer mi­nu­ten­lang an in­tims­ten Stel­len be­tatscht zu ha­ben. Wa­ren ver­gleich­ba­re Fäl­le bis­her als se­xu­el­le Nö­ti­gung mil­de ge­ahn­det wor­den, mach­te das Amts­ge­richt nun aber klar, dass die­se Vor­gän­ge „nur un­ter Ein­satz von Ge­walt ge­sche­hen“konn­ten. Da­für liegt die Min­dest­stra­fe bei ei­nem Jahr Haft. Das Ur­teil ist nicht rechts­kräf­tig.

Män­ner, die sich am Ein­kes­seln und Be­grap­schen frem­der Frau­en be­tei­li­gen, wer­den für die fa­ta­le Grup­pen­wir­kung auf die Op­fer zur Re­chen­schaft ge­zo­gen – auch, wenn es sich nicht um „ver­ab­re­de­te, or­ga­ni­sier­te und plan­mä­ßi­ge“Ta­ten han­delt, son­dern um spon­ta­ne Ak­tio­nen, bei de­nen durch die Ru­del­bil­dung das Ri­si­ko der Ent­de­ckung „ge­gen Null“geht. Mit die­ser Ei­n­ord­nung ist das Amts­ge­richt im Fall von drei jun­gen Frau­en erst­mals von Kol­lek­tiv-Ge­walt durch ei­ne Tä­ter­grup­pe aus­ge­gan­gen – und hat den An­ge­klag­ten als Teil der Grup­pe zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Kei­ne der drei Frau­en (18 bis 20 Jah­re alt) konn­te ihm kon­kre­te Be­rüh­run­gen vor­wer­fen. Von al­len Sei­ten sei­en sie in der Män­ner­grup­pe mi­nu­ten­lang be­tatscht wor­den, „das ging im Se­kun­den­takt, über­all wa­ren Hän­de“, sag­te ei­ne. Den An­ge­klag­ten ha­ben sie als ei­nen der Grap­scher wie­der­er­kannt an ei­ner mar­kan­ten Nar­be un­ter dem Au­ge. Al­le drei Op­fer lei­den bis heu­te un­ter ih­rer da­ma­li­gen „nack­ten Angst“, kla­gen über Alp­träu­me und Ve­r­un­si­che­rung, wie die Staats­an­wäl­tin be­ton­te: „Die Frau­en muss­ten in der Sil­ves­ter­nacht ja mit noch viel Schlim­me­rem rech­nen.“

Der An­ge­klag­te be­teu­er­te bis zu­letzt, er ha­be „nichts ge­tan“. Sei­ne An­wäl­tin fand, er ha­be mit vier Lands­leu­ten nur im Ge­tüm­mel ge­stan­den, auch sei es für ihn „ei­ne Schand­tat und ein Un­ding, frem­de Frau­en so an­zu­pa­cken“. Die Rich­ter wa­ren aber si­cher, dass der 30-Jäh­ri­ge mit­ge­macht hat, „weil die Ge­le­gen­heit güns­tig war“und er in der Grap­scher-Grup­pe wohl glaub­te, „kei­ne Straf­ver­fol­gung fürch­ten zu müs­sen“. We­gen sei­ner Rol­le soll er da­her für ein Jahr und zehn Mo­na­te in Haft. Die Staats­an­wäl­tin hat­te zwei Jah­re und acht Mo­na­te Haft be­an­tragt.

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