Ur­laub mit Lat­schen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON SVEN-AN­DRÉ DREY­ER

Das un­be­stän­di­ge Wet­ter hielt auch die Gäs­te vom Cam­ping­platz in Lö­rick fern. Nun hofft Be­trei­ber Thomas Kür­ten auf mehr Be­such.

LÖ­RICK Das Tür­schloss der Re­zep­ti­on bricht und lässt sich nicht mehr öff­nen. „Kein Pro­blem“, sagt Tho- mas Kür­ten ge­las­sen und ist schon auf dem Weg, um sei­nen aus­la­dend gro­ßen Werk­zeug­kof­fer zu ho­len. Nach Ein­satz ei­ni­ger Schrau­ben­schlüs­sel, ei­nes gro­ßen Schrau­ben- dre­hers und ei­nes Ak­ku­schrau­bers ist die de­fek­te Tür bin­nen we­ni­ger Mi­nu­ten re­pa­riert. „Ich ma­che hier oh­ne­hin al­les sel­ber“, sagt der 47Jäh­ri­ge und schaut sich auf dem seit den 1950er Jah­ren exis­tie­ren­den Cam­ping­platz um. Ra­sen­mä­hen und das Be­sei­ti­gen ei­ner WC-Ver­stop­fung ge­hö­ren zu sei­nem all­täg­li­chen Ge­schäft. Selbst die Schä­den nach dem Pfingst­sturm Ela im Früh­som­mer des Jah­res 2014 be­sei­tig­te er in Ei­gen­re­gie.

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat Kür­ten die Ar­beit end­gül­tig von sei­nem Va­ter Jür­gen (70) über­nom­men und küm­mert sich seit­dem um den idyl­lisch ge­le­gen Platz am Rhein. Zu­letzt sei es aber sehr ru­hig ge­we­sen, sagt Kür­ten. Zu ru­hig. „Der Re­gen“, er­klärt er und schaut in den Him­mel. Mit den stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren hofft er nun auf mehr Be­su­cher. Und die sei­en mit­un­ter sehr un­ter­schied­lich, sagt Le­bens­ge­fähr­tin An­ge­la Hin­der­mann (43).

Mo­di­sche Kon­ven­tio­nen, so scheint es, ma­chen bei vie­len Gäs­ten of­fen­bar ei­nen gro­ßen Bo­gen um Zelt und Wohn­mo­bil – Ba­de­lat­schen, Ten­nis­so­cken und kur­ze Ho­sen blei­ben dem Le­ben auf dem Platz als mo­di­sche Klas­si­ker er­hal­ten. Den­noch ha­ben sich die Be­dürf­nis­se der Cam­per in den ver­gan­ge­ne Jah­ren ver­än­dert. Die ers­te Fra­ge nach An­kunft ist ob­li­ga­to­risch: Ob es noch ei­nen frei­en Stell­platz ge­be.

Die zwei­te Fra­ge ist je­doch der Zeit ge­schul­det: Ha­ben sie W-Lan? „Vie­le Cam­per wol­len auch in ih­rem Ur­laub nicht auf das Le­sen ih­rer Mails ver­zich­ten“, sagt Thomas Kür­ten. Ein Ser­vice, den er kos­ten­frei an­bie­tet. Und ei­ne Steck­do­se muss mitt­ler­wei­le auch an je­dem Platz vor­han­den sein. „Der E-Bi­kes we­gen“, sagt Hin­der­mann. „Um abends die Ak­kus für den nächs­ten Tag zu la­den.“

Und auch sonst un­ter­schei­de sich das Pu­bli­kum auf ei­nem stadt­na­hen Cam­ping­platz sehr von ei­nem in ei­ner klas­si­schen Ur­laubs­re­gi­on. „Vie­le ha­ben ih­ren Wohn­wa­gen durch ein Wohn­mo­bil er­setzt“, sagt Kür­ten, der auf­grund ei­ner mehr­jäh­ri­gen Aus­lands­tä­tig­keit flie­ßend Hol­län­disch spricht. Er sieht da­rin den Wunsch nach noch mehr Mo­bi­li­tät. Wäh­rend Gäs­te frü­her häu­fig für ein oder gar zwei Wo­chen an ei­nem Ort ver­weil­ten, rei­sen sie heu­te be­reits nach spä­tes­tens zwei Ta­gen ab. „Man­che sind selbst in ih­rer Frei­zeit ge­trie­ben.“We­ni­ger ge­trie­ben, da­für tat­säch­lich mit­un­ter mo­disch in­for­miert, sei­en Mes­se­gäs­te, sagt Kür­ten. Men­schen, die für den be­ruf­li­chen Be­such auf dem Mes­se­ge­län­de, das un­mit­tel­bar auf der ge­gen­über­lie­gen­den Rhein­sei­te liegt, bei ihm woh­nen. „Die ste­hen auf, zie­hen sich ih­ren An­zug an und fah­ren mit dem Fahr­rad rü­ber“, sagt Kür­ten und lä­chelt. Aber spä­tes­tens nach der Rück­kehr sei selbst bei die­sen Gäs­ten die kur­ze Ho­se mit San­da­len an der Rei­he.

San­da­len trägt auch In­go Kin­der (58) aus Schön­berg bei Kiel, der ge­mein­sam mit sei­ner Frau ei­ne Jung­fern­fahrt im neu­en Wohn­mo­bil un­ter­nimmt. Er sei ganz neu in Cam­per­krei­sen, er­klärt der Jus­tiz­voll­zugs­be­am­te, und ge­ra­de recht zur Rh­ein­kir­mes in Düs­sel­dorf an­ge­kom­men. Und auch die Alt­stadt ha­be er sich in al­ler Ru­he an­ge­se­hen. Nun wol­len sie aber zu­rück nach Nord­deutsch­land, zu­rück nach Hau­se. „Schön war’s hier“, sagt Kin­der und über­prüft noch ein­mal den ord­nungs­ge­mä­ßen Sitz der Rä­der im Fond des Wa­gens, be­vor er den Mo­tor star­tet.

Wenn mit En­de Ok­to­ber die Sai­son auf dem Platz en­det – nur we­ni­ge Dau­er­cam­per kom­men auch im Win­ter in ih­re hier ab­ge­stell­ten Wa­gen – wird es auch für Kür­ten Zeit, Ur­laub zu ma­chen. „Zwei Wo­chen“, sagt Kür­ten, „mehr geht nicht.“Und wo­hin?, will ich wis­sen. „Da­hin, wo es warm ist“, meint Kür­ten. „Flie­ger und Strand.“Und ein Ho­tel, kein Cam­ping, sagt Kür­ten.

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

San­da­len ge­hö­ren auch für den 58 Jah­re al­ten In­go Kin­der aus Schön­berg bei Kiel zum Cam­pen in Lö­rick.

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