Alar­mie­ren­der Aus­nah­me­zu­stand

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GRE­GOR MAYNTZ VON DETLEV HÜWEL VON ANT­JE HÖNING EZB FOR­DERT HIL­FE, SEITE B 1

Re­cep Tay­yip Er­do­gan und sei­ne tür­ki­schen Fans füh­len sich im Schul­ter­schluss mit François Hol­lan­de und dem fran­zö­si­schen Staat. Aus­nah­me­zu­stand hier, Aus­nah­me­zu­stand dort. Al­les halb so schlimm al­so, was da am Bo­spo­rus pas­siert?

Die Äu­ße­run­gen der Han­deln­den sind alar­mie­rend. Wenn Er­do­gans Spre­cher sagt, die Hin­rich­tung der Put­schis­ten sei ei­ne „fai­re Stra­fe“, wird deut­lich, wie sehr sich die Re­gie­rung an die Ver­fas­sung mit ih­rem Rück­wir­kungs­ver­bot neu­er Ge­set­ze auch un­ter Aus­nah­me­recht ge­bun­den fühlt.

Wer den Ra­che­feld­zug in der Tür­kei un­ter Ein­schal­ten wü­ten­der An­hän­ger mit dem Ver­weis auf Frank­reich zu ver­harm­lo­sen ver­sucht, der soll­te sich ver­ge­gen­wär­ti­gen, wie vie­le Op­po­si­tio­nel­le Hol­lan­de un­ter Um­ge­hung der Ge­wal­ten­tei­lung in den Knast ste­cken ließ, wie vie­le Zei­tun­gen er dicht­mach­te, wie vie­le Rich­ter, Staats­an­wäl­te, Sol­da­ten, Po­li­zis­ten, Wis­sen­schaft­ler, Leh­rer er kalt­stell­te. Nichts der­glei­chen. So wird ver­glei­chend klar: Hier ist es ein Löf­fel ho­möo­pa­thi­scher Trop­fen, die ein „Wir-tun-was“-Ge­fühl ver­mit­teln sol­len, dort ein gna­den­los zu­schla­gen­der Holz­ham­mer, der die De­mo­kra­tie in der Tür­kei zu ei­ner Er­do­gan-Dik­ta­tur zu zer­trüm­mern droht. BE­RICHT TÜR­KEI SETZT MEN­SCHEN­RECH­TE AUS, TITELSEITE

Zehn Jah­re und mehr kann es dau­ern, bis ein ge­plan­tes, aber be­klag­tes Stra­ßen- oder Schie­nen­pro­jekt auch tat­säch­lich be­gon­nen wer­den kann. Ei­ne sol­che Ver­zö­ge­rung soll­ten wir uns in Deutsch­land nicht län­ger leis­ten.

Das heißt aber nicht, die Bür­ger­rech­te dras­tisch zu be­schnei­den. In ei­nem Rechts­staat wä­re dies auch gar nicht mög­lich. Was aber spricht da­ge­gen, den In­stan­zen­weg zu ver­kür­zen? Im Fall der ma­ro­den Rhein­brü­cke bei Le­ver­ku­sen hat man die­sen Weg be­schrit­ten: We­gen der be­son­de­ren Ge­fähr­dungs­si­tua­ti­on und der sich dar­aus er­ge­ben­den Dring­lich­keit wur­de der Kla­ge­weg auf le­dig­lich ei­ne Ge­richts­in­stanz ver­kürzt.

Der dop­pel­te Vor­teil: Zum ei­nen wird da­mit den In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Bür­ger Ge­nü­ge ge­tan, zum an­de­ren kann auf die­se Wei­se die Vor­lauf­pha­se die­ses wich­ti­gen Brü­cken­neu­baus deut­lich re­du­ziert wer­den. Bleibt zu hof­fen, dass in Berlin die lau­fen­den Be­ra­tun­gen zu ei­ner ein­ver­nehm­li­chen und recht­lich „was­ser­dich­ten“Lö­sung füh­ren und nicht in den Stru­del des Vor­wahl­kampfs ge­ra­ten. BE­RICHT SCHNEL­LE­RER AU­TO­BAHN­AUS­BAU . . ., TITELSEITE

BKla­ge­weg ver­kür­zen

EZB mit Hi­obs­bot­schaft

au­her­ren kön­nen sich freu­en: Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank wird den Leit­zins noch lan­ge bei Null las­sen und wo­mög­lich wei­ter sen­ken. Für Spa­rer ist das ei­ne schlech­te Nach­richt, sie müs­sen noch lan­ge ohne Er­trä­ge le­ben. Alar­mie­ren muss auch die For­de­rung von EZB-Prä­si­dent Draghi, der ein öf­fent­li­ches Auf­fang­netz für Ita­li­ens Ban­ken for­dert. Da­mit gibt der Ita­lie­ner sei­nem Lands­mann Mat­teo Ren­zi grü­nes Licht für ei­nen neu­en Re­gel­bruch. Ge­rät ei­ne Bank in Not, müs­sen laut Spiel­re­geln der EU ei­gent­lich Ei­gen­tü­mer und Gläu­bi­ger ran. Doch um die Klein­ak­tio­nä­re zu scho­nen, will Ren­zi die Steu­er­zah­ler zur Kas­se bit­ten. Drag­his Unterstützung für den Pre­mier ist leicht er­klär­bar: Draghi hat­te, als er in Rom No­ten­bank-Prä­si­dent und obers­ter Auf­se­her war, bei Mon­te dei Pa­schi und an­de­ren ma­ro­den Ban­ken nicht durch­ge­grif­fen. Aus klei­nen Brän­den wur­de so ein gro­ßes Feu­er. Eu­ro­pa soll­te we­der Ren­zi noch Draghi an die Feu­er­lö­scher las­sen, son­dern auf die Haf­tung der Ei­gen­tü­mer und Ab­wick­lung der Ban­ken be­ste­hen. Sonst wer­den die Bank­ma­na­ger nie ler­nen, ver­ant­wort­lich zu han­deln. BE­RICHT

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