Kind ver­brennt sich Fü­ße auf Spiel­platz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER UND CHRIS­TOPH REICHWEIN

In Duis­burg hat sich ein Zwei­jäh­ri­ger auf ei­nem Was­ser­spiel­platz schwer ver­letzt. Der Jun­ge muss­te ope­riert wer­den. Das Kind war auf ei­ne durch die Sonne er­hitz­te Me­tall­plat­te ge­tre­ten. Der Va­ter er­stat­te­te An­zei­ge.

DUIS­BURG Der Was­ser­spiel­platz an der Duis­bur­ger Re­gat­ta­bahn gilt als ei­ner der schöns­ten der gan­zen Stadt. We­gen sei­nes Pl­ansch­be­ckens ist er vor al­lem bei Fa­mi­li­en mit Klein­kin­dern sehr be­liebt. Am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag, ei­nem der bis­lang wärms­ten Ta­ge des Jah­res, sind be­son­ders vie­le Müt­ter mit ih­ren Kin­dern da, dar­un­ter auch Ni­co­le N. (27) mit ih­rem bald zwei Jah­re al­ten Sohn Lou­is.

Weil es so heiß ist, küh­len sich bei­de im Was­ser ab. Lou­is hat aber schnell ge­nug und will raus aus dem Be­cken. Auf dem Weg zu ih­ren Hand­tü­chern pas­siert das Un­glück: Lou­is läuft über ei­ne durch die Sonne auf­ge­heiz­te Me­tall­plat­te. Wie er­starrt bleibt er ste­hen und fängt laut an zu schrei­en. Sei­ne Mut­ter re­agiert so­fort, hebt ihn hoch und bringt ihn zu­rück ins Was­ser, um sei­ne Füß­chen zu küh­len. Doch es ist be­reits zu spät: Lou­is Fuß­soh­len wei­sen Ver­bren­nun­gen auf, gro­ße Brand­bla­sen ha­ben sich ge­bil­det.

Sie fah­ren so­fort ins nächs­te Kran­ken­haus, wo Lou­is un­ter Voll­nar­ko­se ope­riert wird. „Er muss ei­ne Wo­che auf der Sta­ti­on blei­ben. Die Ärz­te ha­ben ihm ei­ne Kunst­haut über die ver­brann­ten Stel­len ge­legt“, sagt sei­ne Mut­ter. In ei­ner Wo­che sol­len die Ver­bän­de ab­ge­nom­men wer­den. Erst dann kön­ne man sa­gen, er­klä­ren die Ärz­te, ob even­tu­ell noch ei­ne wei­te­re Ope­ra­ti­on not­wen­dig ist – oder nicht. „Lei­der kann aktuell auch noch nicht be­ur­teilt wer­den, ob und in wel­chem Um­fang Nar­ben oder Fol­ge­schä­den durch die Wun­den auf­tre­ten“, sagt der Va­ter von Lou­is.

Der Was­ser­spiel­platz ist in städ­ti­scher Hand. Dort be­dau­ert man den Vor­fall. „Wir wün­schen dem klei­nen Jun­gen erst ein­mal gu­te und schnel­le Bes­se­rung“, sagt ei­ne Stadt­spre­che­rin. „Es ist das ers­te Mal, dass uns ein sol­cher Un­fall be­kannt ge­wor­den ist“, be­tont sie. Da­mit kein Kind mehr auf die Plat­te geht, hat die Stadt am Fol­ge­tag den Be­reich mit ei­nem Flat­ter­band mar­kiert. Zu­sätz­lich ist die Stel­le mit künst­li­chem Ra­sen ab­ge­deckt wor­den – zu we­nig, mei­nen El­tern, die ges­tern dort ge­we­sen sind. „Ich zie­he mir schon als Er­wach­se­ner Ver­bren­nun­gen an der Hand zu, wenn ich mei­ne Hand dort auf den Kun­st­ra­sen le­gen wür­de“, sagt Ste­fan Ernst, der mit sei­nen bei­den Söh­nen auf den Spiel­platz ge­kom­men ist. „So ei­ne Plat­te darf nicht in ei­nem Klein­kin­der­be­reich lie­gen“, sagt er.

Nach Angaben der Stadt sei das an die­ser Stel­le aber nicht an­ders mög­lich. „Sie deckt den Re­vi­si­ons­schacht für die Pum­pa­nal­age des Was­ser­spiel­plat­zes ab und muss re­gel­mä­ßig ge­war­tet wer­den“, er­klär­te ei­ne Stadt­spre­che­rin. Nach dem Vor­fall hat die Stadt al­le an­de­ren Was­ser­spiel­plät­ze auf ih­re Si­cher­heit über­prü­fen las­sen. „In al­len Fäl­len lie­gen die Schäch­te für die Pumpan­la­gen au­ßer­halb der Spiel­flä­chen, so dass kei­ne Ge­fähr­dung vor­liegt“, so die Spre­che­rin.

Für die be­trof­fe­ne Fa­mi­lie ist es mit der Ent­schul­di­gung der Stadt nicht ge­tan. Der Fall wird wohl ein ju­ris­ti­sches Nach­spiel ha­ben. Der Va­ter von Lou­is hat sich ei­nen An­walt ge­nom­men. „Wir ha­ben An­zei­ge ge­gen die Stadt er­stat­tet“, sagt er. In ei­nem Brief an die Stadt, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, schreibt er: „Mei­ne Fa­mi­lie, und mitt­ler­wei­le vie­le an­de­re Bür­ger, sind maß­los scho­ckiert, wie es über­haupt zu so ei­nem tra­gi­schen Un­fall kom­men kann. Ich möch­te nicht wis­sen, wie vie­le Kin­der sich schon dort ver­brannt ha­ben und Ih­nen dar­über kei­ne In­for­ma­tio­nen zu­ge­kom­men ist.“

Und wei­ter schreibt er: „Als Fa­mi­li­en­va­ter möch­te man ger­ne und oft zu solch tol­len Or­ten wie die­sem Was­ser­spiel­platz ge­hen. Da­für muss aber die ab­so­lu­te Si­cher­heit ge­währ­leis­tet sein. Wir sind sehr ent­täuscht, dass erst so et­was pas­sie­ren muss, be­vor sei­tens der Stadt re­agiert wird.“

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