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Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Die Lin­ke und die „Bul­len­schwei­ne“

Die ra­di­ka­le po­li­ti­sche Lin­ke hat seit Jahr­zehn­ten ein Pro­blem mit dem staat­li­chen Ge­walt­mo­no­pol. Der Kampf ge­gen „Bul­len­schwei­ne“ge­hört mit zu ih­rem Grün­dungs­my­thos. Ein­ge­bil­de­te lin­ke Mora­lis­ten hat­ten nie ein Pro­blem da­mit, Po­li­zei­ak­ti­vi­tä­ten et­wa ge­gen ge­walt­sa­me Stra­ßen­auf­zü­ge ver­meint­li­cher De­mons­tran­ten „kri­tisch zu hin­ter­fra­gen“oder of­fen zu ver­leum­den. Die ar­ro­gant-bes­ser­wis­se­ri­sche ers­te Re­ak­ti­on der lei­der im­mer noch pro­mi­nen­ten Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Re­na­te Kü­n­ast auf den po­li­zei­li­chen Not­wehr-To­des­schuss ge­gen den Würz­bur­ger Zu­gat­ten­tä­ter ist das jüngs­te Bei­spiel da­für, wie nicht nur die au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Lin­ke mit po­li­ti­scher Blind­heit ge­schla­gen ist, wenn der Staat tut, was er tun muss: Für Si­cher­heit sor­gen und Ver­bre­cher nö­ti­gen­falls phy­sisch aus­schal­ten.

Das Mo­de­ad­jek­tiv „wi­der­lich“aus der Schatz­tru­he ak­tu­el­ler Em- pö­rungs-Vo­ka­beln, das Lin­ken und Links­ex­tre­men fix von den Lip­pen kommt, wo im­mer sie Men­schen mit „rech­ter Ge­sin­nung“aus­ma­chen, bleibt un­be­nutzt in der Tru­he, wenn bei­spiels­wei­se in groß­städ­ti­schen Links-Bio­to­pen wie­der ein­mal ein ver­mumm­ter Mob Po­li­zis­ten at­ta­ckiert und Au­tos in Brand setzt. Man ge­winnt den Ein­druck, als sei grü­nen und dun­kel­ro­ten Lin­ken Ge­walt von links ver­zeih­lich, wenn sie sich nur schnei­dig ge­nug ge­gen „Rechts“wen­det. Da­bei wis­sen wir in­zwi­schen, dass für stram­me Lin­ke je­der Bür­ger­lich-Kon­ser­va­ti­ve ein ver­hass­ter Rech­ter ist, der meint, be­setz­te Häu­ser müss­ten po­li­zei­lich ge­räumt wer­den und der un­kon­trol­liert Zu­ge­wan­der­ten nicht so­fort ein Papp­schild mit „Wel­co­me“ent­ge­gen­streckt.

Als An­fang des Mo­nats so­ge­nann­te links­au­to­no­me Sym­pa­thi­san­ten der Ber­li­ner Haus­be­set­zer-Sze­ne die Po­li­zei an­grif­fen und mehr als 120 Be­am­te ver­letz­ten, hieß es in lin­ken und alt-links­li­be­ra­len Krei­sen, nun gel­te es, po­li­tisch auf die jun­gen Men­schen zu­zu­ge­hen. Es fehl­te nicht viel, und je­mand hät­te ei­nen Run­den Tisch an­ge­regt, an dem die Freun­din­nen und Freun­de des Stra­ßen­ter­rors ne­ben Ver­tre­tern der Po­li­tik dar­über pa­la­vern, was Recht und Un­recht sei in die­sem Staat. Rechts­ex­tre­me Ge­walt­tä­ter wer­den über al­le Par­tei­gren­zen hin­weg ver­ur­teilt. Al­les po­li­tisch Brau­ne wird zu Recht ge­äch­tet; war­um ge­schieht das nicht un­ter­schieds­los bei rot la­ckier­ten Fa­schis­ten? Ob­wohl sie sich fa­schis­ti­scher Me­tho­den be­die­nen, wer­den sie ger­ne als „Au­to­no­me“ver­nied­licht. Da­bei sind vie­le nicht au­to­nom, son­dern von ih­ren Alt-Apo-El­tern und staat­li­chen Stel­len ge­päp­pel­te So­zi­al­jun­kies, die auf Kra­wall ge­gen je­de Form von staat­li­cher Au­to­ri­tät ge­bürs­tet sind. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: kolumne@rheinische-post.de

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