Spar­kas­sen ge­win­nen Streit ums Rot

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANDREAS KRÖNER UND UR­SU­LA KNAPP

Nach jah­re­lan­gem Streit steht durch das gest­ri­ge Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs fest: Die Far­be Rot ge­hört im deut­schen Ban­ken­sek­tor den Spar­kas­sen. Die Santan­der-Bank muss nun wohl ih­ren Mar­ken­auf­tritt än­dern.

KARLS­RU­HE (rtr) Die deut­schen Spar­kas­sen ha­ben im jah­re­lan­gen Streit mit dem spa­ni­schen Kon­kur­ren­ten Santan­der um die Ver­wen­dung der Far­be Rot ei­nen rich­tungs­wei­sen­den Sieg er­run­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ent­schied ges­tern, dass der Farb­ton der Spar­kas­sen in Deutsch­land ge­schützt bleibt. Die Groß­bank Santan­der, die in Deutsch­land 324 Fi­lia­len be­treibt und ein ähn­li­ches Rot ver­wen­det wie die Spar­kas­sen, muss ih­ren Mar­ken­auf­tritt in der Bun­des­re­pu­blik nun ver­mut­lich än­dern. „Das Ur­teil hat eu­ro­pa­weit Si­gnal­wir­kung“, sag­te Rechts­schutz-Ex­per­tin Ju­lia Schön­bohm von der Kanz­lei Lin­kla­ters.

Das Ur­teil zeigt, dass ei­ne in Deutsch­land ein­ge­tra­ge­ne Farb­mar­ke auch in Zei­ten ei­nes grenz­über­schrei­ten­den eu­ro­päi­schen Ban­ken­mark­tes Be­stand ha­ben kann. „Aus­län­di­sche Ban­ken müs­sen bei ih­rem Markt­ein­tritt in ein an­de­res EU-Land be­rück­sich­ti­gen, wenn die Ver­brau­cher dort ei­ne be­stimm­te Far­be so­fort mit ei­nem hei­mi­schen Geld­haus ver­bin­den“, be­ton­te Schön­bohm. Für Santan­der und an­de­re eu­ro­pa­weit tä­ti­ge Geld­häu­ser ist das Ur­teil ein Rück­schlag, wie Mar­ken­recht­ler Cars­ten Al­brecht von der Kanz­lei FPS er­klärt. „Wer ei­nen ein­heit­li­chen eu­ro­pa­wei­ten Auf­tritt ha­ben möch­te, kann Aus­nah­men in ei­nem wich­ti­gen EULand wie Deutsch­land ei­gent­lich nicht hin­neh­men und müss­te dann eu­ro­pa­weit um­stel­len.“

Der Streit zwi­schen den Spar­kas­sen und Santan­der zieht sich be­reits seit neun Jah­ren hin und be­schäf­tig­te meh­re­re Ge­rich­te. Nach dem BGH-Ur­teil rech­nen sich die Spar­kas­sen nun gu­te Chan­cen aus, dass das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg Santan­der in ei­nem par­al­le­len Ver­fah­ren ver­bie­tet, mit ih­rem ro­ten Schrift­zug in Deutsch­land wei­ter auf Kun­den­jagd zu ge­hen. „Santan­der müss­te dann auf ei­nen an­de­ren Rot-Ton aus­wei­chen“, sagt Lin­kla­tars-Ex­per­tin Schön­bohm. „Es ist denk­bar, dass sich Ge­rich­te dann da­mit be­fas­sen wer­den, um wie vie­le Nuan­cen Kon­kur­ren­ten vom Spar­kas­sen-Farb­ton ab­wei­chen müs­sen.“

Die Spar­kas­sen wer­ben mit dem Farb­ton HKS 13 be­reits seit den 1960er Jah­ren – un­ter an­de­rem für ihr Spar­buch. Santan­der setzt seit En­de der Acht­zi­ger Jah­re auf den Farb­ton HKS 14, der ei­ne Nuan­ce dunk­ler ist. Santan­der wol­le das Ur­teil sorg­fäl­tig ana­ly­sie­ren und prü­fen, „in­wie­fern wir da­ge­gen vor­ge­hen kön­nen“, er­klär­te ein Spre­cher.

Aus Sicht von Ex­per­ten ha­ben die Spa­nier nun aber schlech­te Kar­ten. „Santan­der müss­te wohl das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ru­fen, um doch noch zum EuGH zu kom­men“, sagt Mar­ken­recht­ler Al­brecht. „Aber das ist sehr schwie­rig.“

BGH-Rich­ter Wolf­gang Bü­scher be­ton­te, die Spar­kas­sen wür­den schon so lan­ge mit ih­rem Farb­ton wer­ben, dass sich die­ser im Ver­kehr durch­ge­setzt ha­be. „Die Spar­kas­sen be­trei­ben über 15.000 Ge­schäfts­stel­len in Deutsch­land, sie set­zen über 130 Mil­lio­nen für Wer­bung ein.“Bü­scher wies die von Santan­der be­an­trag­te Lö­schung der Spar­kas­sen-Farb­mar­ke beim Bun­des­pa­tent­ge­richt ab (Az: I ZR I ZB 52/15). Das Rot der Spar­kas­sen ge­be den Ver­brau­chern Ori­en­tie­rung am Markt, sag­te Spar­kas­sen­prä­si­dent Ge­org Fah­ren­schon.

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