An­glei­chung der Ost­ren­ten kos­tet acht Mil­li­ar­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON HOL­GER HAN­SEN

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les will die ost­deut­schen Ren­ten bis 2020 auf das West­ni­veau an­he­ben.

SCHWE­RIN (rtr) Wenn es nach Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les geht, kön­nen sich die rund vier Mil­lio­nen ost­deut­schen Rent­ner in den Jah­ren 2018 und 2020 je­weils auf ei­ne zwei­ma­li­ge Ren­ten­er­hö­hung freu­en – zum 1. Ja­nu­ar und zum 1. Ju­li. Die SPD-Po­li­ti­ke­rin will die Ren­ten­wer­te bis zum Jahr 2020 auf das West­ni­veau an­he­ben. Das sieht nach Angaben des Mi­nis­te­ri­ums der Ge­setz­ent­wurf vor, der nun zur Ab­stim­mung ans Kanz­ler­amt ging.

Da­mit es so kommt, be­nö­tigt Nah­les aber noch grü­nes Licht von Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU). Nach ih­ren Be­rech­nun­gen kos­tet die An­glei­chung al­lein in den ers­ten drei Jah­ren ins­ge­samt rund 7,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das Geld soll vom Bund kom­men, nicht aus der durch Bei­trä­ge fi­nan­zier­ten Ren­ten­kas­se. Dar­auf be­steht Nah­les.

Mit dem Vor­schlag er­füllt die Mi­nis­te­rin ei­nen Auf­trag aus dem Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Den­noch ist of­fen, ob das Ge­setz am En­de den Bun­des­tag pas­siert. Vor al­lem aus der Uni­ons-Frak­ti­on wur­den gro­ße Vor­be­hal­te laut. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) in­des hat wie­der­holt da­für plä­diert, dass 30 Jah­re nach der Ein­heit glei­ches Ren­ten­recht in Ost und West herr­schen soll­te.

Ei­ne trei­ben­de Kraft hin­ter dem Ge­set­zes­vor­schlag von Nah­les war der Mi­nis­ter­prä­si­dent von Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Er­win Sel­le­ring. Er hat am 4. Sep­tem­ber ei­ne Land­tags­wahl zu be­ste­hen, bei der sei­ner SPD den Um­fra­gen zu­fol­ge der Ab­sturz droht. Da dürf­te es kein Zu­fall sein, dass Nah­les den Ka­bi­netts­be­schluss für hö­he­re ost­deut­sche Ren­ten für den 31. Au­gust ins Au­ge fasst – vier Ta­ge vor der Wahl.

Die Ren­ten­an­glei­chung bringt im Os­ten aber nicht nur Vor­tei­le. Das Nach­se­hen hät­ten die sechs Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer dort. Bei der Ren­ten­an­glei­chung gibt es zwei Stell­schrau­ben: den Rentenwert und die Hö­her­wer­tung der Ost­Löh­ne. Die Löh­ne sind maß­geb­lich für die Hö­he der Ren­te. Wäh­rend der Rentenwert nach den Plä­nen von Nah­les steigt, fällt die Hö­her­wer­tung der Löh­ne weg. Die Hö­her­wer­tung führt bis­her da­zu, dass die Ren­te für Ost-Be­schäf­tig­te im Os­ten bei glei­chem Lohn acht Pro­zent hö­her ist. Für künf­ti­ge Be­schäf­ti­gungs­zei­ten wer­den Ost-Ar­beit­neh­mer al­so im Ren­ten­recht wie Wes­tBe­schäf­tig­te be­han­delt. Das ist ver­nünf­tig: Die Ren­ten­ver­si­che­rung wer­tet ja auch die Löh­ne aus Schles­wig-Hol­stein nicht auf, ob­wohl sie nied­ri­ger sind als et­wa in Ba­denWürt­tem­berg.

Der Ent­wurf sieht da­bei ei­ne Zwei-Stu­fen-Lö­sung vor. Im Mit­tel­punkt steht der Rentenwert: Er er­reicht 2016 im Os­ten mit 28,66 Eu­ro rund 94,1 Pro­zent des West­wer­tes. Seit 2012 hat er von 88,8 Pro­zent fünf Pro­zent­punk­te auf­ge­holt, weil die Löh­ne im Os­ten schnel­ler stie­gen als im Wes­ten.

Der Vor­schlag von Nah­les sieht vor, die Dif­fe­renz zwi­schen Rentenwert Ost und West zum 1. Ja­nu­ar 2018 zu hal­bie­ren und 2020 ganz auf­zu­he­ben. Ne­ben der jähr­li­chen Er­hö­hung der Ren­ten zum 1. Ju­li stün­de den Ost-Rent­nern in bei­den Jah­ren al­so ei­ne zu­sätz­li­che An­he­bung ins Haus.

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