Der längs­te Glad­ba­cher al­ler Zei­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN FO­TO: DPA

Ver­tei­di­ger Jan­nik Ves­ter­gaard soll im Team ei­ne Füh­rungs­rol­le ein­neh­men.

ROTTACH-EGERN Jan­nik Ves­ter­gaard ragt aus dem Team von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach her­aus. Sein Kol­le­ge Ibra­hi­ma Tra­o­ré, der Kleins­te im Ka­der, ist 27 Zen­ti­me­ter kür­zer als der neue Ab­wehr­mann. 199 Zen­ti­me­ter misst die­ser. Da­mit hat der Dä­ne, der Wer­der Bre­men für elf Mil­lio­nen ab­ge­kauft wur­de, schon bei sei­ner Ver­trags­un­ter­schrift ei­nen Ver­eins­re­kord auf­ge­stellt: Er ist der längs­te Bo­rus­se, den es je gab. Bis­lang führ­te der ehe­ma­li­ge Tor­wart Wolf­gang Kneib mit 196 Zen­ti­me­tern Kör­per­län­ge die Rang­lis­te an. Ves­ter­gaard ist aber nicht nur der längs­te Glad­ba­cher, er über­ragt auch al­le an­de­ren Bun­des­li­ga­spie­ler.

Dass der neue Ver­tei­di­ger ihm ein we­nig das Licht nimmt, wenn er vor ihm steht, be­fürch­tet Tor­wart Yann Som­mer, 16 Zen­ti­me­ter klei­ner als Ves­ter­gaard, nicht. Gleich­wohl ge­steht er: „Ich hat­te noch nie ei­nen so gro­ßen In­nen­ver­tei­di­ger vor mir. Aber er ist nicht nur groß, son­dern auch gut mit dem Fuß. Au­ßer­dem ist er ru­hig am Ball, spielt sehr ab­ge­klärt und re­det viel, er ist ein Chef.“Som­mer ist nach sei­nem ver­län­ger­ten EM-Ur­laub ge­ra­de zwei Ta­ge da, schon sieht er beim neu­en Kol­le­gen das Po­ten­zi­al zum Ab­wehr­chef. Der Tor­wart weiß zu­dem, dass Ves­ter­gaard nicht nur hin­ten­rum sehr hel­fen wird, ge­ra­de bei ho­hen Bäl­len, son­dern auch „of­fen­siv ei­ne Rie­sen­kraft bei Ecken“sein kann. Er selbst hat das in der ver­gan­ge­nen Sai­son zwei­mal haut­nah er­lebt, als ihm der da noch bei Wer­der tä­ti­ge 23-Jäh­ri­ge nach Stan­dards zwei To­re ein­schenk­te.

Ves­ter­gaard, des­sen Mut­ter aus Kre­feld stammt, wird da­mit tat­säch­lich ei­ne neue Qua­li­tät ein­brin­gen in Bo­rus­si­as Of­fen­si­ve. Denn bei Stan­dards wa­ren die tor­hung­ri­gen Glad­ba­cher trotz der 67 Tref­fer in der Vor­sai­son arg harm­los. Auch in ei­ner wei­te­ren Dis­zi­plin wird er ge­braucht: beim Fern­schuss. Denn die bis­lang zu­stän­di­gen Her­ren, Gra­nit Xha­ka und Ha­vard Nordtveit, sind weg. Bei­de wa­ren auch Ex­per­ten für die lan­gen Bäl­le von hin­ten raus – da dürf­te nun Ves­ter­gaard eben­falls der rich­ti­ge An­sprech­part- ner sein. „Er hat ei­nen gu­ten Huf“, fasst Er­satz­tor­wart To­bi­as Sip­pel in der gu­ten al­ten Fuß­ballspra­che zu­sam­men. Vers­ter­gaard grinst. „Das muss ich dann wohl öf­ter mal ein­set­zen.“Trai­ner An­dré Schu­bert ist sehr an­ge­tan von sei­nem neu­en De­fen­si­v­exper­ten, der sehr viel Mensch ist mit sei­nen fast 100 Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht. „Er ist kopf- ball­stark, gut im Zwei­kampf, ein gu­ter Pass­spie­ler und tech­nisch sehr gut“, er­kärt Schu­bert. Der­zeit pro­biert er aus, wen er wo in sei­ner de­fen­si­ven Drei­er­ket­te auf­stellt: links, Mit­te, rechts. Vers­ter­gaard kann al­le drei Po­si­tio­nen spie­len, weil er den Ball mit bei­den Fü­ßen spielt. Theo­re­tisch kann Schu­bert ei­ne aus Vers­ter­gaards Sicht ein­ge­spiel­te Ket­te for­mie­ren. Mit Andreas Chris­ten­sen spielt er auch im dä­ni­schen Na­tio­nal­team zu­sam­men. Und To­bi­as Strobl, eben­falls ein Neu-Bo­rus­se, kennt er noch aus der ge­mein­sa­men Zeit bei 1899 Hof­fen­heim. „Bei den bei­den muss ich mich an nichts ge­wöh­nen, das ist in den ers­ten Wo­chen na­tür­lich ein Vor­teil“, sagt Ves­ter­gaard.

Wer Ves­ter­gaard in den Test­spie­len und im Trai­ning be­ob­ach­tet, sieht, dass er die Chef­rol­le, die ihm auch von Sport­di­rek­tor Max Eberl zu­ge­dacht ist, aus­fül­len kann. Er di­ri­giert sei­ne Mit­spie­ler von hin­ten. Man darf wohl sa­gen: Er hat da­für den nö­ti­gen Über­blick. Das ist ihm wich­tig, das ge­hört zu sei­nem Spiel. „Ich ver­su­che auch zu or­ga­ni­sie­ren und den Jungs da­mit zu hel­fen“, sagt er. So, wie es sich für ei­nen Ab­wehr­chef ge­hört. Al­les in al­lem ist er ei­ne im­po­san­te Er­schei­nung. Dass er nicht nur kör­per­lich ein Rie­se für Glad­bach ist, will er erst mal nach­wei­sen. „Ich will mei­ne Leis­tung brin­gen, dann se­hen wir wei­ter“, be­tont er. Ty­pisch be­schei­de­ner Dä­ne, auch wenn er nie­der­rhei­ni­sche Ge­ne in sich hat.

Der deut­sche Mit­tel­stür­mer ver­lässt Be­sik­tas Istan­bul aus po­li­ti­schen Grün­den.

Auch als Zwei­kämp­fer be­ein­dru­ckend: Jan­nik Ves­ter­gaard (rechts) im Test ge­gen den Ber­ner Alex­an­der Gerndt.

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