Ab­schal­ten!

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KIRCHEN -

Al­so, ihr wisst schon Be­scheid: Ab­schal­ten!“, so lau­te­te im­mer die Auf­for­de­rung am En­de der Kin­der­sen­dung „Lö­wen­zahn“, wel­che über vie­le Jah­re von Pe­ter Lus­tig mo­de­riert wur­de. Er woll­te na­tür­lich die Kin­der ani­mie­ren, nicht wei­ter vor der Flim­mer­kis­te zu sit­zen, son­dern et­was Sinn­vol­les mit der Zeit an­zu­fan­gen. „Ab­schal­ten“ist gar nicht so ein­fach, das sa­gen mir im­mer wie­der Men­schen bei Seel­sor­ge­ge­sprä­chen, und ich weiß es aus ei­ge­ner Er­fah­rung. Wenn das „Kopf-Ki­no“ar­bei­tet, fin­den wir Men­schen oft kei­nen Schal­ter, um dies ab­zu­stel­len. Die Ge­dan­ken krei­sen im Kopf, die Sor­gen bau­en sich auf wie Wol­ken­ber­ge am Som­mer­him­mel, und manch­mal ent­lädt sich ein re­gel­rech­tes Un­wet­ter in den ei­ge­nen Ge­dan­ken. Die Fol­gen sind oft Schlaf­lo­sig­keit, in­ne­re Un­ru­he, De­pres­sio­nen – oder wie es in un­se­rer Zeit heißt: Bur­nout. „Ab­schal­ten“ist nicht ein­fach und die Er­kennt­nis, dass ich als Mensch ganz drin­gend im­mer wie­der ab­schal­ten muss, ist nicht neu. In die­sen Ta­gen sind vie­le Düs­sel­dor­fe­rin­nen und Düs­sel­dor­fer in den Fe­ri­en und ge­nie­ßen ih­ren Ur­laub. Mit da­bei ist oft das Han­dy als stän­di­ger Be­glei­ter oder ein Lap­top, um mal noch schnell die E-Mails zu che­cken. Auch die so­ge­nann­ten „So­zia­len Me­di­en“wol­len im Ur­laub mit neu­en „wich­ti­gen“Din­gen ge­füt­tert wer­den. Und zu gu­ter Letzt het­zen wir viel­leicht noch von ei­nem Ter­min zum nächs­ten, um ja nichts zu ver­pas­sen. „Ab­schal­ten“geht an­ders! Ab­schal­ten braucht Kon­se­quenz und manch­mal auch ein we­nig Mut. Kon­se­quent das Smart­pho­ne in der Schub­la­de zu las­sen oder dem Com­pu­ter zwei Wo­chen frei zu ge­ben, ist für vie­le nicht ein­fach. Je­sus hat es vor­ge­macht. Er hat sich im­mer wie­der mal raus ge­nom­men und ist in die Ein­sam­keit ge­gan­gen, um ab­zu­schal­ten und Kraft zu tan­ken. Rich­tig ab­schal­ten ist wich­tig für Kör­per, Geist und See­le. Ich wün­sche uns al­len den Mut und die Kraft in die­sen Ta­gen rich­tig ab­zu­schal­ten. Wir brau­chen dies, um wie­der in Kon­takt mit uns selbst zu kom­men, zu re­ge­ne­rie­ren und neu Kraft zu sam­meln. Ab­schal­ten ist wich­tig: für die Klei­nen und die Gro­ßen. Al­les Liebe für Sie, Ihr

PFAR­RER TI­MO VOCKE

FO­TO: H.-J. BAU­ER

Ti­mo Vocke ist Pfar­rer der alt-ka­tho­li­schen Ge­mein­de.

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