Har­sche Kri­tik am au­to­frei­en NRW-Tag

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON THORS­TEN BREITKOPF, STEFANI GEILHAUSEN UND DENISA RICH­TERS

Mit der Idee, die In­nen­stadt am 28. Au­gust zu sper­ren, ver­grau­le die Stadt­ver­wal­tung Tau­sen­de Be­su­cher der Ca­ra­vanMes­se, be­män­geln CDU und FDP. Die Ent­schei­dung sei „übers Knie ge­bro­chen“.

Die Ur­laubs­lau­ne in Grie­chen­land hat es Ma­rie-Ag­nes Strack-Zim­mer­mann gründ­lich ver­ha­gelt: An „Un­gast­lich­keit nicht zu über­bie­ten“nennt sie die Idee, den NRW-Ge­burts­tag im Au­gust ohne Au­tos zu fei­ern. „Düs­sel­dorf ist ei­ne Mes­se­stadt und kein Frei­zeit­park“, zürnt die FDP-Che­fin und ver­weist auf Tau­sen­de Men­schen, die an be­sag­tem Wo­che­n­en­de zum Ca­ra­van-Sa­lon nach Düs­sel­dorf kom­men wer­den. Sie wür­den mit dem au­to­frei­en Sonn­tag re­gel­recht aus­ge­sperrt.

Die Stadt hat­te mit­ge­teilt, dass die ge­sam­te In­nen­stadt zwi­schen Ha­rold­stra­ße und Hof­gar­ten, Rhein­ufer und Ber­li­ner Al­lee für das Fest am 28. Au­gust ge­sperrt wird. Im Ju­ni hat­te Ver­kehrs­de­zer­nent Ste­phan Kel­ler noch im Fach­aus­schuss er­klärt, ein au­to­frei­er Sonn­tag sol­le erst 2017 in Ver­bin­dung mit ei­ner Ver­an­stal­tung or­ga­ni­siert wer­den.

Das em­pört Andreas Hart­nigk, Vi­ze-Chef der CDU-Frak­ti­on. Vor al­lem, weil er erst durch un­se­re Re­dak­ti­on von der Au­to­frei-Pla­nung er­fuhr. „Der Aus­schuss hat klar­ge­macht, dass bei der Wahl ei­ner Ver­an­stal­tung, die mit ei­nem au­to­frei­en Sonn­tag kom­bi­niert wer­den könn­te, die Po­li­tik ein­ge­bun­den sein soll­te.“Das sei schlech­ter Stil: „Herr Gei­sel macht mal wie­der, was er will.“Erst am Di­ens­tag hät­ten Rats­mit­glie­der, der OB und auch Kel­ler beim Gäs­t­e­vo­gel­schie­ßen auf der Kir­mes zu­sam­men­ge­ses­sen. „Da wur­de über vie­les ge­re­det, aber nicht über die­se Ent­schei­dung“, kri­ti­siert Hart­nigk. „Es ist nicht im Sinn der Stadt, aus­ge­rech­net bei ei­ner Pu­bli­kums­mes­se, de­ren Be­su­cher zu 80 Pro­zent mit dem Au­to kom­men, die In­nen­stadt zu sper­ren.“

Gei­sel kann die Auf­re­gung nicht ver­ste­hen. Er ha­be ges­tern ei­nen Ter­min bei der Mes­se ge­habt, dort ha­be sich nie­mand dar­über be­schwert. Wenn al­le Be­su­cher an dem Fest­wo­chen­en­de in die In­nen­stadt fah­ren wür­den, „ha­ben we­der die Be­su­cher des Fes­tes noch die Au­to­fah­rer Spaß an der Sa­che“. Und es sei Strack-Zim­mer­mann ge­we­sen, die die Ca­ra­van-Cam­per vom Rhein­ufer ha­be ver­trei­ben wol­len. Laut Kel­ler war die Mes­se von Be­ginn an im Ar­beits­kreis „Ver­kehr“an den Pla­nun­gen zum NRW-Tag be­tei­ligt. Dort sei be­reits im Ju­ni 2015 ein­ver­nehm­lich fest­ge­stellt wor­den, dass sich ver­kehr­lich kei­ne Kon­flikt­punk­te mit den Zu- und Ab­fahr­ten der Mes­se­be­su­cher er­ge­ben.

Die Ca­ra­van be­ginnt wie die Fei­er­lich­kei­ten zum NRW-Tag am 27. Au­gust. 200.000 Be­su­cher wa­ren dort 2015. Die Mes­se sei nicht nach ih­rer Mei­nung ge­fragt wor­den, sagt Ca­ra­van-Sa­lon-Chef Joa­chim Schä­fer. Die au­to­freie In­nen­stadt pas­se zwar nicht un­be­dingt zu ei­ner Mes­se, in der es „um sich dre­hen­de Rä­der“geht. „Aber wir kön­nen da­mit le­ben, so­lan­ge nicht der Rhein­ufer­tun­nel auch noch ge­sperrt wird.“

Strack-Zim­mer­mann, oh­ne­hin Kri­ti­ke­rin des NRW-Tags („das Land fei­ert, die Stadt zahlt“) rät nun, das Mot­to „#lass dich drü­cken“in „#ver­drück dich lie­ber“um­zu­wan­deln.

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