Nicht al­les war frü­her bes­ser

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER RHEINKIRMES - VON JAN WIE­FELS

Beim Se­nio­ren­nach­mit­tag be­wir­tet der St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­ver­ein rund 2000 Gäs­te. Sechs von ih­nen er­in­nern sich an frü­he­re Kir­mes­sen zu­rück. Vie­les ha­be sich ver­bes­sert.

Kir­mes de­fi­niert sich für vie­le jün­ge­re Men­schen aus ei­ner Mi­schung aus spek­ta­ku­lä­ren Fahr­ge­schäf­ten, dem Duft von ge­bra­te­nen Man­deln und lau­ter Mu­sik. Ei­ni­ges da­von gab es auch vor Jahr­zehn­ten be­reits, an­de­re Din­ge je­doch sind erst über die Jah­re hin­zu­ge­kom­men. Beim tra­di­tio­nel­len Se­nio­ren­nach­mit­tag im Fest­zelt des St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­ver­eins 1316 er­zähl­ten ges­tern ei­ni­ge Be­su­cher bei ei­ner Um­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, was die Kir­mes ih­rer Ju­gend aus­ge­macht hat.

Ei­ne zen­tra­le Er­kennt­nis: Vie­le äl­te­re Men­schen kön­nen der Kir­mes der Ge­gen­wart viel Po­si­ti­ves ab­ge­win­nen. „Es ist viel sau­be­rer als frü­her“, sagt zum Bei­spiel Lia­ne Ter­horst (76), die mit ih­rem Freund Die­ter Lenz (78) den Se­nio­ren­nach­mit­tag be­sucht. Auch sei­en die We­ge einst nicht ge­pflas­tert ge­we­sen, bei Re­gen­wet­ter sei da­her Sla­lom­lau­fen um die Pfüt­zen an­ge­sagt ge­we­sen. Auch die Viel­falt der Fahr­ge­schäf­te ha­be über die Jahr­zehn­te zu­ge­nom­men. Ei­ne At­trak­ti­on wie Apol­lo 13, bei der sich die Mit­fah­rer in der Luft über­schla­gen, sei frü­her un­denk­bar ge­we­sen. Dar­auf traut sich Lia­ne Ter­horst zwar mitt­ler­wei­le nicht mehr, doch noch bis vor zwei Jah­ren ha­be sie je­de At­trak­ti­on mit­ge­nom­men, ver­si­chert die 76Jäh­ri­ge.

Die Lis­te der Vor­zü­ge er­gänzt An­ge­li­ka Gla­ge (70): Das Fran­zö­si­sche Dorf sei die­ses Jahr wun­der­bar, weil man dort für Kir­mes-Ver­hält­nis­se re­la­tiv ru­hig sit­zen und sich un­ter­hal­ten kön­ne. „Der ge­sam­te Fest- platz ist ein­fach mo­der­ner und groß­zü­gi­ger ge­wor­den“, sagt Wil­helm Sch­wet­t­ay (81). Im Ver­gleich da­zu sei es frü­her viel be­eng­ter ge­we­sen. „Ich ver­mis­se nichts“, lau­tet das Ur­teil von Hen­ning Heinz (78).

Ei­ne wei­te­re Er­kennt­nis der Um­fra­ge: Die Rau­pe hat­te in der Ver­gan­gen­heit ei­nen im­mens ho­hen Stel­len­wert. Ohne die At­trak­ti­on war frü­her ei­ne Kir­mes kei­ne rich­ti­ge Kir­mes. Der Na­me des Fahr­ge­schäfts, das na­tür­lich auch die­ses Jahr auf den Rhein­wie­sen steht, fällt je­des Mal, wenn man Be­su­cher des Se­nio­ren­nach­mit­tags nach ih­ren Er­in­ne­run­gen fragt. „Die Rau­pe war toll“, sagt auch An­n­emie Me­er­kamp (76). Nicht zu­letzt die Mu­sik und das Se­hen-und-ge­se­hen-wer­den am Rand hat für vie­le den Reiz der At­trak­ti­on aus­ge­macht.

Der Se­nio­ren­nach­mit­tag ist eben­so wie die Rau­pe ei­ne Kon­stan­te der Rh­ein­kir­mes. Sei­nen An­fang hat die Ver­an­stal­tung vor mehr als 40 Jah­ren mit da­mals 200 Se­nio­ren ge­nom­men. Mitt­ler­wei­le wer­den jähr­lich 2000 äl­te­re Men­schen im Schüt­zen­zelt be­wir­tet. Der Auf­wand da­für ist rie­sig: An die­sem Nach­mit­tag wer­den 18 Hek­to­li­ter Alt­bier, fast 1000 Li­ter Mi­ne­ral­was­ser und 2000 war­me Mahl­zei­ten ser­viert, zu­dem gibt es ein knapp vier­stün­di­ges Un­ter­hal­tungs­pro­gramm. Or­ga­ni­sa­tor der Ver­an­stal­tung ist der zwei­te Schüt­zen­chef Wolf­gang Voll­mer. Für die Be­wir­tung wa­ren die­ses Mal die Schüt­zen vom III. uni­for­mier­ten Ba­tail­lon im Ein­satz. „Vor dem Per­so­nal kann man nur den Hut zie­hen“, sagt Wil­helm Sch­wet­t­ay.

RP-FO­TOS (3): ANDREAS ENDERMANN

An­n­emie Me­er­kamp (70, l.) und An­ge­li­ka Gla­ge (70) beim Se­nio­ren­nach­mit­tag: Für sie ge­hört die Rau­pe zur Kir­mes da­zu.

Wil­helm Sch­wet­t­ay (81, l.) und Hen­ning Heinz (78) sind mit der Kir­mes der Ge­gen­wart sehr zu­frie­den.

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