Wie gut war ei­gent­lich die al­te Zeit?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON STE­FAN WEI­GEL VON EVA QUADBECK VON MAR­TIN KESSLER

Dies­mal kom­men die schreck­li­chen Nach­rich­ten aus Mün­chen. Schüs­se in ei­nem Ein­kaufs­zen­trum, Hub­schrau­ber über der gan­zen Stadt, ge­sperr­ter Bahn­hof, Aus­nah­me­zu­stand, Be­rich­te über To­te und Ver­letz­te. Grau­en­voll. Wir sind in Ge­dan­ken bei den Op­fern und ih­ren An­ge­hö­ri­gen und wün­schen uns die gu­ten, al­ten Zei­ten zu­rück, als al­les noch in Ord­nung und si­cher war.

Aber wann ge­nau soll das ge­we­sen sein? Et­wa wäh­rend der Völ­ker­wan­de­rung? Im Mit­tel­al­ter mit sei­nen Kreuz­zü­gen, sei­ner Fol­ter und In­qui­si­ti­on? Im 17. Jahr­hun­dert mit dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg? Im 18. Jahr­hun­dert mit Erb­fol­ge­krie­gen und Fran­zö­si­scher Re­vo­lu­ti­on? Im auf­ge­klär­ten 19. Jahr­hun­dert mit Na­po­le­on und Deutsch-Fran­zö­si­schem Krieg? In den ers­ten 25 Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts mit dem Ers­ten Welt­krieg? In den zwei­ten 25 Jah­ren mit Ho­lo­caust und dem Zwei­ten Welt­krieg oder da­nach mit Kal­tem Krieg und RAFTer­ror?

Man muss die Welt so hin­neh­men, wie sie ist – oder sie än­dern. Ver­ste­cken geht nicht, ein­mau­ern geht nicht und wir kön­nen auch nicht zu­rück – nur nach vorn. BE­RICHT AN­SCHLAG IN MÜN­CHEN . . ., TI­TEL­SEI­TE

Ge­zielt ge­gen Al­ters­ar­mut

Nun rächt sich, dass die gro­ße Ko­ali­ti­on zu Be­ginn ih­rer Amts­zeit in der Ren­ten­po­li­tik ab­so­lut kurz­sich­tig ge­han­delt hat. Mit der Ren­te ab 63 und der neu­en Müt­ter­ren­te ha­ben SPD und Uni­on groß­zü­gig ih­re Wäh­ler­kli­en­tel be­dient.

Die Er­werbs­min­de­rungs­rent­ner sind da­mals ein­fach hin­ten her­un­ter ge­fal­len. Für sie gab es nur mi­ni­ma­le Ver­bes­se­run­gen. Bes­ser als die Ren­te mit 63 für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te wä­ren groß­zü­gi­ge Re­ge­lun­gen für all je­ne ge­we­sen, die tat­säch­lich nicht mehr ar­bei­ten kön­nen. Dar­un­ter fie­len dann je­ne Ar­beit­neh­mer, die an Krebs oder Mul­ti­pler Sk­le­ro­se lei­den, eben­so wie der viel­zi­tier­te Dach­de­cker, des­sen Kör­per die har­te Ar­beit nicht mehr be­wäl­ti­gen kann.

Wir leis­ten uns ei­nen üp­pig aus­ge­stat­te­ten So­zi­al­staat, der all­zu oft das Geld mit der Gieß­kan­ne ver­teilt. Schwe­re Krank­heit aber be­deu­tet ein ho­hes Ar­muts­ri­si­ko für die Be­trof­fe­nen. Sie be­dür­fen wirk­lich un­se­rer So­li­da­ri­tät. Wenn die Bun­des­re­gie­rung nun die nächs­te Ren­ten­re­form an­geht, soll­te sie die Er­werbs­min­de­rungs­rent­ner bes­ser aus­stat­ten und nicht wie­der ein­fach nur Kli­en­tel­po­li­tik be­trei­ben. BE­RICHT CDU: MEHR GELD FÜR . . ., TI­TEL­SEI­TE

Re­de­frei­heit gilt für al­le

Der ge­schei­ter­te Mi­li­tär­putsch in der Tür­kei zieht sei­ne Krei­se bis tief nach Deutsch­land. Die deutsch-tür­ki­sche Ge­mein­de ist ge­spal­ten wie nie. Die An­hän­ger des um­strit­te­nen Prä­si­den­ten Er­do­gan sind vol­ler Wut und Hass auf tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Un­ter­stüt­zer des Put­sches. Die li­be­ra­len Kräf­te der größ­ten Mi­gran­ten­grup­pe in Deutsch­land sind ent­setzt über die Ver­haf­tungs- und Ent­las­sungs­wel­le Er­do­gans.

Jetzt wol­len die kon­ser­va­ti­ven Ge­folgs­leu­te des tür­ki­schen Au­to­kra­ten so­gar in vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern, vor al­lem in Deutsch­land, auf die Stra­ße ge­hen. Der ös­ter­rei­chi­sche Au­ßen­mi­nis­ter Kurz hat den De­mons­tran­ten in­di­rekt ge­ra­ten, das bes­ser in der Tür­kei als in­ne­re An­ge­le­gen­heit des Lan­des zu tun. Das ist – vor­nehm aus­ge­drückt – ei­ne Auf­for­de­rung, doch Ös­ter­reich ge­fäl­ligst zu ver­las­sen.

Un­ser De­mo­kra­tie­ver­ständ­nis ist an­ders. Man mag die Par­tei­gän­ger des tür­ki­schen Prä­si­den­ten für ver­blen­det hal­ten. So­lan­ge sie un­se­re Ge­set­ze ein­hal­ten (was sie nicht im­mer tun) und fried­lich de­mons­trie­ren, ha­ben sie das Recht da­zu. Das ist De­mo­kra­tie. BE­RICHT 15.000 ER­DO­GAN-FANS ZUR DE­MO . . ., TI­TEL­SEI­TE

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