Hei­rat mit 88 und 90 Jah­ren

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON STE­FAN GILSBACH

„Al­te Lie­be ros­tet nicht“– den Be­weis ha­ben Edith Sey­farth und Al­fons Vier in Neukirchen-Vluyn an­ge­tre­ten. Nach ei­ner Jahr­zehn­te dau­ern­den Tren­nung sah sich das eins­ti­ge Lie­bes­paar wie­der und schloss ges­tern den Bund fürs Le­ben.

NEUKIRCHEN-VLUYN Ei­ne Lie­bes­ge­schich­te, die nach sechs Jahr­zehn­ten ihr Hap­py-End fin­det – das klingt nach ei­nem Dreh­buch im Hol­ly­wood-Stil und nicht un­be­dingt nach dem Stan­des­amt im Rat­haus von Neukirchen-Vluyn. Doch dort gab es ges­tern ei­ne Hoch­zeit, wie sie auch in Los An­ge­les nicht al­le Ta­ge vor­kommt: Edith Sey­farth und Al­fons Vier ha­ben sich das Ja-Wort ge­ge­ben. Das Un­ge­wöhn­li­che: Die Braut ist 88 Jah­re alt, ihr Bräu­ti­gam 90 Jah­re, zu­sam­men al­so 178 Jah­re.

Bar­ba­ra Umek-It­ter­mann Für die Braut war es die ers­te Hoch­zeit über­haupt. Wie fühl­te sich das an? „Es war schon un­ge­wöhn­lich“, meint die al­te Da­me, die nun Edith Vier heißt. Nein, un­ru­hig sei sie ei­gent­lich nicht ge­we­sen: „In mei­nem Al­ter neigt man nicht mehr zur Ner­vo­si­tät.“Die Toch­ter be­rich­tet: „Es war ei­ne Hoch­zeit im klei­nen Kreis.“Was auch dar­an liegt, dass vie­le Weg­ge­fähr­ten der bei­den Ehe­leu­te nicht mehr un­ter den Le­ben­den sind.

Das vor­ge­rück­te Al­ter der Braut­leu­te ist nicht das ein­zi­ge Er­staun­li­che an die­ser Lie­bes­ge­schich­te. Das Ehe­paar hat be­reits ein Kind, ei­ne Toch­ter, die 56 Jah­re alt ist und, wie der Zu­fall es so will, im Rat­haus von Neukirchen-Vluyn ar­bei­tet, ge­nau­er ge­sagt im Pla­nungs­amt.

Die Lie­bes­ge­schich­te von Edith und Al­fons be­ginnt vor mehr als 60 Jah­ren. „Mei­ne El­tern wa­ren bei­de bei Krupp in Rhein­hau­sen tä­tig“, er­zählt die Toch­ter. Ob­wohl der Va­ter be­reits ver­hei­ra­tet ist, ver­lie­ben sich die bei­den in­ein­an­der. Das bleibt stellt, fahn­det ihr Va­ter, Al­fons Vier, der da­mals im baye­ri­schen Grain­au lebt, nach sei­ner Toch­ter. Sie fährt nach Bay­ern und sieht ihn nach lan­ger Zeit wie­der. Schließ­lich teilt er ihr mit: „Ich möch­te gern nach Neukirchen-Vluyn zie­hen.“

Bar­ba­ra Umek-It­ter­mann be­sorgt ih­rem Va­ter am Nie­der­rhein ei­ne Woh­nung. Und so kommt es schließ­lich auch zu ei­nem Wie­der­se­hen von Edith Sey­farth und Al­fons Vier. Da­nach geht es so­zu­sa­gen Schlag auf Schlag. „Nach vier Mo­na­ten sind mei­ne El­tern zu­sam­men­ge­zo­gen“, er­zählt Toch­ter Bar­ba­ra und lacht. „Als sie mir dann sag­ten, dass sie nun heiraten möch­ten, muss ich wohl ziem­lich ko­misch ge­guckt ha­ben. Und so bin ich doch noch ,ehe­lich’ ge­wor­den.“Der Kreis hat sich ge­schlos­sen, die Fa­mi­lie ist ver­eint.

Als Hoch­zeits­ge­schenk für die El­tern ha­ben die Toch­ter und ihr Ehe­mann ih­nen ein Wo­che­n­en­de auf Schloss Ve­len im Kreis Bor­ken ge­schenkt. „Mit Kutsch­fahrt und Cand­le­light-Din­ner.“An ei­ne län­ge­re Hoch­zeits­rei­se ist nicht zu den­ken, denn Al­fons Vier muss drei Mal die Wo­che zur Dia­ly­se. Bei­de Ehe­leu­te hat­ten zu­dem im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Ober­hals­schen­kel­bruch. Den­noch, so meint der Ehe­mann, star­ten er und sei­ne Edith ge­sund­heit­lich rüs­tig in die Ehe. „Es geht uns recht gut.“

Die Stadt­ver­wal­tung von Neukirchen-Vluyn hat ein Fo­to und ein paar Zei­len über die un­ge­wöhn­li­che Hoch­zeit auf ih­re Face­book-Sei­te ge­stellt. Die Kom­men­ta­re von Be­su­chern der Sei­te über­schla­gen sich. Das „jun­ge Glück“wird ge­fei­ert. „Ein drei­fa­ches Hoch auf Sie!!!“, be­geis­tert sich ein Herr. „Das ist be­zau­bernd! Ein tol­les Braut­paar“, schwärmt ei­ne Da­me. Ei­ne an­de­re ruft „Ein Hoch auf die Lie­be“aus. „Lie­be kennt zum Glück kei­ne Al­ters­gren­zen“, meint ei­ne an­de­re Frau. Ein Kommentar lau­tet schlicht: „Wie süß“.

„Als mei­ne El­tern sag­ten, sie woll­ten heiraten, ha­be ich wohl ko

misch ge­guckt“

Toch­ter

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