Ver­ein­te Na­tio­nen sau­er über Ab­zug deut­scher Po­li­zis­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

Berlin recht­fer­tigt die Eva­ku­ie­rung aus dem Süd­su­dan mit Si­cher­heits­as­pek­ten. Die welt­weit schlech­te La­ge trifft auch die Bun­des­wehr.

BERLIN Zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Ver­ein­ten Na­tio­nen ist ein Streit um die Prä­senz in­ter­na­tio­na­ler Si­cher­heits­kräf­te im Süd­su­dan ent­brannt. Nach der Eva­ku­ie­rung von fünf Po­li­zis­ten aus ei­nem es­ka­lie­ren­den Kon­flikt zwi­schen An­hän­gern und Geg­nern von Prä­si­dent Sal­va Kiir klag­te die Uno, da­durch ha­be Deutsch­land Funk­ti­ons­fä­hig­keit und Mit­ar­beit-Moral der UN-Mis­si­on be­ein­träch­tigt. Die Bun­des­re­gie­rung be­ton­te, dass 15 Bun­des­wehr­sol­da­ten wei­ter ih­ren Di­enst ver­rich­te­ten und dass die fünf un­be­waff­ne­ten deut­schen Po­li­zei­kräf­te aus­ge­flo­gen wor­den sei­en, weil ei­ne „un­mit­tel­ba­re Ge­fahr für ih­re per­sön­li­che Si­cher­heit“be­stan­den ha­be.

Ein Spre­cher des Aus­wär­ti­gen Am­tes wi­der­sprach zu­dem Mel­dun­gen aus New York, wo­nach der Schritt oh­ne In­for­ma­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen er­folgt sei. Die Ent­schei­dung sei viel­mehr münd­lich und schrift­lich an­ge­zeigt wor­den. Au­ßer den deut­schen Po­li­zis­ten wur­den auch bri­ti­sche und schwe­di­sche Kol­le­gen aus­ge­flo­gen. Sie wa­ren nach Re­gie­rungs­an­ga­ben im Rah­men der Un­miss-Frie­dens­mis- si­on we­der be­waff­net noch für ope­ra­ti­ve Ein­sät­ze auf der Stra­ße vor­ge­se­hen, son­dern al­lein auf Aus­bil­dungs- und Trai­nings­auf­ga­ben be­schränkt. Die­se könn­ten der­zeit nicht wahr­ge­nom­men wer­den. Wäh­rend Berlin den Ab­zug als „tem­po­rär“ein­stuf­te, ver­lau­te­te aus New York ver­är­gert, dass die Deut­schen nun „un­er­wünscht“sei­en.

„Die Welt ist auch für die deut­schen Sol­da­ten noch kom­pli­zier­ter und noch be­droh­li­cher ge­wor­den“, stell­te Hans-Pe­ter Bar­tels, der Wehr­be­auf­trag­te des Bun­des­ta­ges, mit Blick auf die Aus­ru­fung des Aus­nah­me­zu­stan­des in Ma­li und in der Tür­kei fest. In bei­den Län­dern sind da­von auch Hun­der­te von Bun­des­wehr­sol­da­ten be­trof­fen.

Die Ge­fah­ren in Ma­li sei­en durch­aus mit de­nen in Af­gha­nis­tan zu ver­glei­chen, er­klär­te Bar­tels. „Es ist gut, dass die Bun­des­wehr künf­tig mit He­ron-Droh­nen die Auf­klä­rung und das La­ge­bild ver­bes­sert“, un­ter­strich der Wehr­be­auf­trag­te. 300 deut­sche Sol­da­ten sind im Nor­den des Lan­des sta­tio­niert, der am Mitt­woch er­neut von ei­nem mut­maß­lich is­la­mis­ti­schen An­schlag auf ein Mi­li­tär­camp mit min­des­tens 17 ge­tö­te­ten Sol­da­ten er­schüt­tert wor­den war.

Die im tür­ki­schen In­cir­lik ein­ge­setz­ten Sol­da­ten er­war­ten nach dem Putsch­ver­such, der auch von die­sem Stand­ort aus un­ter­nom­men wor­den war, ei­ne Nor­ma­li­sie­rung der Be­din­gun­gen. Ein Trans­port­flug­zeug ver­sorg­te sie ges­tern mit Ma­te­ria­li­en, auch die Strom­ver­sor­gung soll an die­sem Wo­che­n­en­de wie­der funk­tio­nie­ren. So­wohl die Auf­klä­rungs­mis­si­on mit Tor­na­doFlug­zeu­gen als auch die Luft­be­tan­kung für al­li­ier­te Kampf­flug­zeu­ge mit ei­nem spe­zi­el­len Mi­li­tär-Air­bus lie­fen wie ge­wohnt, hieß es aus der Bun­des­wehr. „Ei­ne kon­kre­te Ge­fähr­dung für deut­sche Sol­da­ten in der Tür­kei ist bis­lang nicht ge­mel­det wor­den“, er­läu­ter­te Bar­tels. Er wies dar­auf hin, dass der Ein­satz in In­cir­lik nicht in ers­ter Li­nie der Hil­fe für die Tür­kei die­ne, son­dern Frank­reich und die An­ti-IS-Ko­ali­ti­on beim Zu­rück­drän­gen der is­la­mis­ti­schen Mi­liz un­ter­stüt­ze.

Dass Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der­zeit Bun­des­wehr­sol­da­ten in der Tür­kei nicht be­su­chen dür­fen, nann­te Bar­tels „nicht hin­nehm­bar“. Er un­ter­strich: „Die für Mit­te Sep­tem­ber an­ge­kün­dig­te Rei­se von Mit­glie­dern des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses nach In­cir­lik muss statt­fin­den kön­nen.“

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