ÖKONOMIN

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Brau­chen wir ei­ne Ro­bo­ter­steu­er?

Der Chef der Deut­schen Post, Frank Ap­pel, hat sich mit ei­nem be­mer­kens­wer­ten Vor­schlag zu Wort ge­mel­det: Er regt an, die Wert­schöp­fung von Ro­bo­tern zu be­steu­ern und im Ge­gen­zug die Be­steue­rung von Ar­beit zu ver­rin­gern. Men­schen müss­ten in die La­ge ver­setzt wer­den, ei­nen wert­vol­len Bei­trag zu leis­ten. Da­mit greift der Post-Chef ei­ne Idee auf, die im Wahl­pro­gramm der Link­s­par­tei 2005 als „Wert­schöp­fungs­ab­ga­be“auf­taucht und ak­tu­ell von Ös­ter­reichs Kanz­ler Chris­ti­an Kern (SPÖ) ge­for­dert wird. Ei­ne bun­te Ko­ali­ti­on al­so für die Ro­bo­ter­steu­er.

Auf den ers­ten Blick hat sie Charme. Die Di­gi­ta­li­sie­rung macht vie­le Jobs über­flüs­sig – im Rei­se­bü­ro, in der Bank, in Han­del und In­dus­trie. Das ist ein Pro­blem für ein Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­tem, das sich über Bei­trä­ge auf Lohn­ein­kom­men fi­nan­ziert. Die Fi­nan­zie­rung auf mehr Schul­tern zu ver­tei­len, ist in ei­ner schrump­fen­den Ge­sell­schaft ein rich­ti­ger An- satz. Zugleich hof­fen die Fans, mit der Be­steue­rung von Re­chen­zen­tren die Gewinner der Di­gi­ta­li­sie­rung wie Ama­zon stär­ker an der Staats­fi­nan­zie­rung zu be­tei­li­gen.

Und doch hat die Ro­bo­ter­steu­er Nach­tei­le, die schwe­rer wie­gen. Als ers­tes stel­len sich Ab­gren­zungs­fra- gen: Was ist ein Ro­bo­ter – nur ei­ne sich selbst steu­ern­de Fer­ti­gungs­stra­ße oder auch ei­ne Che­mie­an­la­ge oder gar je­der PC? Klar ist: Die Ro­bo­ter­steu­er be­las­tet ka­pi­tal­in­ten­si­ve Fir­men wie Goog­le stär­ker als per­so­nal­in­ten­si­ve wie die Post, was Ap­pels Be­geis­te­rung er­klärt, den Plan ge­samt­wirt­schaft­lich aber nicht bes­ser macht. Denn die Ro­bo­ter­steu­er trifft ge­zielt den wich­tigs­ten Trä­ger des tech­ni­schen Fort­schritts. Das ist volks­wirt­schaft­lich dumm, zu­dem ha­ben Fort­schritts­brem­sen noch nie funk­tio­niert. Die Ma­schi­nen­stür­mer konn­ten 1815 den me­cha­ni­schen Web­stuhl nicht auf­hal­ten, die Ro­bo­ter­steu­er wird die Di­gi­ta­li­sie­rung nicht stop­pen.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Ar­beits­welt ra­di­kal und bringt neue so­zia­le Pro­ble­me mit sich. Die Ant­wort soll­te nicht sein, Ro­bo­ter zu be­hin­dern, son­dern mehr Men­schen fit für di­gi­ta­les Ar­bei­ten zu ma­chen. Fra­gen? Schrei­ben Sie der Au­to­rin un­ter kolumne@rheinische-post.de

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