Iyo­has ver­rück­ter 14-St­un­den-Aus­flug

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT -

Völ­lig über­ra­schend wird Em­ma­nu­el Iyo­ha aus dem Trai­nings­la­ger nach Sand­hau­sen be­or­dert, wo er mit der U19Na­tio­nal­mann­schaft den Elf­me­ter-Kri­mi ge­gen die Nie­der­lan­de ge­winnt. Da­mit ist das Team für die U20-WM qua­li­fi­ziert.

THO­MAS SCHUL­ZE BE­RICH­TET AUS DEM TRAI­NINGS­LA­GER IM WES­TER­WALD Em­ma­nu­el Iyo­ha sitzt auf der Ter­ras­se des Lind­ner Ho­tels und blickt auf den Wie­sen­see. Erst so lang­sam rea­li­siert er, welch spek­ta­ku­lä­ren 14-St­un­den-Aus­flug er am Abend zu­vor er­lebt hat. Nach dem mor­gend­li­chen Trai­ning hat­te Fried­helm Fun­kel den Nach­wuchs­stür­mer der Fortu­na zu sich ge­ru­fen und ge­fragt, wie er sich füh­le. „Gut, ich bin fit“, hat­te der Youngs­ter ge­ant­wor­tet in der Hoff­nung, dass er am Abend im Test­spiel beim Re­gio­nal­li­gis­ten Ki­ckers Of­fen­bach (3:0) zur Start­for­ma­ti­on ge­hö­ren wür­de.

„Als Stür­mer ist es bes­ser al­lein vor­ne drin.

Da kann man sein ei­ge­nes Ding ma­chen“

Em­ma­nu­el Iyo­ha

Nach­wuchs­stür­mer

„Und dann sag­te er mir, dass der DFB an­ge­ru­fen und ge­fragt hat, ob ich zum Qua­li­spiel ge­gen Hol­land kom­men kön­ne, er wol­le mich nach­no­mi­nie­ren. Da ha­be ich nicht lan­ge über­legt“, er­zählt Iyo­ha den An­fang die­ser ver­rück­ten Ge­schich­te und fügt schmun­zelnd hin­zu: „Ein Test­spiel ist bes­ser als Trai­ning, ei­ne WM-Qua­li ist bes­ser als ein Test­spiel.“Kein Wi­der­spruch.

Du­schen, Mit­tag­es­sen, Ab­fahrt nach Sand­hau­sen, wo die Be­geg­nung zwi­schen der deut­schen U19 und den Nie­der­lan­den aus­ge­tra­gen wur­de. Fortu­nas Te­am­ma­na­ger Sa­scha Rös­ler spiel­te den Chauf­feur. „Ich war pünkt­lich zur Mann­schafts­be­spre­chung um 17.10 Uhr da“, be­rich­tet Iyo­ha, der den er­krank­ten Schal­ker Fa­bi­an Ree­se er­set­zen und nur im Not­fall zum Ein­satz kom­men soll­te. „Und dann be­gann das Dra­ma.“Das Dra­ma: Deutsch­land ret­tet sich in der Nach­spiel­zeit durch das Tor zum 2:2 in die Ver­län­ge­rung. Iyo­ha wird nach 110 Mi­nu­ten beim Stand von 3:2 ein­ge­wech­selt, doch die Nie­der­län­der glei­chen aus. In der 120. Mi­nu­te hat­te Iyo­ha die gro­ße Chan­ce, frei­ste­hend den Sieg­tref­fer zum 4:3 zu er­zie­len, traf aber aus kur­zer Dis­tanz den Ball nicht rich­tig. Doch das deut­sche Team ge­winnt nach Elf­me­ter­schie­ßen mit 5:4. Glück­lich lässt er sich zu­rück in den Wes­ter­wald kut­schie­ren.

Für Iyo­ha war der Not­fall ein Glücks­fall. „Ich ha­be mich rie­sig ge­freut, dass der Trai­ner mit ver­traut hat.“Für ihn sei es et­was Be­son­de­res das Na­tio­nal­tri­kot zu tra­gen. Aber das Tri­kot be­kommt nicht et­wa ei­nen Eh­ren­platz bei ihm: „Ich ha­be zwei, das ei­ne schen­ke ich mei­ner Mut­ter, das an­de­re mei­ner Oma.“

Die­ses Er­leb­nis schwingt noch nach, als er ges­tern mor­gen wie­der mit Fortu­na auf dem Trai­nings­platz steht. Na­tür­lich will er ei­nen Platz in der Mann­schaft er­obern. Dass der Ver­ein noch ei­nen ge­stan­de­nen Stür­mer sucht, ir­ri­tiert ihn nicht. Sein Vor­bild ist Thier­ry Hen­ry – groß, be­weg­lich, schnell, mit bei­den Fü­ßen ab­schluss­stark. Dem ei­fert er nach. „Das ist für mich ein wei­te­rer Ansporn. Egal, wer kommt, ich wer­de es ihm so schwer wie mög­lich ma­chen“, sagt er selbst­be­wusst. Mehr noch, er be­an­sprucht den Platz in der Spit­ze, hält nichts von zwei Stür­mern. „Als Stür­mer ist es bes­ser al­lein vor­ne drin. Da kann man sein ei­ge­nes Ding ma­chen. Bei zwei Stür­mern er­for­dert das viel Ab­spra­che, da muss man har­mo­nie­ren.“

Mit Blick auf die kom­men­de Sai­son ist Iyo­ha zu­ver­sicht­lich: „Im Trai­ning ist mehr Feu­er drin als im Vor­jahr. Und wenn es im Trai­ning nicht stimmt, wird es auch im Spiel nicht stim­men. Die Vor­aus­set­zun­gen sind jetzt bes­ser.“

FO­TO: IMA­GO

Em­ma­nu­el Iyo­ha (links) schreit die Freu­de über das ge­won­ne­ne Elf­me­ter­schie­ßen und die WM-Qua­li­fi­ka­ti­on der deut­schen U19 her­aus.

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