Die gan­ze Welt des Jazz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON BAR­BA­RA STEINGIESSER

En­de Ju­li star­tet „ Jazz & Welt­mu­sik im Hof­gar­ten“. Ei­ne Rei­he von vier Dop­pel­kon­zer­ten gibt es sams­tags un­ter frei­em Him­mel.

Die Son­ne ge­nie­ßen, den ei­ge­nen Ho­ri­zont er­wei­tern, et­was über frem­de Län­der er­fah­ren, an­de­re Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen und über­ra­schen­de Ent­de­ckun­gen ma­chen. Das sind Wün­sche, die un­trenn­bar mit dem Ur­laub ver­bun­den sind. Was aber ist, wenn man nicht die Mög­lich­keit hat, in den Som­mer­fe­ri­en zu ver­rei­sen? Muss man dann auf all die­se Er­leb­nis­se ver­zich­ten? Glück­li­cher­wei­se lau­tet die Ant­wort dar­auf: nein. Denn in Düsseldorf gibt es seit fast vier Jahr­zehn­ten die Kon­zert­rei­he „Jazz & Welt­mu­sik im Hof­gar­ten“, die all­jähr­lich im Ju­li und Au­gust die gro­ße wei­te Welt an den Rhein holt.

So hat der Schlag­zeu­ger Pe­ter Weiss als künst­le­ri­scher Lei­ter auch

„Ver­zich­tet ha­ben wir auf al­le Sal­sa-Bands und Trom­mel­grup­pen, al­so auf das, was

un­ter Folk­lo­re ver­stan­den wird“

Pe­ter Weiss

Jazz­mu­si­ker und künst­le­ri­scher Lei­ter

in die­sem Jahr wie­der ein span­nen­des und ab­wechs­lungs­rei­ches Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt. In acht Open-Air-Kon­zer­ten an vier Sams­ta­gen wer­den Mu­si­ker aus zwölf Na­tio­nen im Pa­vil­lon zwi­schen Schau­spiel­haus und Schloss Jä­ger­hof zu Gast sein. Dies­mal stam­men sie aus Bra­si­li­en, Deutsch­land, Grie­chen­land, Groß­bri­tan­ni­en, Ita­li­en, den Nie­der­lan­den, Po­len, Ru­mä­ni­en, aus der Schweiz, der Slo­wa­kei, aus Un­garn und aus den USA.

Ei­nen Schwer­punkt bil­det Mu­sik aus Bra­si­li­en, die gleich in zwei Kon­zer­ten zu hö­ren sein wird. Am 13. Au­gust spielt das Trio der Sa­xo­fo­nis­tin Ma­ria Bra­gan­ca aus Be­lo Ho­ri­zon­te. Und am 20. Au­gust folgt dann die fin­nisch-deut­sche Bos­sa-no­vaSän­ge­rin Ul­la Ha­e­sen, die mit ei­nem bra­si­lia­ni­schen Pro­gramm und her­aus­ra­gen­den So­lis­ten nach Düsseldorf kommt. Dar­un­ter sind auch Lu­la Gal­vao, laut der Fach­zeit­schrift „Gui­tar Play­er“ei­ner der zehn bes­ten Gi­tar­ris­ten Bra­si­li­ens, und der deutsch-nie­der­län­di­sche Mund­har­mo­ni­ka-Vir­tuo­se Hen­drik Meur­kens, der seit vie­len Jah­ren in New York lebt. Meur­kens wur­de in Ham­burg ge­bo­ren und steht für die Stil­rich­tung des Mo­dern Jazz.

„Auch in die­sem Jahr geht es na­tür­lich um grenz­über­schrei­ten­de Pro­jek­te“, sagt Pe­ter Weiss. Und da­mit meint er nicht nur Län­der-, son­dern auch Gen­re­gren­zen. „Wir ha­ben uns Mü­he ge­ge­ben, ein in al­le Rich­tun­gen stre­ben­des Pro­gramm zu­sam­men­zu­stel­len“, er­läu­tert er, „vom Duo bis zur neun­köp­fi­gen Band, von der Elek­tro­nik bis zum Groo­ve, vom Hard­bop bis zur ech­ten Folk­lo­re. Ver­zich­tet ha­ben wir auf al­le Sal­sa-Bands und Trom­mel­grup­pen, al­so auf das, was ge­mein­hin un­ter Folk­lo­re ver­stan­den wird.“

Dass Welt­mu­sik viel mehr ist als nur das, näm­lich dass sie tat­säch­lich ei­nen gan­zen Kos­mos von Klän­gen für den Zu­hö­rer be­reit­hält, be­weist das „Ta­ba­doul Or­ches­tra“, die ers­te eu­ro­päi­sche Band, die sich der Mu­sik des 1991 ver­stor­be­nen ägyp­ti­schen Kom­po­nis­ten Mo­ham­med Ab­del Wa­hab wid­met. Am 13. Au­gust ist sie im Düs­sel­dor­fer Hof­gar­ten zu Gast. Mo­ham­med Wa­hab, der die Mu­sik­tra­di­ti­on sei­ner Hei­mat erst­mals mit west­li­chen Ein­flüs­sen ver­schmolz, gilt als Pio­nier der ara­bi­schen Kunst­mu­sik. Das „Ta­ba­doul Or­ches­tra“selbst ver­steht ihn gar als „Frank Zap­pa der ara­bi­schen Welt“.

Den Ge­heim­tipp des künst­le­ri­schen Lei­ters gibt es gleich im ers­ten Kon­zert am 30. Ju­li zu hö­ren. „Zum ers­ten Mal“, sagt Weiss, „ha­ben wir et­was kräf­tig Elek­tro­ni­sches da­bei, das Duo ,Ani­ma­ta‘.“Es be­steht aus der Schwei­zer Sän­ge­rin Sa­rah Bu­e­chi und dem Schlag­zeu­ger Chris­toph Ha­be­rer. Pe­ter Weiss sei so­fort völ­lig ver­blüfft von dem Duo ge­we­sen. „Die bei­den sind so in­tel­li­gent, auch, was das Pro­gramming be­trifft, und ver­wen­den die elek­tro­ni­schen Ele­men­te sehr mu­si­ka­lisch: So bleibt es span­nend bis zum letz­ten Stück!“

Für wei­te­re mu­si­ka­li­sche Ent­de­ckun­gen sor­gen „La Ban­da di Pa­ler­mo“(6. Au­gust) aus der si­zi­lia­ni­schen Part­ner­stadt Düs­sel­dorfs, der pol­ni­sche Sa­xo­fo­nist Gr­zech Pio­trow­ski (30. Ju­li) und Gi­tar­rist Axel Fisch­ba­cher (6. Au­gust), der mit ei­ner Horn Sec­tion in den Hof­gar­ten kommt, mit den Te­nor­sa­xo­fo­nis­ten To­ny La­ka­tos, Mol­ly Dun­can und De­nis Gä­bel. Beim gro­ßen Ab­schluss­kon­zert am 20. Au­gust sitzt Pe­ter Weiss selbst am Schlag­zeug.

Mit Gäs­ten aus Grie­chen­land will der „Jazz­pool NRW“den Hof­gar­ten zum Groo­ven brin­gen. Im Win­ter ist der Ge­gen­be­such. Dann wer­den Weiss, Wolf­gang Schmidtke, Rei­ner Wit­zel, der Es­se­ner Trom­pe­ten-Pro­fes­sor Ryan Car­ni­aux und WDR- Jazz­preis­trä­ger To­bi­as Hoff­mann als Jazz-Bot­schaf­ter aus Nord­rheinWest­fa­len bei den grie­chi­schen Freun­den in Athen zu Gast sein. So schließt sich der Kreis.

FO­TO: HER­BERT MER­TENS HEME

Das ers­te von vier Dop­pel­kon­zer­ten gibt das „Ta­ba­doul Or­ches­tra“am 30. Ju­li. Ein ers­tes High­light, sagt der künst­le­ri­sche Lei­ter Pe­ter Weiss.

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