Neu­er Grie­che am Wehr­hahn

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON CHRIS­TI­AN HERRENDORF

Die neue U-Bahn hat schö­ne Ne­ben­wir­kun­gen: Ent­lang der Stre­cke er­öff­nen Re­stau­rants, zum Bei­spiel die „Ta­ver­ne Mes­dheu“, die ei­ne Mi­schung aus den Kü­chen des Mit­tel­meer­raums bie­tet.

Die grie­chi­sche Gastro­sze­ne kann ein biss­chen Un­ter­stüt­zung gut ge­brau­chen. Einst war sie in Düsseldorf ganz wich­tig, als sich hier die in­ter­na­tio­na­len Kü­chen ent­wi­ckel­ten, heu­te ist sie eher un­ter­re­prä­sen­tiert. Es gibt Ver­tre­ter der ge­ho­be­nen Kü­che wie zum Bei­spiel das „As­ki­tis“und das „Pe­ga­sos“, es gibt (und das ist über­haupt nicht ge­ring­schät­zig ge­meint) ein paar groß­ar­ti­ge Im­biss­stu­ben wie die „Pfef­fer­müh­le“in Fried­rich­stadt oder die „Akro­po­lis“in Ober­kas­sel – das war es dann aber auch schon weit­ge­hend. Die „Ta­ver­ne Mes­dheu“, die nun an der Gren­ze zwi­schen Stadt­mit­te und Flin­gern er­öff­net hat, be­rei­chert Düsseldorf ein­fach schon mal grund­sätz­lich.

Das Re­stau­rant mit grie­chi­schem Na­men und Schwer­punkt so­wie ita- lie­ni­scher Nei­gung macht schnell und an­ge­nehm klar, dass es in der Li­ga der ge­ho­be­nen Ver­tre­ter mit­spie­len möch­te. Schö­nes und hoch­wer­ti­ges Mo­bi­li­ar steht auf der ex­tra ge­schaf­fe­nen Ter­ras­se und im glä­ser­nen In­nen­raum, Besteck, Be­leuch­tung und auch die Toi­let­ten­räu­me sind al­le samt Be­leg für gu­ten Ge­schmack und Händ­chen.

Und so geht es auf der Kar­te auch wei­ter. Dort wird auf der ers­ten Sei­te erst ein­mal der In­ha­ber ge­nannt. Das wirkt zu­nächst un­ge­wöhn­lich, hat aber sei­nen Grund: Sa­ban Emi­ni bringt mehr als 30 Jah­re Er­fah­rung in der Gas­tro­no­mie mit und ist vie­len Düs­sel­dor­fern als Chef­koch des schon er­wähn­ten „Pe­ga­sos“be­kannt. Nun führt er sein ers­tes ei­ge­nes Re­stau­rant, hat da­für an­ge­kün­digt, kei­ne Tief­kühl­kost ein­zu­set­zen, und un­ter­mau­ert das Ver­spre­chen mit ei­ner of­fe­nen Kü­che.

Ähn­lich geht er auch bei den Ge­rich­ten vor. Er be­schreibt sie auf der Kar­te schon so, dass sie gut klin­gen, lässt sich da­mit aber noch un­ter­schät­zen. Ein Bei­spiel: Zum Zan­der­fi­let kün­digt er ein Spar­gel-Risot­to an. Das sä­mig-wür­zi­ge Reis­ge­richt trägt dann ne­ben Spar­gel auch noch ei­ne fa­mo­se Mi­schung mit Mu­scheln und ge­grill­tem Ge­mü­se in sich. Und so sind auch im Sa­lat oder bei den Fleisch­ge­rich­ten mehr Zu­ta­ten als an­ge­kün­digt, oh­ne dass es auf­dring­lich und stö­rend wirkt. Der Gast hät­te das so nicht er­war­tet, ist aber an­ge­nehm über­rascht über das, was der Koch wagt. Und der Kü­chen­chef ist auch sonst ein mu­ti­ger Mann, das zeigt sich noch ein­mal bei den Fein­hei­ten. Der Fisch kommt schon kräf­tig ge­bra­ten auf den Tisch und ist dann noch mit gro­ben Kör­nern von Meer­salz gar­niert. Das ist ei­ne Her­aus­for­de­rung und för­dert min­des­tens den Was­ser­ab­satz, es lohnt sich aber, sich bei­dem zu stel­len.

Zwei wei­te­re Aspek­te ver­die­nen noch Lob: Bei un­se­rem Test­be­such wa­ren auf­fal­lend vie­le Kell­ner im Ein­satz, so dass trotz der zahl­rei- chen Ti­sche al­le Gäs­te in ver­nünf­ti­gem Tem­po ver­sorgt wur­den. Der Ser­vice be­hält da­bei auch die­je­ni­gem im Blick, die nur ein Stück über die Tisch­kan­te gu­cken kön­nen. Für Kin­der gibt es ei­ni­ge Ge­rich­te und schon kurz nach dem Hin­set­zen ei­nen an­sehn­li­chen Sta­pel mit Bil­de­r­und Mal­bü­chern so­wie fri­sche Bunt­stif­te.

Die Kri­tik­punk­te be­tref­fen eher Ne­ben­säch­lich­kei­ten des Be­suchs: An­ge­sichts der gu­ten Por­tio­nen wür­den wir an­ge­wärm­te Tel­ler emp­feh­len, weil nicht al­le so schnell kon­su­mie­ren wie die un­ter ei­ner Be­rufs­krank­heit lei­den­den Test­es­ser. Und ein Fisch­mes­ser hät­te den Kon­sum des Zan­der­fi­lets merk­lich er­leich­tert.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Auf der Ter­ras­se der Ta­ver­ne Mes­dheu: In­ha­ber Emi­ni Sa­ban (li.) und Chef­kell­ner Tho­mas So­bek prä­sen­tie­ren den Gäs­ten Anet­te Ja­e­ger und Hol­ger Cre­mer Fisch und Wein.

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