Vi­el­leicht mag ich dich mor­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - AUS DEM ENG­LI­SCHEN VON KA­RIN DUFNER

Es war ver­lo­ckend, die Ver­wechs­lung zu nut­zen. Aber wen ge­nau hat­te Par­ker ge­se­hen? „Du hast kei­nen Ton ge­sagt, als wir ihr bei dem Mee­ting mit den Mu­se­ums­leu­ten vor­ge­stellt wur­den!“Aha! „Äh. Nein. Be­ruf­li­ches und Pri­va­tes tren­nen und so wei­ter.“Herr­je, was tat er da? Gro­ße Schei­ße!

„Die hat uns ganz schön die Höl­le heiß ge­macht!“Par­ker lach­te dre­ckig.

„Ja, was das Tren­nen von Be­ruf und Pri­vat­le­ben an­geht, ist sie echt gut“, mein­te Ja­mes.

„Ist da­mals schon was zwi­schen euch ge­lau­fen?“„Äh. Ir­gend­wie schon . . .“Hilf­los zap­pelnd im ei­ge­nen Lü­gen­ge­spinst – oder, um es an­ders aus­zu­drü­cken: Lü­gen ha­ben kur­ze Bei­ne. Was für ein Fi­as­ko.

Wenn Ja­mes die ent­setz­li­che Wo­ge aus Mit­leid und Neu­gier, nach­dem er al­len von Eva er­zählt hät­te, nur tap­fer über sich hät­te er­ge­hen las­sen. Dann hät­te er jetzt nicht so in der Klem­me ge­steckt. Aber er war schwach ge­we­sen. Er hat­te ge­lo­gen. Man hat­te ihm ge­glaubt. Und nun muss­te er da­für bü­ßen. Er hat­te sich or­dent­lich in die Schei­ße ge­rit­ten.

„Hö­re ich rich­tig?“, mel­de­te sich Har­ris von sei­nem Platz am Tip­pKick-Tisch aus. „Du hast die mys­te­riö­se Freun­din tat­säch­lich ge­se­hen, Parks?“Par­ker nick­te.

„Aber, aber“, er­wi­der­te Har­ris. Er trug ei­nen ka­rier­ten Filz­hut und ein T-Shirt, das für ei­ne Ham­bur­ger­ket­te warb. In’N’Out – Wo die di­cken Dop­pel­de­cker woh­nen. „Wir dach­ten schon, dei­ne neue Freun­din wä­re ein Kür­bis mit auf­ge­mal­tem Ge­sicht.“

„Hey, ich wür­de mich nie mit ei­nem Mit­glied dei­ner Kür­bis­fa­mi­lie rum­trei­ben. Ich weiß ja, wie viel sie dir be­deu­tet“, ver­such­te Ja­mes es mit ei­nem schlech­ten Witz, ge­folgt von ei­ni­gem Ge­ki­cher. Er ver­ab­scheu­te es, Har­ris’ Spiel­chen mit­zu­spie­len, wuss­te aber kei­ne Al­ter­na­ti­ve – ab­ge­se­hen da­von, dem Kerl an die Gur­gel zu sprin­gen. Er fühl­te sich wie da­mals in der Schu­le.

„Sie ar­bei­tet an der Aus­stel­lung im Bri­tish Mu­se­um mit“, füg­te Par­ker hin­zu. Par­ker war kein In­tri­gant, nur schreck­lich na­iv. Das hieß, dass er schreck­li­chen Scha­den an­rich­ten konn­te, wenn er un­be­darft In­for­ma­tio­nen an Har­ris wei­ter­gab.

„Echt?“, sag­te Har­ris und schnipp­te ei­ne Spiel­fi­gur. Of­fen­bar über­leg­te er, wie er die­ses Wis­sen nut­zen konn­te, um Är­ger zu ma­chen. „Hof­fent­lich hast du dein Hö­schen an­ge­las­sen und dich brav an die Ab­ma­chun­gen ge­hal­ten.“

„Herr­je, Har­ris, das ist wi­der­lich“, ent­geg­ne­te Ja­mes.

„Ent­schul­di­ge, Dad“, ant­wor­te­te Har­ris. „Tooooor!“, brüll­te er im nächs­ten Mo­ment. „Mo­na, ich bin der Kö­nig des Männ­chen­fuß­balls! I am the Lord of the Dan­ce!“

Die Wor­te wur­den von ei­nem der­art schau­der­li­chen Hüft­ge­wa­ckel be­glei­tet, dass Ja­mes vor lau­ter Ab­scheu ge­gen die­sen Men­schen hät­te kot­zen kön­nen.

Ra­mo­na dreh­te die Mu­sik lau­ter, und Har­ris er­zähl­te wie­der ein­mal die al­te An­ek­do­te, wie er mit ei­nem ver­we­ge­nen Tanz­schritt ei­nen Plas­tik­fla­min­go vom Dach der Ken­sing­ton Roof Gar­dens ge­tre­ten hat­te – wor­auf die­ser di­rekt vor den Fü­ßen von Nick Grims­haw ge­lan­det war. Er hat­te Ja­mes aus den Klau­en ge­las­sen. Für den Mo­ment.

Ja­mes wand­te sich wie­der sei­nem Lap­top zu. Jetzt war ei­ne neue Stra­te­gie an­ge­sagt. Schließ­lich wür­de Par­ker An­na auf der Ver­nis­sa­ge der Aus­stel­lung wie­der­se­hen. Ihm stan­den zwei – glei­cher­ma­ßen un­at­trak­ti­ve – Mög­lich­kei­ten of­fen.

(Fort­set­zung folgt)

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