TO­TAL DI­GI­TAL

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - AMOKLAUF IN MÜNCHEN -

Mün­chen und die Gren­zen so­zia­ler Netz­wer­ke

Wä­re es oh­ne so­zia­le Netz­wer­ke am Frei­tag­abend zur Mas­sen­pa­nik am St­a­chus ge­kom­men? In ei­ner un­ge­klär­ten Si­tua­ti­on wur­den Ge­rüch­te nicht nur schnell zu Schlag­zei­len, son­dern brach­ten Men­schen in trau­ma­ti­sche Si­tua­tio­nen. Be­reits am Frei­tag­abend kri­ti­sier­te Ta­ges­the­men-Mo­de­ra­tor Tho­mas Roth Nut­zer so­zia­ler Netz­wer­ke.

Aus dem Auf­ruf der Münch­ner Po­li­zei, kei­ne Bil­der von Po­li­zis­ten im lau­fen­den Ein­satz zu pos­ten, um mög­li­chen Tä­tern kei­ne In­for­ma­ti­ons­vor­tei­le zu ver­schaf­fen, mach­te Roth ei­ne ge­ne­rel­le So­ci­al-Me­di­aK­ri­tik. Das war un­dif­fe­ren­ziert, aber der Kern muss dis­ku­tiert wer­den. Wie­der ha­ben wir ge­se­hen: Emo­tio­na­le Be­trof­fen­heit schürt den Mit­tei­lungs­drang. Nicht nur bei Face­book und Twit­ter, son­dern auch vor al­lem bei WhatsApp und EMails. Ich ha­be mit­be­kom­men, wie auch bei uns im Rhein­land Vi­de­os und Fo­tos von Freun­den ge­teilt wur­den. Oh­ne sie auf Echt­heit zu prü­fen. So stamm­te ein blu­ti­ges Fo­to – an­geb­lich aus dem In­ne­ren des Olym­pi­schen Ein­kaufs­zen­trums – nicht aus Mün­chen, son­dern von ei­ner Schie­ße­rei in Süd­afri­ka im Jahr 2015. Dass fast je­der un­ge­prüft In­for­ma­tio­nen wei­ter­lei­tet, ist das gro­ße Pro­blem un­se­rer Zeit. „Al­le su­chen und ru­dern und ora­keln“, schrieb am Sonn­tag der ZDFMo­de­ra­tor Jan Böh­mer­mann nach­denk­lich auf sei­ner Face­book-Sei­te und sam­mel­te mit sei­nem Ruf nach Ver­nunft in­ner­halb von zwei St­un­den 50.000 Li­kes. „Beim An­blick der tol­pat­schi­gen Pa­nik­ma­schi­ne und der sach­li­chen, di­gi­ta­len und zwi­schen­mensch­li­chen In­kom­pe­tenz der dus­se­li­gen, auf­ge­reg­ten Event­jour­na­lis­ten wünscht man sich, der Münch­ner Po­li­zei­spre­cher mö­ge Chef­re­dak­teur sämt­li­cher deut­scher ‘Le­ga­cy-Me­di­en’ wer­den.“Die­sen Vor­wurf müs­sen sich so­gar al­le ge­fal­len las­sen, die am Frei­tag­abend ir­gend­wel­che In­for­ma­tio­nen wei­ter­ver­brei­tet ha­ben. Ich per­sön­lich ha­be mir vor­ge­nom­men, bei künf­ti­gen ähn­li­chen Er­eig­nis­sen kom­plett auf Fo­tos und Vi­de­os zu ver­zich­ten. Bis­her ha­be ich sie ge­pos­tet, wenn ich die Ma­cher kann­te. Im Nach­hin­ein fra­ge ich mich aber: Wo ist der Mehr­wert? Es gibt ihn ein­fach nicht.

Auf mei­nen pri­va­ten Pro­fi­len schal­te ich auf Text um. Die Aus­wahl an Bil­dern über­las­se ich Pro­fis in Re­dak­tio­nen, die mit ei­nem ge­schul­ten Au­ge die Spreu vom Wei­zen tren­nen und die Hys­te­rie aus­brem­sen kön­nen. Wir al­le kön­nen schlim­me Mo­men­te wie die in Mün­chen er­träg­li­cher ma­chen, wenn wir uns zu­rück­hal­ten – egal ob im ech­ten Ge­spräch oder in so­zia­len Netz­wer­ken. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: kolumne@rhei­ni­sche-post.de

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