Das „Dar­knet“ist der dun­kels­te Ort im In­ter­net

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - AMOKLAUF IN MÜNCHEN -

DÜSSELDORF (RP) Das In­ter­net muss man sich wie ei­ne Stadt vor­stel­len: Auf den Stra­ßen herrscht bun­tes Trei­ben, Händ­ler bie­ten ih­re Wa­ren feil, Men­schen un­ter­hal­ten sich, schlen­dern arg­los durch die Gas­sen. Es gibt auch dunk­le Ecken, die nur fin­det, wer weiß, wo er su­chen muss. Dort ver­trei­ben Kri­mi­nel­le Kin­der­por­nos, Waf­fen, Dro­gen. Auf­trags­mör­der las­sen sich eben­so fin­den wie ge­fälsch­te Aus­weis­do­ku­men­te. Und auch die in Mün­chen be­nutz­te Tat­waf­fe soll der Schüt­ze sich dort be­sorgt ha­ben.

Dass kri­mi­nel­le Ma­chen­schaf­ten im Netz oft so lan­ge un­ent­deckt blei­ben, hängt auch mit der Struk­tur des so ge­nann­ten Dar­knet zu­sam­men. Was dort pas­siert, wird von den her­kömm­li­chen Such­ma­schi­nen nicht er­fasst. Die dunk­le Sei­te des In­ter­nets ver­birgt sich hin­ter di­cken Schutz­mau­ern. Be­su­cher kön­nen sich mit­tels An­ony­mi­sie­rungs­soft­ware völ­lig frei be­we­gen, be­zahlt wird mit der Di­gi­tal­wäh­rung Bit­co­in. „Tor“ist ei­ner die­ser Ver­schleie­rungs-Brow­ser. Wer das Netz mit „Tor“be­tritt, ver­wischt hin­ter sich die Spu­ren und ent­zieht sich fast im­mer staat­li­cher Kon­trol­le.

Auch Whist­leb­lo­wer wie der Sol­dat Brad­ley (heu­te: Chel­sea) Man­ning nutz­ten die si­che­ren Räu­me des Dar­knet aus, um der Ent­hül­lungs­platt­form Wi­ki­Leaks bri­san­tes Ma­te­ri­al zu­zu­spie­len. „Die An­ony­mi­tät, die durch Tor, Jab­ber und die Po­li­tik von Wi­ki­Leaks un­ter­stützt wur­de, er­laub­te mir, dass ich mich wie ich selbst füh­len konn­te, frei von Be­den­ken, ab­ge­stem­pelt zu wer­den, was mir oft im rea­len Le­ben pas­sier­te“, sag­te Man­ning, der Ma­te­ri­al über Fol­ter und Ver­bre­chen durch US-Sol­da­ten öf­fent­lich mach­te, in sei­ner Aus­sa­ge vor dem Mi­li­tär­ge­richt am 28. Fe­bru­ar 2013. Man­ning wur­de da­mals ge­schnappt, weil er sich ge­gen­über ei­nem Be­kann­ten ver­ra­ten hat­te.

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