Min­des­tens 80 To­te bei IS-An­schlag in Kabul

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON CHRIS­TI­NE MÖLLHOFF

Die töd­lichs­te Ter­ror­at­ta­cke seit 2001 in Kabul schürt Angst vor Er­star­ken des IS in Af­gha­nis­tan.

KABUL In den Kran­ken­häu­sern kämpf­ten Schwer­ver­letz­te um ihr Le­ben, wäh­rend in al­ler Ei­le Grä­ber für die To­ten aus­ge­ho­ben wur­den. Ei­nen Tag nach dem ver­hee­ren­den Ter­ror­an­schlag in Kabul herrsch­ten ges­tern in Af­gha­nis­tan Schock, Trau­er und hilf­lo­se Wut. Tau­sen­de An­ge­hö­ri­ge der eth­ni­schen Min­der­heit der Ha­za­ra hat­ten am Sams­tag fried­lich in der Haupt­stadt de­mons­triert, als sich ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter mit­ten in der Men­ge in die Luft spreng­te.

Min­des­tens 80 Men­schen star­ben und mehr als 230 wur­den ver­letzt. Da­mit war es der töd­lichs­te An­schlag in Af­gha­nis­tans Haupt­stadt seit 2001. Der Is­la­mi­sche Staat (IS) re­kla­mier­te die Schre­ckens­tat für sich. Soll­te sich dies be­stä­ti­gen, wä­re es die ers­te gro­ße Atta­cke des IS in Kabul und auf ei­ne eth­ni­sche Min­der­heit in Af­gha­nis­tan. Dies schürt Ängs­te vor ei­nem Er­star­ken des IS und wach­sen­den eth­ni­schen Kon­flik­ten in dem kriegs­ge­beu­tel­ten Land.

Bis­her war der IS vor al­lem im Os­ten Af­gha­nis­tans in der Pro­vinz Nan­gar­har an der Gren­ze zu Pa­kis­tan ak­tiv. Der IS kon­kur­riert mit den Ta­li­ban um Kämp­fer und Ein­fluss. Vie­le IS-Kämp­fer sind ehe­ma­li­ge Ta­li­ban-Mi­li­zen, die mit der Ta­li­ban-Füh­rung un­zu­frie­den wa­ren und zum IS über­ge­lau­fen sind. Zeit­wei­se kam es zu Kämp­fen zwi­schen bei­den Grup­pen. Die Re­gie­rung plant laut Me­di­en ei­ne Mi­li­tär­of­fen­si­ve in Nan­gar­har. „Ich ver­spre­che“, sag­te Prä­si­dent Ashraf Gha­ni in ei­ner TV-An­spra­che, „ich wer­de Ra­che an den Schul­di­gen üben.“

Auch die Ta­li­ban, die für vie­le bis­he­ri­ge An­schlä­ge in Kabul ver­ant­wort­lich sind, ver­ur­teil­ten den „tra­gi­schen An­schlag“. Die­ser zie­le dar­auf, „Zwie­tracht in der Na­ti­on“zu schü­ren und ei­nen Bür­ger­krieg zu ent­fa­chen. Die per­sisch­spra­chi­gen Ha­za­ra stel­len mit et­wa neun Pro­zent die dritt­größ­te Be­völ­ke­rungs­grup­pe in Af­gha­nis­tan nach Pasch­tu­nen und Tad­schi­ken. Sie sind über­wie­gend schii­ti­sche Mus­li­me, wäh­rend die Mehr­heit der Af­gha­nen und der IS so­wie die Ta­li­ban Sun­ni­ten sind.

Das Blut­bad an den fried­li­chen De­mons­tran­ten sorg­te welt­weit für Ent­set­zen. Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal sprach von ei­ner ab­sto­ßen­den Atta­cke, die zei­ge, dass der Kon­flikt in Af­gha­nis­tan sich nicht be­ru­hi­ge. UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon ver­ur­teil­te den An­schlag als „ab- scheu­li­ches Ver­bre­chen“, das sich ge­gen Bür­ger ge­rich­tet ha­be, die fried­lich für ih­re Grund­rech­te ein­ge­tre­ten sei­en. Auch Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er sprach von ei­nem „furcht­ba­ren Ter­ror­an­schlag“.

Den An­ga­ben zu­fol­ge hat­ten sich mehr als 10.000 Men­schen, die meis­ten Ha­za­ra, in Kabul ver­sam­melt, als der IS zu­schlug. Nach un­be­stä­tig­ten Be­rich­ten soll ein ISKom­man­dant na­mens Abo Ali ins­ge­samt drei Sui­zi­dat­ten­tä­ter aus Nan­gar­har ent­sandt ha­ben, nur ei­nem soll es je­doch ge­lun­gen sein, sich in die Luft zu spren­gen. Au­gen­zeu­gen be­rich­te­ten von grau­si­gen Sze­nen. Die Stra­ße sei vol­ler Lei­chen und Blut ge­we­sen. An­geb­lich hat­ten Si­cher­heits­diens­te die Or­ga­ni­sa­to­ren der De­mo ge­warnt, dass es zu An­schlä­gen kom­men könn­te.

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