LARS ST­INDL „Ich hät­te der Na­tio­nal­elf gern ge­hol­fen“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT -

Der Mön­chen­glad­ba­cher Of­fen­siv­spie­ler sieht sich als Füh­rungs­kraft im Team. Er fin­det, dass Bo­rus­sia ei­ne ho­he Qua­li­tät hat.

BADTWIESSEE Lars St­indl war in der ver­gan­ge­nen Sai­son die Num­mer eins al­ler Stür­mer in der Bun­des­li­ga – in der „Packing-Ra­te“. Kein Of­fen­siv­spie­ler über­spiel­te mehr Ver­tei­di­ger. Und kein Bun­des­li­ga­spie­ler spiel­te mehr Dop­pel­päs­se. Zu­gleich war er mit sie­ben To­ren und elf Vor­la­gen wich­tig für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Wir tref­fen ihn im Glad­ba­cher Trai­nings­la­ger am Te­gern­see. Herr St­indl, nach dem EM-Aus des deut­schen Teams wur­de über die zu ge­rin­ge Tor­aus­beu­te dis­ku­tiert. Hät­ten Sie da hel­fen kön­nen? ST­INDL Ich hät­te es na­tür­lich gern ge­tan – aber es gibt ganz vie­le, die das gern ge­tan hät­ten. Aber ich glau­be, wenn sich Ma­rio Go­mez, der bei der EM groß auf­ge­trumpft hat, nicht ver­letzt hät­te, hät­ten wir die Stür­mer­dis­kus­si­on nicht ge­habt. Ins­ge­samt fin­de ich, dass wir ei­ne sehr gu­te EM ge­spielt ha­ben. Es ist scha­de, dass wir es nicht ins Fi­na­le ge­schafft ha­ben. Den­noch: Ist die Na­tio­nal­elf ein The­ma für Sie? ST­INDL Ich bin da völ­lig ent­spannt. Ich muss ja auch zu­ge­ben, dass ich nicht mehr zu den ganz jun­gen Ta­len­ten ge­hö­re. Ich wer­de jetzt 28, von da­her ist es wohl auch we­gen des Al­tes schwer, rein­zu­rut­schen. Viel­leicht den­ke ich nach mei­ner Kar­rie­re mal: Scha­de, ich ha­be was ver­passt. Aber das, was ich er­reicht ha­be, weiß ich schon rich­tig ein­zu­schät­zen. Ich bin ein­fach nur glück­lich mit mei­ner ak­tu­el­len Si­tua­ti­on. Sie sind vor ei­nem Jahr auch nach Glad­bach ge­kom­men, weil Ih­nen die Emo­tio­nen hier ge­fal­len. Hat sich das be­wahr­hei­tet? ST­INDL (grinst) Am An­fang war es ja so­gar fast zu viel Emo­ti­on. So hat­te ich es mir nicht ge­wünscht, das ers­te hal­be Jahr war sehr ex­trem mit dem schlech­ten Start und dem un­glaub­li­chen Tur­naround. Aber da hat man auch ge­se­hen, vor al­lem bei den Eu­ro­pa­po­kal-Rei­sen, was für tol­le Fans wir ha­ben und was mit dem Klub mög­lich ist. Ich woll­te ein Teil des Gan­zen sein – das ist mir ganz gut ge­lun­gen. Ihr Tor ge­gen Man­ches­ter Ci­ty war das ers­te ei­nes Bo­rus­sen in der Cham­pi­ons Le­ague, al­so his­to­risch. Ist Ih­nen so et­was wich­tig? ST­INDL In dem Mo­ment, in dem man das Tor macht, hat man das nicht auf dem Schirm. Aber wenn man dar­auf zu­rück­schaut, ist es ei­ne schö­ne Rand­no­tiz, dass man viel­leicht für im­mer mit ei­nem wich­ti­gen Mo­ment der Ver­eins­ge­schich­te ver­bun­den sein wird. Wä­re es für Sie auch ei­ne Rand­no­tiz, Bo­rus­si­as Ka­pi­tän zu sein? In Han­no­ver ha­ben Sie das Team er­folg­reich an­ge­führt. ST­INDL In Han­no­ver hat­te sich un­ser Ka­pi­tän Ste­ven Cher­un­do­lo ver­letzt. So bin ich ein biss­chen da rein­ge­rutscht. Ich ha­be mich rein­ge­kämpft in die Auf­ga­be und konn­te das Ka­pi­tel Gott sei Dank auch po­si­tiv be­en­den. Aber hier ist es an­ders. Es gibt ei­ne gan­ze Rei­he von Spie­lern, die ih­re Mei­nung ha­ben und sie kund­tun. Ich tue das auch und möch­te Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Aber für das Amt des Ka­pi­täns kommt schon der ei­ne oder an­de­re eher in­fra­ge und wür­de auch bes­ser pas­sen. Sie brau­chen die Bin­de nicht, um Füh­rungs­spie­ler zu sein? ST­INDL Schon durch mein Al­ter und mei­ne Er­fah­rung ha­be ich ein ge­wis­ses Stan­ding im Team. Das hat auch et­was mit Re­spekt zu tun. Als Sie schie­ßen eben­so vie­le To­re, wie Sie den an­de­ren auf­le­gen. Sind Sie ein mann­schafts­dien­li­cher Stür­mer? ST­INDL Wir ha­ben sehr vie­le mann­schafts­dien­li­che Spie­ler. Raf­fa­el zum Bei­spiel hat ei­ne zwei­stel­li­ge Tor- und As­sist-Bi­lanz. Da sieht man, dass es den Stür­mern nicht nur auf To­re an­kommt, son­dern dass sie im­mer be­müht sind, mit­zu­spie­len. Si­cher kommt uns zu­gu­te, dass wir sehr va­ria­bel sind. Dar­um sind wir schwer aus­re­chen­bar. Wur­de der Ka­der mit den Neu­ver­pflich­tun­gen brei­ter ge­macht? ST­INDL Ich glau­be schon. Es sind ja nicht nur neue Spie­ler da­zu ge­kom­men, son­dern auch die wie­der da, die ver­letzt wa­ren. Wir ha­ben ei­ne sehr ho­he Qua­li­tät im Ka­der – aber die brau­chen wir auch, da wir in al- len drei Wett­be­wer­ben den größt­mög­li­chen Er­folg wol­len. Da gibt es im­mer mal schwie­ri­ge Pha­sen, wo man et­was per­so­nell än­dern muss. Da­für ha­ben wir den brei­ten Ka­der mit ei­nem ge­sun­den Kon­kur­renz­kampf. Ist die Er­war­tungs­hal­tung der Fans nach Platz drei und vier in den letz­ten bei­den Spiel­zei­ten ge­wach­sen? ST­INDL Ich glau­be, die Leu­te in Glad­bach kön­nen das schon ganz rea­lis­tisch ein­schät­zen. Sie sind ehr­gei­zig, ha­ben aber auch an­de­re Zei­ten er­lebt und die­se nicht ver­ges­sen. Na­tür­lich we­cken die Er­fol­ge der ver­gan­ge­nen Jah­re Er­war­tun­gen, und je­der, auch wir Spie­ler, hat den größt­mög­li­chen Ehr­geiz. Aber es ist ein ge­sun­des Zu­sam­men­spiel von An­spruch und Wirk­lich­keit. DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TE KARS­TEN KEL­LER­MANN

FO­TO: DPA

Au­gen auf beim Fuß­ball­spie­len: Lars St­indl, Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach.

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