Froo­me siegt im Sti­le ei­nes ganz Gro­ßen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON ANDRE­AS ZELL­MER U. JENS MARX

Der Bri­te über­rascht bei der 103. Tour de Fran­ce mit un­ge­kann­ten Qua­li­tä­ten. Er kann sich auf ein Team sehr star­ker Rad­pro­fis ver­las­sen.

PA­RIS (dpa) Der Mann ist ein Kraft­werk, auch wenn er nicht so aus­sieht. Chris Froo­me fährt nicht ele­gant, da­für um­so ef­fek­ti­ver. Er wiegt bei ei­ner Kör­per­grö­ße von 1,86 Me­tern nicht mehr als 67 Ki­lo­gramm. Sein Lun­gen­vo­lu­men be­trägt acht Li­ter. Sein Lieb­lings­trikot ist gelb. Sei­ne Be­ru­fung: Tour-Tri­um­pha­tor.

„Er ist ein Cham­pi­on – der Bes­te von al­len“, lob­te Rad­sport-Le­gen­de Ed­dy Merckx den bri­ti­schen Rad­pro­fi. Der Bel­gi­er ge­wann fünf­mal die Tour de Fran­ce, Froo­me ist auf dem Weg da­hin. „Es ist das­sel­be Ge­fühl, als wä­re es das ers­te Mal“, sag­te Froo­me, be­vor es auf die Schau­fahrt nach Pa­ris im Gel­ben Tri­kot des Ge­samt­füh­ren­den ging.

Der phä­no­me­na­le Froo­me ist ein Teil der be­son­de­ren bri­ti­schen Mi­schung, die die Kon­kur­ren­ten auch bei der 103. Tour de Fran­ce ver­zwei­feln und stau­nen ließ. Dem 31-Jäh­ri­gen steht ein Team zur Sei­te, das sei­nes Glei­chen sucht. Es sei ein „un­glaub­li­ches Pri­vi­leg“mit die­ser Mann­schaft zu fah­ren, be­kann­te Froo­me. Er kann sich auf Hel­fer ver­las­sen, die wo­mög­lich als Ka­pi­tän auch das Zeug für gro­ße Er­fol­ge hät­ten. „Wo­an­ders hät­te er viel­leicht selbst auf den Tour­sieg zu­steu­ern kön­nen“, sag­te der deut­sche ExPro­fi Rolf Al­d­ag, jetzt Team­lei­ter beim Kon­kur­ren­ten Di­men­si­on- Da­ta, über Froo­mes Edel-Ge­leit­schutz Wou­ter Po­els. Auch er fährt aber nur für Froo­me, der schon 2013 und 2015 die Tour ge­wann.

Als Acht­jäh­ri­ger in Ke­nia ver­dien­te sich der in Nai­ro­bi ge­bo­re­ne Froo­me Ta­schen­geld mit dem Ver­kauf von Avo­ca­dos – von sei­nem Rad aus – da­zu. 23 Jah­re spä­ter ist er der Top­ver­die­ner im hoch do­tier­ten Sky-Team. Froo­me soll pro Sai­son min­des­tens vier Mil­lio­nen Eu­ro be­kom­men, sein Ver­trag gilt bis 2018.

Ed­dy Merckx

Geld ist das ei­ne, Leis­tung das an­de­re. Und Froo­me prä­sen­tier­te sich in die­sem Jahr auch in ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen men­ta­len Ver­fas­sung. Er steck­te die Stür­ze am Mont Ven­toux und in Me­gè­ve weg. Zu­dem be­rei­cher­te der Bri­te, der als Kind im­mer den ag­gres­si­ven Stil des un­er­müd­li­chen deut­schen Ex-Rad­stars Jens Voigt be­wun­dert hat­te, sein fah­re­ri­sches Port­fo­lio. „Er ist der kom­plet­tes­te Fah­rer von al­len und kann noch vie­le Tou­ren ge­win­nen“, mein­te Merckx.

Froo­me mach­te sich als Sprin­ter im Ge­gen­wind ver­dient. Und er at- ta­ckier­te mit ei­nem wag­hal­si­gen Stil bei ei­ner Ab­fahrt. Es war der Mo­ment, der ihm auch am meis­ten in Er­in­ne­rung blieb. Mit fun­keln­den Au­gen schwärm­te er vor dem Fi­na­le von die­ser Schuss­fahrt. Berg­ab galt Froo­me zu­vor nicht als der Stärks­te.

Über­le­gen­heit wirft aber vor al­lem im Rad­sport im­mer auch Fra­gen auf. An­ge­spro­chen auf das so­ge­nann­te „Mo­tordo­ping“, lä­chel­te Froo­me amü­siert, Te­am­chef Sir Dave Brails­ford ant­wor­te­te. Man müs­se ver­rückt sein, wenn man es bei der Tour mit Mo­tordo­ping ver­su­che, sag­te Froo­me dann doch noch. Schon vor der Tour hat­te sein Te­am­chef Leis­tungs­da­ten sei­nes schma­len Er­folgs­ga­ran­ten of­fen­ge­legt. Und al­lein bis zum zwei­ten Ru­he­tag hat­te Froo­me 13 Blut­pro­ben ab­ge­ben müs­sen.

Zum ech­ten Lieb­ling der Fran­zo­sen reich­te es aber auch in die­sem Jahr nicht, selbst wenn die Span­nun­gen längst nicht mehr so dra­ma­tisch wa­ren wie 2015, als er von Zu­schau­ern mit ei­nem Urin­beu­tel be­wor­fen wor­den war. Als sein drit­ter Ge­samt­sieg im Ziel von Mor­zi­ne auf der vor­letz­ten Etap­pe prak­tisch fest­stand, schwärm­te Froo­me von den fan­tas­ti­schen Zu­schau­ern und der groß­ar­ti­gen Stim­mung.

Und mit dem ge­lieb­ten Gel­ben Tri­kot nach Pa­ris fah­ren zu kön­nen, bleibt für Froo­me sport­lich oh­ne­hin das Größ­te.

„Er ist der kom­plet­tes­te Fah­rer und kann noch

vie­le Frank­reichR­und­fahr­ten ge­win­nen“

fünf­mal Sie­ger der Tour

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