Ha­mil­ton über­nimmt die WM-Füh­rung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON THO­MAS WEITEKAMP

Vor sechs Ren­nen lag der For­mel-1-Welt­meis­ter noch 43 Punk­te hin­ter Te­am­ri­va­le Ros­berg. Nach fünf Sie­gen kommt der En­g­län­der, der in Bu­da­pest am Start al­les klar­mach­te, am kom­men­den Wo­che­n­en­de als Spit­zen­rei­ter nach Hockenheim.

BU­DA­PEST (sid) 126 Ta­ge lang hat­te Ni­co Ros­berg die WM an­ge­führt, doch im Mo­ment der bit­te­ren Nie­der­la­ge ge­gen den Te­am­ri­va­len Le­wis Ha­mil­ton schien das nur ein kur­zer Traum ge­we­sen zu sein. Denn durch den zwei­ten Platz in der Hit­ze von Un­garn war auch der letz­te Rest sei­nes Vor­sprungs da­hin­ge­schmol­zen, aus­ge­rech­net vor dem Heim­spiel in Hockenheim rück­te Ros­berg erst­mals in die­sem Jahr wie­der ins alt­be­kann­te zwei­te Glied – und muss­te dann auch noch mit an­se­hen, wie der En­g­län­der auf der Mo­tor­hau­be sei­nes Mer­ce­des den be­rühm­ten Sie­ge­stanz von Sprint­star Usain Bolt auf­führ­te. „Ei­gent­lich war das ein gu­tes Wo­che­n­en­de“, press­te ein ver­schwitz­ter Ros­berg her­vor, „aber schon am Start ha­be ich es ver­lo­ren. Das war’s dann.“

Ha­mil­ton freu­te sich in­des auch über den neu­en Re­kord als fünf­ma­li­ger Un­garn-Sie­ger, mit dem er Re­kord­welt­meis­ter Micha­el Schu­ma­cher über­flü­gelt hat. „Das ist toll, ich ha­be ihn ja schon als Kind be­wun­dert“, sag­te er und freu­te sich an­sons­ten auf das Nacht­le­ben in Bu­da­pest: „Ich ge­he erst mal schön was es­sen, und dann schau­en wir, was die­ser Abend noch zu bie­ten hat.“Am Start hat­te sich der von der Po­le Po­si­ti­on los­ge­fah­re­ne Ros­berg über­rum­peln las­sen. Ha­mil­ton geht beim „Aus­wärts­spiel“am kom­men­den Sonn­tag nun mit sechs Punk­ten Vor­sprung auf Ros­berg an den Start. „Es ist noch im­mer eng zwi­schen uns“, sag­te Ros­berg trot­zig.

Hin­ter dem Sil­ber-Duo war Mit­fa­vo­rit Da­ni­el Ric­ci­ar­do (Aus­tra­li­en) im Red Bull auf das Po­dest ge­fah­ren. Für Fer­ra­ri-Pi­lot Se­bas­ti­an Vet­tel (Hep­pen­heim) reich­te es nach Start­platz fünf noch für den vier­ten Rang vor Youngs­ter Max Ver­stap­pen (Nie­der­lan­de) im zwei­ten Red Bull. Ni­co Hül­ken­berg (Em­me­rich) sam­mel­te als Zehn­ter ei­nen WM-Punkt für Force In­dia, Pas­cal Wehr­lein (Worn­dorf) steu­er­te den un­ter­le­ge­nen Ma­nor auf den 19. Platz.

Nach zu­letzt schwie­ri­gen Mo­na­ten mit zahl­rei­chen Nie­der­la­gen hat­te das Wo­che­n­en­de für Ros­berg, der mit vier Sie­gen in die Sai­son ge­star­tet war, da­bei noch traum­haft be­gon­nen. Nach der Ver­kün­dung der Ver­trags­ver­län­ge­rung am Frei­tag­mor­gen wirk­te Ros­berg zu­frie­den wie lan­ge nicht. In den Trai­nings­ein­hei­ten war er der Schnells­te, wäh­rend Ha­mil­ton selt­sam un­si­cher wirk­te. Und auch in den letz­ten Se­kun­den ei­nes „Wahn­sinns­qua­li­fy­ings“, wie Ros­berg es nann­te, war der ge­bür­ti­ge Wies­ba­de­ner der gro- ße Ge­win­ner. Star­ker Re­gen und zahl­rei­che Un­fäl­le hat­ten für vier Ro­te Flag­gen ge­sorgt. Vier­mal muss­te die Renn­lei­tung al­so al­le Au­tos an die Box be­or­dern. Am En­de stand Start­platz eins für Ros­berg.

„Der ist hier sehr wich­tig, denn es ist schwie­rig, auf dem Hun­ga­ro­ring zu über­ho­len“, sag­te er noch. Wie und vor al­lem wann es eben doch geht, zeig­te Ha­mil­ton dann am Start al­ler­dings ein­drucks­voll. Schon vor der ers­ten Kur­ve schob er sich vor­bei, auch Ric­ci­ar­do rutsch­te zu­nächst durch. Den Aus­tra­li­er kas­sier­te Ros­berg al­ler­dings mit ei­nem star­ken Ma­nö­ver gleich wie­der.

So soll­te der schwa­che Start auch der ein­zi­ge ech­te Aus­set­zer Ros­bergs vor den To­ren Bu­da­pests blei­ben. Sei­nem Team­kol­le­gen blieb er auf den Fer­sen, schien ei­gent­lich der schnel­le­re Mann zu sein, fand aber kei­ne An­satz­punk­te um ihn wirk­lich un­ter Druck zu set­zen. Da­hin­ter war Red Bull zwar wie er­war­tet schnell un­ter­wegs, ins­ge­samt hat­te Mer­ce­des aber kaum Pro­ble­me, den re­la­tiv ge­rin­gen Ab­stand auf die Ver­fol­ger zu ver­tei­di­gen.

Auch Vet­tel ab­sol­vier­te ein kon­zen­trier­tes Ren­nen. An Ver­stap­pen kam er wäh­rend der ers­ten Bo­xen­stopp-Pha­se vor­bei – um Druck auf Ric­ci­ar­do aus­zu­üben, war der Fer­ra­ri aber nicht schnell ge­nug.

FO­TO: REU­TERS

Le­wis Ha­mil­ton sieht die Ziel­flag­ge als Sie­ger des Gro­ßen Prei­ses von Un­garn.

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