Po­li­zei ver­bie­tet Mar­sch­mu­sik

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WEITSICHT - VON WILJO PIEL

Weck­ruf des Tam­bour­korps um 5 Uhr nervt An­woh­ner in Gre­ven­broich.

GRE­VEN­BROICH Das mu­si­ka­li­sche We­cken am Schüt­zen­fest-Sonn­tag hat Tra­di­ti­on in vie­len Dör­fern am Nie­der­rhein. Im Gre­ven­broi­cher Stadt­teil Or­ken wur­de der Brauch ges­tern von der Po­li­zei zur frü­hen St­un­de ver­bo­ten. Weil es kurz nach 5 Uhr Be­schwer­den von An­woh­nern über Ru­he­stö­rung gab, muss­te das ört­li­che Tam­bour­korps sei­ne In­stru­men­te wie­der ein­pa­cken. Über Face­book mach­ten die Spiel­leu­te ih­rem Är­ger Luft – und sie ern­te­ten ei­ne gro­ße So­li­da­ri­täts-Wel­le.

Die Mu­si­ker um Tam­bour­ma­jor Ro­nald Bron­ne­berg hat­ten ge­ra­de da­mit be­gon­nen, ein Ständ­chen vor dem Haus ei­nes ehe­ma­li­gen Schüt­zen­kö­nigs zu spie­len, als sich um 5.08 Uhr ein Strei­fen­wa­gen mit Blau­licht nä­her­te. Zwei Po­li­zei­be­am­te stie­gen aus und un­ter­bra­chen die mor­gend­li­che Mar­sch­mu­sik. „Das ist mir in mei­ner 40-jäh­ri­gen Zeit im Tam­bour­korps noch nicht pas­siert“, sag­te Ro­nald Bron­ne­berg: „So wer­den Tra­di­tio­nen in un­se­ren Dör­fern ka­putt ge­macht.“

Ähn­lich re­agier­te die Face­boo­kGe­mein­de, die sich größ­ten­teils auf die Sei­te des Tam­bour­korps schlug und lärm­ge­plag­ten An­woh­nern ent­we­der den Ge­brauch von Ohro­pax oder al­ter­na­tiv den Um­zug in ent­le­ge­ne Re­gio­nen emp­fahl. „Un­fass- bar“, kom­men­tier­te Ro­bert Hop­pe, Bun­des­meis­ter der His­to­ri­schen deut­schen Schüt­zen­bru­der­schaf­ten im Be­zirk Gre­ven­broich, den Po­li­zei­ein­satz: „Sol­che Be­schwer­den be­stä­ti­gen den ge­sell­schaft­li­chen Stel­len­wert, den un­se­re Schüt­zen­fes­te heu­te lei­der ha­ben.“

Nach dem Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz des Lan­des NRW gilt von 22 bis 6 Uhr die Nacht­ru­he. Doch die Gre­ven­broi­cher Stadt­ver­wal­tung hat­te den Bür­ger­schüt­zen ei­ne Aus­nah­me er­teilt, in­dem sie den so­ge­nann­ten „Re­gi­ments­be­fehl“ge­neh­mig­te. In dem ist zum Bei­spiel die Ver­kehrs­füh­rung wäh­rend der Fe­st­um­zü­ge ge­re­gelt, aber auch das We­cken am Sonn­tag­mor­gen ab 5 Uhr.

„Of­fen­sicht­lich war die­se Aus­nah­me den Be­am­ten nicht be­kannt, was wir be­dau­ern“, sag­te Dia­ne Dra­we, Spre­che­rin der Po­li­zei im Rhein-Kreis Neuss. Ihr Fa­zit nach dem der­zei­ti­gen Stand der Din­ge: „Das Un­ter­sa­gen des We­ckens war nicht recht­mä­ßig.“

FO­TO: LOTHAR BERNS

Das Tam­bour­korps Or­ken mit Ma­jor Ro­nald Bron­ne­berg.

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