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Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

woll­ten. Zum Cam­ping­platz, sag­ten wir. So was gibt es hier nicht, ant­wor­te­ten sie. Leich­te Ver­zweif­lung mach­te sich breit. Der nächs­te Bus füh­re erst am nächs­ten Tag, sag­ten die Po­li­zis­ten und blick­ten wohl auf die per­so­ni­fi­zier­te Ver­zweif­lung. „Ich neh­me euch mit zu mei­ner Fa- Ver­spre­chen, das nicht lan­ge hal­ten soll­te.

Al­so tramp­ten wir. Am An­fang mit kei­nem gu­ten Ge­fühl und mit dem fes­ten Vor­satz, uns zu­min­dest an die „Kei­ne Lkw“-Re­gel zu hal­ten. Wenn man al­ler­dings zwei St­un­den an ei­ner Stel­le steht und es kommt nicht ein ein­zi­ges Au­to vor­bei, muss auch die­se Re­gel ge­bro­chen wer­den. Be­droh­li­che Si­tua­tio­nen hat es nicht ge­ge­ben, da­für wur­den wir mit so viel In­ter­es­se und Für­sorg­lich­keit be­dacht, dass viel­leicht ge­ra­de das Tram­pen die­se Rei­se zu et­was Be­son­de­rem ge­macht hat. Vie­le Men­schen sind rie­si­ge Um­we­ge für uns ge­fah­ren. Im­mer wie­der hör­ten wir den Satz: „Ich neh­me nie je­man­den mit – aber wenn ich euch nicht mit­neh­me, wer tut es viel­leicht dann?“Ein jun­ger Typ hat uns auf Neu­fund­land zu ei­nem Cam­ping­platz ge­fah­ren und am nächs­ten Mor­gen wie­der ab­ge­holt – und uns mit der Nach­richt be­grüßt, dass Deutsch­land am Tag zu­vor Fuß­ball-Welt­meis­ter ge­wor­den war. Deutsch­land war oh­ne­hin im­mer das Ge­sprächs­the­ma: Die Mau­er war rund ein hal­bes Jahr zu­vor ge­fal­len, al­le in­te­res- sier­ten sich für die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on.

Vie­le un­se­rer Freun­de da­mals wa­ren ge­plät­tet, dass un­se­re El­tern uns solch ei­ne Rei­se über­haupt er­laubt hat­ten. Ein paar Wo­chen muss­ten wir sie al­ler­dings schon be­ar­bei­ten. Ka­na­da sei aber doch nicht ge­fähr­lich und solch ein gro­ßer Teich schnell über­wun­den, falls et­was pas­sie­ren soll­te. Wir wa­ren bei­de Pfad­fin­der und ge­wöhnt, in ei­ner Grup­pe zu rei­sen und Din­ge zur Not selbst or­ga­ni­sie­ren zu kön­nen. Oder wie im Fall der ka­na­di­schen Po­li­zis­ten zu­min­dest so ver­zwei­felt zu gu­cken, dass sich je­mand ver­ant­wort­lich fühl­te. Bei den wö­chent­li­chen „Wir le­ben noch“-An­ru­fen ist mei­ne Mut­ter na­tür­lich schnell da­hin­ter ge­kom­men, dass wir nicht mit dem Bus an all die Or­te ge­kom­men sind, von de­nen wir be­rich­te­ten. „Ihr trampt doch, gebt es zu.“„Ja, stimmt, aber es geht nicht an­ders.“„Okay, dann passt auf euch auf. Aber das sa­gen wir bes­ser nicht dei­nem Va­ter.“

Schluss­end­lich droh­ten wir un­se­ren El­tern, dass wir auch nach Ca­la Rat­ja­da nach Mal­lor­ca fah­ren könn-

FO­TO: PRI­VAT

Mar­ti­na Stö­cker mit ih­rer Schul­freun­din An­ja un­ter­wegs in Ka­na­da.

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