KURZKRITIKEN

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WISSEN -

Re­por­ta­ge Ein Schwe­de hei­ra­tet ei­ne Kroa­tin und zieht in ein klei­nes Dorf in Is­tri­en. Richard Swartz, 1945 ge­bo­ren, ist ein er­fah­re­ner Jour­na­list, er hat vie­le Jah­re als Ost­eu­ro­paKor­re­spon­dent für das „Sven­s­ka Dag­b­la­det“ge­ar­bei­tet – Be­ob­ach­ten, Ana­ly­sie­ren, schrei­bend Nach­den­ken ist sein Be­ruf. Wenn so ei­ner den klei­nen Ort por­trä­tiert, in den ihn die Lie­be ge­führt hat, dann ist das Er­geb­nis kei­ne die­ser mun­te­ren Kul­tur­schock-Sa­ti­ren, in de­nen es um her­ri­sche Schwie­ger­müt­ter und zu fet­tes Es­sen geht. Swartz er­zählt in „Blut, Bo­den & Geld“(vom Ti­tel soll­te man sich nicht ab­schre­cken las­sen) die po­li­ti­sche und so­zia­le Ge­schich­te sei­ner kroa­ti­schen Fa­mi­lie in ei­nem leich­ten, un­ter­halt­sa­men Ton, der nie ins alt­vä­ter­lich An­ek­do­ti­sche ab­glei­tet. Swartz in­ter­es­siert sich für die wech­sel­vol­len ideo­lo­gi­schen, re­li­giö­sen, öko­no­mi­schen Ein­flüs­se in Kroa­ti­en und wie sie Le­bens­we­ge prä­gen. Das ist un­ter­halt­sam, wie al­les wirk­lich Lehr­rei­che. Do­ro­thee Krings Richard Swartz: „Blut, Bo­den & Geld – Ei­ne kroa­ti­sche Fa­mi­li­en­ge­schich­te“. S. Fi­scher, 224 Sei­ten, 19,99 Eu­ro Sach­buch Al­ber­to Man­guel ist wahr­schein­lich der be­rühm­tes­te Vor­le­ser des 20. Jahr­hun­derts. Der Ar­gen­ti­ni­er trug dem er­blin­de­ten Dich­ter Jor­ge Lu­is Bor­ges die gro­ßen Wer­ke der Welt­li­te­ra­tur vor, die die­ser dann in neue Ge­schich­ten ver­wan­del­te. Man­guel ist aber auch ein geist­rei­cher Es­say­ist, der sei­ner­seits viel über Bi­b­lio­the­ken und das Le­sen nach­ge­dacht hat und sich jetzt in sei­nem gro­ßen und viel­leicht bes­ten Werk der Neu­gier­de wid­met. Al­so je­nem mensch­li­chen An­trieb, oh­ne den kein Wis­sen und kei­ne Auf­klä­rung mög­lich sind. Sou­ve­rän streift er da­bei durch die Welt­ge­schich­te der Bü­cher, pau­siert mal hier, mal dort – und län­ger vor al­lem bei Dan­te. So hält Man­guel den Akt des Hin­ter­fra­gens für viel be­deut­sa­mer als das Stre­ben nach ei­ner Ant­wort und sieht im ba­na­len „War­um?“den Aus­gang der Mensch­heits­ge­schich­te. Ihr sicht­ba­res Merk­mal ist ein un­schein­ba­res, doch ge­wich­ti­ges Sym­bol – das Fra­ge­zei­chen. Lothar Schrö­der Al­ber­to Man­guel: „Ei­ne Ge­schich­te der Neu­gier­de“. S. Fi­scher-Ver­lag, 528 Sei­ten, 24,99 Eu­ro ka­pel­le de­zi­miert. Spä­ter leb­te und wirk­te er als Mu­si­kus bei der mu­sik­be­geis­ter­ten Her­zo­gin von Würt­tem­berg-Möm­pel­gard.

Sei­ne Cem­ba­lo­kom­po­si­tio­nen sind kei­ne Mu­sik für In­si­der, son­dern für Men­schen oh­ne Schub­la­den­den­ken. Sie at­men ei­ne Fri­sche und ei­nen Er­fin­dungs­reich­tum, dem mit­un­ter et­was Ex­pe­ri­men­tel­les in­ne­wohnt. Seit meh­re­ren Jah- ren hat sich der nie­der­län­di­sche Cem­ba­list und Or­ga­nist Bob van Aspe­ren (Schü­ler des gro­ßen Gus­tav Le­on­hardt) beim La­bel Aeo­lus der Ge­samt­auf­nah­me der Wer­ke für Tas­ten­in­stru­men­te Fro­ber­gers ver­schrie­ben und legt nun die fi­na­le Fol­ge sei­nes Pro­jekts vor. Sie heißt „Toc­ca­ta“und ist zum ei­nen blitz­sau­ber, zum an­de­ren mit je­ner denk­räum­li­chen Frei­heit mu­si­ziert, die die­se Mu­sik braucht. Ei­ne Kost­bar­keit sind die als Welt-Er­stein­spie­lung vor­lie­gen­den geist­li­chen Mo­tet­ten mit den Sän­gern Mie­ke van der Slu­is, John El­wes und Klaus Mer­tens. Wolf­ram Goertz

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