„Ich hof­fe, dass ich nicht nur Ja-Sa­ger dul­de“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Der Rat­haus-Chef über den Streit um die Spar­kas­se, die Chan­cen von re­gio­na­ler Ko­ope­ra­ti­on und den Um­gang mit kri­ti­schen Rat­schlä­gen.

Herr Gei­sel, Sie ha­ben jetzt auch Ur­laub. Wo­hin geht’s? GEI­SEL Wir wa­ren am Wo­che­n­en­de in Pa­ris beim Fi­na­le der Tour de Fran­ce. Heu­te flie­gen wir für zwei Wo­chen nach Grie­chen­land – At­hen, Pe­lo­pon­nes, Epidau­ros und die In­sel Kea ste­hen auf dem Pro­gramm. Pa­cken Sie Ih­ren Kof­fer selbst? GEI­SEL Ja, na­tür­lich. Ich muss­te mir vor­her auch noch ei­ni­ges be­sor­gen, San­da­len und ei­ne kur­ze Ho­se. Sonst fah­ren Sie ja ger­ne nach Pa­ler­mo. Kommt al­so die nächs­te Städ­te­part­ner­schaft aus Grie­chen­land? GEI­SEL Ich bin dort im Ur­laub, pla­ne nicht, ei­ne Städ­te­part­ner­schaft an­zu­lei­ern. Ich wür­de da­zu aber auch nicht ka­te­go­risch nein sa­gen. Schließ­lich bil­den die Grie­chen ei­ne der größ­ten Ge­mein­den bei den EUAus­län­dern in Düsseldorf. Auch Ih­re Köl­ner Amts­kol­le­gin Hen­ri­et­te Re­ker hat ei­ne Städ­te­part­ner­schaft mit Düsseldorf vor­ge­schla­gen. Konn­te sie Sie bei Ih­rem Tref­fen kürz­lich über­zeu­gen? GEI­SEL Aber si­cher: Wie wä­re es mit ei­nem Schü­ler­aus­tausch zwi­schen Düsseldorf und Köln (lacht). Im Ernst: Städ­te­part­ner­schaft ist viel­leicht nicht der rich­ti­ge Be­griff. Wir sind uns aber ei­nig, dass wir part­ner­schaft­lich zu­sam­men­ar­bei­ten wol­len. Schließ­lich gibt es vie­le Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen Düsseldorf und Köln. Wo wä­re das? GEI­SEL Düsseldorf und Köln sind wach­sen­de Me­tro­po­len, bei­de ha­ben wir das In­ter­es­se, dass bei­spiels­wei­se das Pla­nungs­recht ent­schlackt wird, da­mit zü­gi­ger Bau­ge­bie­te aus­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Im Bau­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin gibt es jetzt Plä­ne für so­ge­nann­te ur­ba­ne Ge­bie­te mit ge­rin­ge­ren An­for­de­run­gen et­wa an den Im­mis­si­ons­schutz. Das wird hilf­reich sein, denn der­zeit ma­chen es uns ex­trem ri­go­ro­se Vor­schrif­ten schwer, schnell den drin­gend be­nö­tig­ten Wohn­raum zu schaf­fen. Ko­ope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten se­he ich auch bei Sa­nie­rung, Er­halt und Aus­bau der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur. Und die sich ge­gen­wär­tig bil­den­de Me­tro­pol­re­gi­on Rhein­land wird sich nur dann gut ent­wi­ckeln, wenn Köln und Düsseldorf ge­mein­sam vor­an­ge­hen. Was sind die Gren­zen der Städ­te­ko­ope­ra­ti­on? Flug­ha­fen? Mes­se? GEI­SEL Man wird ana­ly­sie­ren müs­sen, wo es An­knüp­fungs­punk­te für ei­ne Zu­sam­men­ar­beit gibt. Bei Flug­ha­fen und Mes­se drängt sich das mei­nes Erach­tens nicht auf. Wis­sen Sie schon, was Sie 2017 am ers­ten Sams­tag der Größ­ten Kir­mes so ge­gen 17 Uhr ma­chen? GEI­SEL Da be­kom­me ich be­stimmt Be­such von den Schüt­zen im Rat­haus und ich wer­de sie dort auch emp­fan­gen. Ich ha­be die­ses Jahr 13 von 15 Ter­mi­nen der Se­bas- tia­nus-Schüt­zen wahr­ge­nom­men. Das müss­te doch ei­gent­lich rei­chen. Dass ich bei der In­ves­ti­tur nicht da­bei war, fan­den die Schüt­zen, mit de­nen ich ge­spro­chen ha­be, nicht so pro­ble­ma­tisch. Und Schüt­zen­chef Lothar In­den war früh­zei­tig in­for­miert, dass ich am Sams­tag nach Aa­chen und Köln fah­ren wür­de. Sind die Schüt­zen zu emp­find­lich? GEI­SEL Ich kann ver­ste­hen, dass es für vie­le Schüt­zen kaum et­was Wich­ti­ge­res gibt als ihr Schüt­zen­fest. Den­noch kann ich nicht je­des Jahr zu je­dem Schüt­zen­fest ge­hen. Ich ver­su­che aber, mög­lichst vie­le Wün­sche zu er­fül­len und ver­lei­he sehr ger­ne den Stadt­schüt­zen­or­den. Aber am Wo­che­n­en­de möch­te ich auch mal Zeit mit mei­ner Fa­mi­lie ver­brin­gen. Da bit­te ich um Ver­ständ­nis. Ist die Er­war­tungs­hal­tung an die Om­ni­prä­senz ei­nes Ober­bür­ger­meis­ters zu hoch? GEI­SEL Dass ich viel Spaß an mei­nem Amt ha­be, liegt auch dar­an, dass ich sehr vie­le re­prä­sen­ta­ti­ve Auf­ga­ben ha­be. Wer Ober­bür­ger­meis­ter in ei­ner so viel­fäl­ti­gen Groß­stadt wie Düsseldorf sein will, muss die Men­schen mö­gen – wie mein OB-Kol­le­ge aus Ulm ein­mal ge­sagt hat. Und das tue ich. Wa­ren Sie beim Bier-Fest in der Are­na? GEI­SEL Nein, da hat­te ich ei­nen kol­li­die­ren­den Ter­min. Da wa­ren Sie nicht der Ein­zi­ge, den es nicht hin­ge­zo­gen hat. Die Veran- stal­tung war ein Flop. Zu­dem muss­te die Hip-Hop-Ver­an­stal­tung Aren­aJam man­gels Nach­fra­ge ab­ge­sagt wer­den. Was läuft dort schief? GEI­SEL Wenn man ein neu­es For­mat star­tet, soll­te man ge­nau dar­auf ach­ten, es gut vor­zu­be­rei­ten und aus­rei­chend Mar­ke­ting da­für zu ma­chen. Ich glau­be nicht, dass das For­mat an sich zum Schei­tern ver­ur­teilt war. Ei­ne et­was an­de­re Brauch­tums­fra­ge: Wolf­gang Scheff­ler von den Grü­nen wirft Ih­nen bei dem Streit mit der Stadt­spar­kas­se vor, sich un­rhei­nisch ver­hal­ten zu ha­ben. Ist et­was dran? GEI­SEL Die­sen Vor­wurf hal­te ich für un­be­rech­tigt. Dar­auf zu drän­gen, dass bei der Stadt­spar­kas­se recht­mä­ßi­ge Zu­stän­de herr­schen, hal­te ich für mei­ne Auf­ga­be als Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der und kei­nes­wegs für un­rhei­nisch. Frei­lich soll­te im­mer der Ver­such un­ter­nom­men wer­den, sich zu ver­stän­di­gen und ei­nen für bei­de Sei­ten ge­sichts­wah­ren­den Kom­pro­miss zu su­chen.

Tho­mas Gei­sel, Aber hät­te man nicht viel frü­her ei­nen Kom­pro­miss fin­den müs­sen? GEI­SEL Das hät­te ich ger­ne ge­tan. Ich möch­te dar­auf hin­wei­sen, dass ich den Vor­stands­vor­sit­zen­den der Stadt­spar­kas­se – nach mei­ner Er­in­ne­rung – sechs­mal ein­ge­la­den und ihm Kom­pro­mis­se an­ge­bo­ten ha­be; ei­ni­ge da­von sind auch öf­fent­lich ge­wor­den. Lei­der hat sich die Spar­kas­se auf kei­ner­lei Kom­pro­miss ein­ge­las­sen. Scheff­ler plä­diert da­für, ei­nen Me­dia­tor ein­zu­set­zen, da­mit es nicht je­des Jahr wie­der zu ei­nem Streit um Aus­schüt­tun­gen der Spar­kas­se an die Stadt kommt. GEI­SEL Das könn­te hel­fen und das ha­be ich auch ver­sucht. Ich ha­be ei­ne Rei­he von Per­sön­lich­kei­ten, auch aus den Rei­hen der Spar­kas­sen-Or­ga­ni­sa­tio­nen, dar­um ge­be­ten zu ver­mit­teln. Lei­der ha­ben sie ge­nau­so auf Gra­nit ge­bis­sen. Durch das Ge­richts­ver­fah­ren, das der Spar­kas­sen-Vor­stand nun­mehr durch sei­ne Kla­ge ge­gen die Ent­schei­dung der Fi­nanz­auf­sicht an­strebt, hat sich die Si­tua­ti­on wei­ter ver­schärft. Ich ha­be da­für über­haupt kein Ver­ständ­nis, nach­dem der Streit durch ein ein­stim­mi­ges Vo­tum des Ver­wal­tungs­rats be­en­det wor­den ist. Es wä­re rich­tig und im In­ter­es­se der Spar­kas­se, dass der Vor­stand die Kla­ge zu­rück­nimmt und sich wie­der auf sein Ge­schäft kon­zen­triert. Mit wel­cher Aus­schüt­tung rech­nen Sie aus dem lau­fen­den Jahr? GEI­SEL Es deu­tet ei­ni­ges dar­auf hin, dass der Ge­winn der Spar­kas­se wie­der deut­lich hö­her aus­fal­len wird als ge­plant. Ich hal­te ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag oh­ne wei­te­res für rea­lis­tisch. Blei­ben wir beim Geld: Sie brin­gen Mit­te Sep­tem­ber 2016 den Haus­halt 2017 in den Stadt­rat ein. Wie hoch wird das De­fi­zit sein? GEI­SEL Be­reits 2017 ei­nen struk­tu­rell aus­ge­gli­che­nen Haus­halt zu schaf­fen, ist in der Tat ei­ne Her­aus­for­de­rung. Ich darf dar­auf hin­wei­sen, dass dies mei­nem Vor­gän­ger nur in ei­nem ein­zi­gen Jahr ge­lun­gen ist. Wir pla­nen ho­he In­ves­ti­tio­nen, um den In­ves­ti­ti­ons­stau, ins­be­son­de­re bei den Schu­len, der sich in den letz­ten Jah­ren auf­ge­baut hat, zü­gig ab­zu­ar­bei­ten. Der ge­plan­te Ver­kauf des Flug­ha­fen­grund­stücks ist mei­nes Erach­tens ei­ne sehr in­tel­li­gen­te Art, Li­qui­di­tät zu be­schaf­fen. Mit wie viel Geld und wann rech­nen Sie bei dem Ver­kauf? GEI­SEL Dass wir die Trans­ak­ti­on noch in die­sem Jahr zum Ab­schluss brin­gen, hal­te ich für sehr ehr­gei­zig, aber 2017 ist rea­lis­tisch. In­so­fern kön­nen wir die Mit­tel ein­pla­nen. Sie rech­nen mit mehr als 300 Mil­lio­nen Eu­ro Er­lös? GEI­SEL Über Zah­len möch­te ich zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht spre­chen. Wä­re es bes­ser, wenn vor dem Ver­kauf die ge­plan­te Ka­pa­zi­täts­aus­wei­tung des Flug­ha­fens durch wä­re? GEI­SEL Ob es da über­haupt ei­nen Zu­sam­men­hang gibt, hängt von der Be­wer­tungs­me­tho­de ab. Im Üb­ri­gen kann man der­ar­ti­ge Even­tua­li­tä­ten auch im Ver­trag be­rück­sich­ti­gen. Wel­ches Groß­er­eig­nis wol­len Sie nach der Tour de Fran­ce nach Düsseldorf ho­len? GEI­SEL Es gibt ja nicht nur Sport. Dass Düsseldorf Events mit in­ter­na­tio­na­ler Strahl­kraft kann, ist in­zwi-

Die FDP ist in man­chen Punk­ten ge­ra­de et­was schwie­rig. Klei­ne Part­ner ha­ben eben oft das Ge­fühl, sich pro­fi­lie­ren zu müs­sen. Aber man muss nicht gleich das Gras wach­sen hö­ren; im­mer­hin ist sich die Am­pel in den meis­ten Fra­gen ei­nig. Den­noch stre­be ich für mei­ne Ver­wal­tungs­vor­la­gen grund­sätz­lich ei­ne mög­lichst brei­te Mehr­heit an und freue mich, wenn auch die CDU sich über­zeu­gen lässt. Wie ge­hen Sie mit kri­ti­schen Rat­schlä­gen um? GEI­SEL Ich hof­fe nicht, dass ich Op­fer ei­ner „Dé­for­ma­ti­on pro­fes­sio­nel­le“wer­de und nur noch Ja-Sa­ger und Spei­chel­le­cker um mich her­um dul­de.

„Der Men­schel­fak­tor

in der Po­li­tik ist bis­wei­len hoch.“

Stel­len Sie manch­mal sich selbst in Fra­ge? GEI­SEL Grund­sätz­lich ge­he ich da­von aus, dass sich kon­struk­ti­ve Kri­tik auf die Sa­che und nicht mei­ne Per­son be­zieht. Frei­lich räu­me ich ein, dass der Men­schel­fak­tor in der Po­li­tik bis­wei­len hoch ist. Es mag et­was mit mei­ner Bio­gra­fie zu tun ha­ben, dass ich je­mand bin, der da­zu neigt, vom Er­geb­nis her zu den­ken und we­ni­ger vom Pro­zess. Das ist in der Po­li­tik nicht im­mer hilf­reich.

Ober­bür­ger­meis­ter

Ihr Va­ter war 30 Jah­re Ab­ge­ord­ne­ter im Stutt­gar­ter Land­tag. Hat er Ih­nen die­sen Ein­blick in die Po­li­tik nicht ge­ge­ben? GEI­SEL Ich hat­te im­mer gro­ßen Re­spekt vor der Le­bens­leis­tung mei­nes Va­ters. Heu­te viel­leicht so­gar noch et­was mehr, weil ihm im­mer sehr wohl be­wusst war, dass Po­li­tik eben kein 100 Pro­zent ra­tio­na­les Ge­schäft ist. DE­NI­SA RICH­TERS UND UWE-JENS RUHNAU FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

Sitz mit Aus­blick: Tho­mas Gei­sel (SPD) auf sei­nem Platz im lee­ren Rats­saal. Von hier aus lei­tet er die Sit­zung des Stadt­rats, hat die Uhr­zeit für die Län­ge der Re­den im Blick. Er den­ke eher vom Er­geb­nis her, nicht vom Pro­zess – der aber in der Po­li­tik wich­tig sei. Ra­tio­nal ge­he es in der Po­li­tik nicht im­mer zu.

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