Nach­bar­schaft­li­che Tra­di­ti­on

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON SVEN-AN­DRÉ DREY­ER

Das Golz­heim-Fest ist zu­rück – und bei Live-Mu­sik und Trö­del­markt ka­men vie­le Be­su­cher am Fu­ße der Theo­dor-Heus­sB­rü­cke zu­sam­men. Or­ga­ni­sa­tor Hen­ry Storch, der schon auf­ge­ge­ben hat­te, freut sich über Hil­fe von Nach­barn und Stadt.

Die Ku­lis­se kann schö­ner kaum sein: Die Rhein­wie­sen an der Theo­dor-Heuss-Brü­cke sind in das war­me Licht der un­ter­ge­hen­den Son­ne ge­taucht, da­zu gibt es Snacks, ge­kühl­te Ge­trän­ke und ganz viel Live­Mu­sik. Vie­le Be­su­cher ha­ben sich De­cken mit­ge­bracht, ver­ein­zelt sit­zen sie auf Cam­ping­s­tüh­len und lau­schen Bands wie Xy­la­roo aus Lon­don oder Sän­gern wie Su­z­an Kö­cher aus So­lin­gen. „Das ist das tren­digs­te Fes­ti­val in ganz Düsseldorf“, schwärmt Oli­ver Lück (47), der ge­mein­sam mit sei­ner Frau Sa­bi­ne (45) und Toch­ter Han­nah (3) die ach­te Aus­ga­be des Golz­heim-Fes­tes be­sucht. Lück ist von An­fang an da­bei und kommt heu­te, nach­dem er selbst 20 Jah­re lang im Stadt­teil leb­te, ex­tra aus Wil­lich, um die Bands zu hö­ren. Denn die, sagt Lück, sei­en mit sehr viel Hin­ga­be und gro­ßem Mu­sik­ver­ständ­nis aus­ge­wählt.

Er und die an­de­ren Be­su­cher sind froh, dass das Fes­ti­val nun end­lich wie­der statt­fin­den kann. Denn we­gen der nicht ge­si­cher­ten Fi­nan­zie­rung hat­te Ver­an­stal­ter Hen­ry Storch (47) das Fes­ti­val im Vor­jahr ab­ge­sagt – und das end­gül­ti­ge Aus ver­kün­det. Und das, ob­wohl sich die nach­bar­schaft­lich or­ga­ni­sier­te und fa­mi­li­är ge­präg­te Ver­an­stal­tung schon fest eta­bliert hat­te. Zu groß er­schien Storch da­mals das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko, falls zum Bei­spiel bei Re­gen kaum je­mand kommt.

Mit­te Mai die­ses Jah­res schließ­lich be­wil­lig­te der städ­ti­sche Mu­sik­bei­rat erst­mals ei­ne fi­nan­zi­el­le Un- Jahr über­wie­gend hand­ge­mach­te Mu­sik, in­spi­riert von den Sounds der 1960er und 70er Jah­ren zu prä­sen­tie­ren. Zum ers­ten Mal sind sie hier und be­ein­druckt von der ent­spann­ten At­mo­sphä­re. „Er­fah­ren ha­ben wir da­von im so­zia­len Netz­werk und nun sind wir über­rascht, wie schön es ist“, sagt Rei­gAt­mer.

Dass das Fes­ti­val – das am Sams­tag Live-Kon­zer­te und am Sonn­tag ei­nen Trö­del­markt un­ter der Theo­dor-Heuss-Brü­cke so­wie ei­ni­ge DJSets bot – statt­fin­den kön­ne, sei auch der tat­kräf­ti­gen Hil­fe vie­ler Nach­barn und Freun­de aus Golz­heim ge­schul­det, sagt Storch. So ha­be sich zum Bei­spiel der Bä­cker aus sei­ner Nach­bar­schaft be­reit er­klärt, eh­ren­amt­lich als Schatz­meis­ter und Kas­sen­wart zu ar­bei­ten. Wei­te­re An­lie­ger kleb­ten Pos­ter, ver­teil­ten Fly­er und über­nah­men die Nacht­wa­chen auf dem Fes­ti­val­ge­län­de, wäh­rend be­freun­de­te Po­li­zei­be­am­te beim Ge­trän­ke­ver­kauf un­ter­stütz­ten.

„Groß­ar­tig, dass Hen­ry Storch so et­was für Düsseldorf macht“, sagt Mar­cel Rie­del (40). Vor zwei Jah­ren leg­te der Leh­rer, der an der Lo­re-Lor­entz-Schu­le in El­ler un­ter­rich­tet, selbst als DJ beim Golz­heim-Fest auf. Dies­mal war er ge­kom­men, um ei­nen ehe­ma­li­gen Schü­ler auf der Büh­ne zu er­le­ben: Hen­drik Siems leg­te im ver­gan­ge­nen Jahr am Be­rufs­kol­leg in El­ler sein Abitur ab; heu­te spielt er Gi­tar­re bei der Düs­sel­dor­fer Band „Lo­ve Ma­schi­ne“– die am Abend das Pu­bli­kum be­geis­ter­te.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAUER

Hen­ry Storch ist der Or­ga­ni­sa­tor des Golz­heim-Fes­tes un­ter der Theo­dor-Heus­sB­rü­cke.

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