We­ni­ger Wän­de, mehr Durch­blick

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON UTE RASCH

Zwei Jah­re lang hat ein Tier­arzt­paar ein neu­es Do­mi­zil ge­sucht, bis es im „Gur­ken­land“das rich­ti­ge Haus für die wach­sen­de Fa­mi­lie fand.

Wie Men­schen und ih­re Häu­ser zu­ein­an­der­fin­den, scheint manch­mal ge­ra­de­zu vom Schick­sal ge­lenkt zu sein. Zwei Jah­re ha­ben Eva und Pe­ter En­gel­hardt ein neu­es Do­mi­zil ge­sucht für ih­re wach­sen­de Fa­mi­lie, aber stets klaff­ten Qua­li­tät ei­ner­seits und Preis­vor­stel­lun­gen der An­bie­ter an­de­rer­seits weit aus­ein­an­der. Erst nach un­zäh­li­gen Mak­lerEx­po­sés und Be­sich­ti­gungs­ter­mi­nen fiel ih­nen dann die­ses Haus in die Hän­de: ei­ne Dop­pel­haus­hälf­te in Ober­bilk, au­ßen schmut­zig grau­er Putz, in­nen dunk­les Holz und vie­le klei­ne Zim­mer. Klingt nicht ge­ra­de nach Traum­haus. Aber ir­gend­was muss da ge­we­sen sein, denn das Paar wuss­te so­fort: „Das ist es!“

Die­sen Weg sind sie vor vier Jah­ren ver­mut­lich auch ge­fah­ren: durchs In­dus­trie­ge­biet Rich­tung El­ler, vor­bei an ei­nem Holz­groß­han­del und den Me­tall­ber­gen ei­nes Schrott­händ­lers. In Hö­he des Sport­plat­zes vom SV Ober­bilk biegt ei­ne Stra­ße ins „Gur­ken­land“ab, ei­ne Sied­lung, die auf dem Bo­den frü­he­rer Klein­gär­ten wuchs. Die Häu­ser be­gnü­gen sich mit zwei Ge­schos­sen, Glas­bau­stei­ne un­ter­bre­chen Klink­er­fas­sa­den, hin und wie­der ei­ne Deutsch­land­fah­ne. Das ein­zi­ge Ge­räusch stammt von ei­nem Staub­sau­ger. Nur Gur­ken sind im „Gur­ken­land“auf den ers­ten Blick nicht zu se­hen. Eva En­gel­hardt hat ih­re Nach­barn be­fragt: „Die mei­nen, dass die Sied­lung aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve die Form ei­ner Gur­ke hat.“

Al­te Fo­tos von ih­rem Haus (er­baut 1962) zei­gen, wie es sich auf den ers­ten Blick prä­sen­tier­te: fünf Zim­mer im Erd­ge­schoss, in de­nen einst ei­ne sechs­köp­fi­ge Fa­mi­lie leb­te, das Ober­ge­schoss auf­ge­teilt in ein Ap­par­te­ment und ei­ne klei­ne Woh­nung. Le­ben auf en­gem Raum, mit dunk­lem Par­kett, brau­nen Tü­ren, klei­nen Fens­tern zum Gar­ten. Ei­ne düs­te­re Schrank­wand mit Durch­rei­che be­grenz­te die schma­le Kü­che und re­prä­sen­tier­te Wohn-Kom­fort der 1960er Jah­re.

Ge­mein­sam mit dem Ar­chi­tek­ten Tho­mas Ber­tram („Ich woll­te den Le­bens­stil ver­ste­hen, der hier ein­zieht“) ent­war­fen Eva und Pe­ter En­gel­hardt dann die Zu­kunft ih­res Hau­ses: ei­ne strah­lend wei­ße Au­ßen­fas­sa­de, die sich un­ter das tief her­un­ter ge­zo­ge­ne an­thra­zit­far­be­ne Dach duckt. Den glei­chen Farb­ton be­kam die Haus­tür mit ih­rem gro­ßen Bul­l­au­ge. Im Erd­ge­schoss blieb der Grund­riss er­hal­ten, aber fast al­le Zwi­schen­wän­de und Tü­ren sind ver­schwun­den, statt­des­sen ein

RP-FO­TOS (2): HANS-JÜR­GEN BAUER

Frie­da und Piet freu­en sich mit Ma­ma Eva En­gel­hardt, dass sie in ih­rem neu­en Haus viel mehr Platz ha­ben. Je­des der Kin­der hat ein ei­ge­nes Zim­mer. Und auch in al­len an­de­ren Räu­men lässt es sich herr­lich spie­len.

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