IS-Ter­ror in Ans­bach

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON BIRGIT MAR­SCHALL UND GRE­GOR MAYNTZ

Die Bom­ben­ex­plo­si­on in Fran­ken mit 15 Ver­letz­ten war of­fen­bar der ers­te is­la­mis­ti­sche Selbst­mord­an­schlag in Deutsch­land. Der Tä­ter kam 2014 aus Sy­ri­en und soll­te das Land ver­las­sen.

BER­LIN Ein Be­ken­ner­vi­deo mit Be­zü­gen zur Ter­ror­mi­liz IS weist den At­ten­tä­ter von Ans­bach als is­la­mis­tisch mo­ti­vier­ten Tä­ter aus. Die Ex­plo­si­on am spä­ten Sonn­tag­abend in der Nä­he ei­nes Fes­ti­vals in der baye­ri­schen Stadt ist da­mit der ers­te is­la­mis­ti­sche Selbst­mord­an­schlag in Deutsch­land. Ei­ne IS-na­he Agen­tur mel­de­te, der 27-jäh­ri­ge Sy­rer sei „Sol­dat des Is­la­mi­schen Staa­tes“ge­we­sen. Der baye­ri­sche In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) geht wie die Bun­des­an­walt­schaft, die den Fall über­nom­men hat, von ei­nem is­la­mis­ti­schen Selbst­mord­an­schlag aus. Der At­ten­tä­ter war bei der Ex­plo­si­on ums Le­ben ge­kom­men, 15 Men­schen wur­den ver­letzt.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re zog auch ei­ne psy­chi­sche Stö­rung des Tä­ters in Be­tracht: „Ein Be­zug zum in­ter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus des Is­la­mi­schen Staats ist eben­so we­nig aus­zu­schlie­ßen wie das Vor­lie­gen ei­ner be­son­de­ren La­bi­li­tät die­ser Per­sön­lich­keit oder ei­ne Kom­bi­na­ti­on von bei­dem“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker.

Der Sy­rer hat­te den Spreng­satz in sei­nem Ruck­sack mit scharf­kan­ti­gen Me­tall­tei­len of­fen­bar in­mit­ten ei­nes Mu­sik­fes­tes mit rund 2500 Be­su­chern zün­den wol­len, war aber nur bis in die Nä­he des Ein­gangs ge­langt. Auf sei­nem Han­dy fan­den sich nach An­ga­ben Herr­manns wei­te­re Vi­de­os mit is­la­mis­ti­scher und sala­fis­ti­scher Aus­rich­tung. Ei­ne Fül­le von Ma­te­ria­li­en für den Bau wei­te­rer Bom­ben be­fand sich laut Er­mitt­lern in sei­ner Asyl­un­ter­kunft.

Der Mann hat­te im Au­gust 2014 ei­nen Asyl­an­trag ge­stellt. Im Ver­fah­ren wur­den wei­te­re Re­gis­trie­run­gen in Bul­ga­ri­en und Ös­ter­reich fest­ge­stellt. Be­reits am 2. De­zem­ber 2014 wur­de sein An­trag ab­ge­lehnt und die Ab­schie­bung nach Bul­ga­ri­en an­ge­ord­net. Im Ge­richts­ver­fah­ren sei­en, so Herr­mann, dann At­tes­te für psy­chi­sche La­bi­li­tät vor­ge­legt wor­den. Am 13. Ju­li war er er­neut auf­ge­for­dert wor­den, bin­nen 30 Ta­gen nach Bul­ga­ri­en aus­zu­rei­sen.

Un­ter dem Ein­druck des An­schlags von Ans­bach will Herr­mann bei ei­ner Klau­sur­sit­zung des baye­ri­schen Ka­bi­netts auch bun­des­ge­setz­li­che Kon­se­quen­zen aus­ar­bei­ten. Je­der ha­be die Rechts­ord­nung zu ak­zep­tie­ren, und wer da­ge­gen ver­sto­ße, müs­se schon auf nied­ri­ge­rer Schwel­le als bis­her zur Aus­rei­se auf­ge­for­dert wer­den. In­nen-Staats­se­kre­tär Gün­ter Krings (CDU) un­ter­strich, dass der Bun­des­tag be­reits zwei Er­leich­te­run­gen für die Ab­schie­bung be­schlos­sen ha­be. „Aber de­nen kön­nen und müs­sen wei­te­re fol­gen“, sag­te Krings.

Nach dem An­schlag von Ans­bach ist nach den Wor­ten von NRW-In- nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) die Si­cher­heits­la­ge auch in Nord­rheinWest­fa­len „un­ver­än­dert an­ge­spannt“. Wo er­for­der­lich, wer­de die Po­li­zei­prä­senz jetzt noch­mals ver­stärkt. „Ge­ra­de bei den be­vor­ste­hen­den Groß­ver­an­stal­tun­gen wird man des­halb mehr Be­am­te se­hen“, kün­dig­te Jä­ger an. Seit dem Amok­lauf von Erfurt im Jahr 2002 ha­be die NRW-Po­li­zei ein spe­zi­el­les Kon­zept er­ar­bei­tet. Da­nach war­ten die Po­li­zis­ten nicht mehr auf ein Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do. „Sie tre­ten dem Tä­ter mit der Waf­fe in der Hand so­fort ent­ge­gen, trotz der per­sön­li­chen Ri­si­ken“, er­klär­te Jä­ger.

Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) kün­dig­te eben­falls ver­stärk­te Maß­nah­men zum Schutz der Be­völ­ke­rung an. Schon nach den An­schlä­gen von Pa­ris im No­vem­ber sei­en An­ti-Ter­ror-Pa­ke­te auf­ge­legt wor­den. Jetzt wer­de das Land schau­en, „wie wir uns hier noch bes­ser auf­stel­len kön­nen“, sag­te Kret­sch­mann. Er warn­te vor ei­ner Stig­ma­ti­sie­rung von Flücht­lin­gen und Mus­li­men. Leit­ar­ti­kel Po­li­tik

FO­TO: AP

Spe­zi­al­kräf­te der Po­li­zei si­chern ei­ne Stra­ße im baye­ri­schen Ans­bach. In der leb­te der sy­ri­sche Asyl­be­wer­ber, der sich am Sonn­tag­abend mit ei­ner selbst ge­bau­ten Bom­be am Ein­gang ei­nes Mu­sik­fes­ti­vals in die Luft spreng­te, da­bei sich selbst tö­te­te und 15 Men­schen ver­letz­te.

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