ANA­LY­SE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee hat sich im Do­ping-Skan­dal nicht ge­traut, die ge­sam­te rus­si­sche Mann­schaft zu sper­ren. Das ist ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung.

Die­se Bot­schaft ha­ben die IOC-Funk­tio­nä­re und ihr mit al­len sport­po­li­ti­schen Was­sern ge­wa­sche­ner Prä­si­dent Tho­mas Bach ver­stan­den. Des­halb füh­ren ihn sei­ne olym­pi­schen Wer­be­rei­sen na­tür­lich in po­li­tisch schwie­ri­ge Ge­gen­den, und des­halb sind Pro­tes­te ge­gen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Aus­rich­ter-Län­dern al­len­falls in vor­sich­ti­gen Fens­ter­re­den zu ver­neh­men. Bach wür­de vi­el­leicht nicht so weit ge­hen, den rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin als ei­nen „lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ten“zu be­zeich­nen, wie das einst der da­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der in ei­nem be­mer­kens­wer­ten Re­de­bei­trag tat. Aber Bach hat ge­ra­de im rus­si­schen Do­ping­skan­dal be­wie­sen, dass er eben nicht mit den selbst an­ge­kün­dig­ten „här­tes­ten Stra­fen“ge­gen je­ne vor­geht, die er zum Be­trieb der ei­ge­nen Geld­ma­schi­ne be­nö­tigt.

Das IOC hat trotz der drin­gen­den Emp­feh­lung der Welt-An­ti-Do­pingA­gen­tur die kom­plet­te rus­si­sche Mann­schaft nicht von den Olym­pi­schen Spie­len in Rio aus­ge­schlos­sen. Mit Sank­tio­nen be­traut es nun die in­ter­na­tio­na­len Ein­zel­sport­ver­bän­de. So kann Bach sei­ne Hän­de in Un­schuld wa­schen. Bald wird er die neue rus­si­sche An­ti­do­pingA­gen­tur un­ter der Lei­tung des 81 Jah­re al­ten Wi­ta­li Smir­now fei­ern, dem Pu­tin ei­nen „ta­del­lo­sen Ruf“be­schei­nigt, ob­wohl er als Funk­tio­när zu fins­te­ren So­wjet­zei­ten tä­tig war. Er sitzt üb­ri­gens seit 45 Jah­ren im IOC und war mal des­sen Vi­ze­prä­si­dent.

Der heu­ti­ge IOC-Vor­stand Patrick Hi­ckey ver­sucht ge­ra­de, die zu­letzt wirt­schaft­lich nicht sehr er­folg­rei­chen Eu­ro­pa­spie­le in Russ­land un­ter­zu­brin­gen. Er wet­ter­te am lau­tes­ten ge­gen ei­ne kol­lek­ti­ve Be­stra­fung der Rus­sen. Und er be­wies ein aus­ge­präg­tes Ver­hält­nis zu den De­mo­kra­ti­en die­ser Welt, als er den weiß­rus­si­schen Po­ten­ta­ten Alex­an­der Lu­ka­schen­ko für des­sen „her­aus­ra­gen­de Ver­diens­te um die Olym­pi­sche Be­we­gung“mit dem Or­den der Ver­ei­ni­gung na­tio­na­ler Olym­pi­scher Ko­mi­tees ehr­te.

Bach wird da­von ge­wusst ha­ben. Ver­hin­dert hat er es nicht. Auch das lässt tief ins Herz des IOC bli­cken.

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