Wach­sa­mer und wirk­sa­mer

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MICHAEL BRÖ­CKER VON JÖRG ISRINGHAUS VON FRANK HERR­MANN NEUE E-MAIL-AF­FÄ­RE BE­LAS­TET . . ., SEI­TE A 6

Der ers­te is­la­mis­tisch mo­ti­vier­te Selbst­mord­an­schlag in Deutsch­land aus ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft her­aus muss die deut­sche Flücht­lings­po­li­tik nicht auf den Kopf stel­len. Un­ser Asyl­recht ist ein ho­hes Gut. Und es gilt. Dass die sta­tis­ti­sche Wahr­schein­lich­keit groß ist, dass un­ter ei­ner Mil­li­on Flücht­lin­gen auch Kri­mi­nel­le, psy­chisch Kran­ke und is­la­mis­ti­sche Ex­tre­mis­ten zu fin­den sind, kann nicht über­ra­schen. Das heißt aber nicht, dass al­les so blei­ben kann wie bis­her.

Die Po­li­tik muss drin­gend wach­sa­mer sein und wirk­sa­mer Recht an­wen­den. Die Dul­dung ei­nes mehr­fach kri­mi­nell auf­ge­fal­le­nen Asyl­be­wer­bers darf nicht zum Dau­er­zu­stand wer­den. Sonst wird der Rechts­staat aus­ge­höhlt. Und das hu­ma­ne Asyl­recht wird kaum wei­te­re Un­ter­stüt­zung im Land fin­den.

Die Hemm­nis­se bei der Ab­schie­bung müs­sen – er­neut – auf den Prüf­stand. Ans­bach hat­te Glück. Es ist ei­ner feh­len­den Ein­tritts­kar­te zu ver­dan­ken, dass der 27-Jäh­ri­ge nur sich selbst in die Luft spreng­te. Beim nächs­ten Mal wä­re es gut, wenn der Staat Ter­ror­pla­ner früh­zei­tig aus dem Land bringt. BE­RICHT IS-TER­ROR IN ANS­BACH, TI­TEL­SEI­TE

Akt der Ver­zweif­lung

Die Über­ga­be von mehr als 360.000 Un­ter­schrif­ten von Hin­ter­blie­be­nen und Be­trof­fe­nen der Lo­ve­pa­ra­de-Ka­ta­stro­phe, um ei­nen Pro­zess ge­gen die Ver­ant­wort­li­chen doch noch ins Rol­len zu brin­gen, ist ein deut­li­ches Si­gnal. Es zeigt, dass das In­ter­es­se an der Au­f­ar­bei­tung des Un­glücks im Land im­mens ist und dass vie­le Men­schen über ein der­art fol­gen­schwe­res Ver­sa­gen nicht hin­weg­ge­hen wol­len, als wä­re nichts ge­we­sen.

Es ist aber auch ein Akt der Ver­zweif­lung. Denn selbst die über­wäl­ti­gen­de Zahl an Un­ter­schrif­ten än­dert nichts an der Tat­sa­che, dass ein Ge­richt dar­über be­fin­den muss, ob ein Pro­zess auf­grund der vor­lie­gen­den Fak­ten­la­ge zu ei­nem Er­geb­nis führt. Die Duis­bur­ger Rich­ter ver­nein­ten dies; ob das Ober­lan­des­ge­richt das an­ders sieht, ist un­ge­wiss. Die Fra­ge ist, ob ein Pro­zess, bei dem am En­de mög­li­cher­wei­se kei­ne Schul­di­gen be­nannt wer­den kön­nen, wirk­lich da­zu bei­trägt, die Ka­ta­stro­phe auf­zu­ar­bei­ten. Aus Sicht der Be­trof­fe­nen be­steht dar­an wohl kein Zwei­fel: Sie ha­ben auch un­ter­schrie­ben, da­mit end­lich öf­fent­lich über das Un­glück ge­re­det wird. BE­RICHT LO­VE­PA­RA­DE: PE­TI­TI­ON FÜR EI­NEN . . ., TI­TEL­SEI­TE

Re­spekt vor San­ders

Der Held der Ge­schich­te ist Ber­nie San­ders, vom Ni­schen­se­na­tor aus Ver­mont auf­ge­stie­gen zur Ga­li­ons­fi­gur der ame­ri­ka­ni­schen Lin­ken. Wie ge­las­sen er auf die E-Mail-Af­fä­re re­agiert, nö­tigt schon des­halb Re­spekt ab, weil es sich so deut­lich ab­hebt vom gif­ti­gen Ton, mit dem die Wahl­kämp­fer in die End­run­de zie­hen. San­ders könn­te die Ent­hül­lun­gen nut­zen, um in letz­ter Se­kun­de zur Re­bel­li­on ge­gen sei­ne vom Par­tei­ma­nage­ment re­gel­wid­rig be­vor­zug­te Par­tei­freun­din Hil­la­ry Cl­in­ton auf­zu­ru­fen. Statt­des­sen sagt er, dass jetzt nur noch ei­nes zählt: Do­nald Trump an den Wahl­ur­nen zu be­sie­gen.

Die Wür­de des Ber­nie San­ders steht nicht nur in Kon­trast zu Trumps Ti­ra­den, sie un­ter­schei­det sich auch mar­kant von dem, was Cl­in­tons Kam­pa­gnen­team aus der Ge­schich­te zu ma­chen ver­sucht. Nach des­sen Les­art han­del­ten die Ha­cker nicht nur im Auf­trag Mos­kaus, son­dern im Rah­men ei­nes still­schwei­gen­den Pakts zwi­schen Pu­tin und Trump. Denk­bar ist das al­le­mal. Nur soll­te, wer sich aus dem Fens­ter lehnt, auch Be­wei­se vor­le­gen. Der Ver­sach­li­chung ei­ner bei­spiel­los po­le­mi­schen Kam­pa­gne wä­re da­mit al­le­mal ge­dient. BE­RICHT

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