Das IOC braucht Pu­tin

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON RO­BERT PE­TERS

LAU­SANNE Un­längst ha­ben die Ex­per­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Be­wer­tungs­agen­tur Brand Fi­nan­ce mal wie­der ih­re jähr­li­che Rang­lis­te vor­ge­legt. Sie führt die Mar­ke „Olym­pia“als zweit­wert­volls­tes Un­ter­neh­men der Welt. Und sie ta­xiert den Wert von Olym­pia auf 47,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, un­ge­fähr 43 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ge­nau er­klärt, wie sie auf die­se be­ein­dru­cken­de Zahl kommt, hat die Agen­tur nicht. Aber ih­re Ein­schät­zung legt zu­min­dest mal ei­ne Ver­mu­tung na­he: Olym­pia ist ein blen­den­des Ge­schäft.

Das wird der Ver­an­stal­ter Olym­pi­scher Spie­le be­stä­ti­gen kön­nen. Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee nimmt durch die Spie­le im Vier­jah­res-Rhyth­mus nach zu­ver­läs­si­gen Schät­zun­gen je­weils min­des­tens acht Mil­li­ar­den Eu­ro ein. Nur zehn Pro­zent da­von be­hält es für sich, der Rest geht an Aus­rich­ter und na­tio­na­le olym­pi­sche Ver­bän­de.

Die Olym­pi­schen Spie­le sind für den Kon­zern IOC die Haupt­ein­nah­me­quel­le. Da­für hat er zah­lungs­kräf­ti­ge Spon­so­ren von Co­ca-Co­la bis McDo­nald’s an sei­ner Sei­te, und da­mit kann er die TVRech­te bes­tens ver­mark­ten. Seit den Win­ter­spie­len von Sotschi 2014 hat das IOC welt­weit Rech­te für 12,7 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­kauft.

Die Aus­rich­tung Olym­pi­scher Spie­le ist al­ler­dings auch ei­ne teu­re An­ge­le­gen­heit. Nicht für das IOC, denn es be­denkt den Aus­rich­ter schließ­lich nur mit Zu­schüs­sen nach ei­nem fes­ten Schlüs­sel, nach­dem der ei­ge­ne Ge­winn ein­ge­stri­chen ist. Lon­don be­kam nach den Spie­len 2012 ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. In die Ta­sche grei­fen muss­te es weit tie­fer. Die Som­mer­spie­le kos­te­ten rund 15 Mil­li­ar­den Eu­ro, den größ­ten Teil muss­te der bri­ti­sche Steu­er­zah­ler auf­brin­gen.

Die Be­geis­te­rung der Bür­ger, sich mit nam­haf­ten Sum­men an der gro­ßen Sport­in­sze­nie­rung zu be­tei­li­gen, ist nicht über­all un­ge­bro­chen. Im de­mo­kra­ti­schen Wes­ten ist sie so­gar er­kenn­bar rück­läu­fig. Ham­burg sprach sich in ei­ner Volks­ab­stim­mung mit knap­per Mehr­heit ge­gen ei­ne Be­wer­bung um Som­mer­spie­le 2024 aus, weil die Kos­ten nicht ab­schätz­bar wa­ren. In Mün­chen stimm­te die Be­völ­ke­rung aus Um­welt­schutz­grün­den ge­gen Win­ter­spie­le. Die Win­ter­sport­na­ti­on Nor­we­gen setz­te in Os­lo be­wusst ein Zei­chen ge­gen die Gi­gan­to­ma­nie Olym­pi­as und ent­schied sich eben­falls ge­gen ei­ne Be­wer­bung um die Spie­le. Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Er­na Sol­berg ver­wei­ger­te die vom IOC ver­lang­te Staats­ga­ran­tie in Hö­he von 3,04 Mil­li­ar­den Eu­ro. Stock­holm und Grau­bün­den wa­ren schon aus dem Be­wer­bungs­rei­gen aus­ge­stie­gen. Das IOC ver­gab die Win­ter­spie­le 2022 nach Pe­king.

Aus­ge­rech­net Pe­king, das bis­lang nicht als klas­si­sche Win­ter­sport­re­gi­on auf­ge­fal­len ist. Das schreckt die ho­hen Olym­pi­er aber nicht, wie sie be­reits bei der 50 Mil­li­ar­den Eu­ro teu­ren Um­rüs­tung des Schwarz­meer-Ba­de­orts Sotschi zum Stand­ort der Win­ter­spie­le 2014 be­wie­sen. Auch die Tat­sa­che, dass Wett­be­wer­be auf Schnee rund 200 Ki­lo­me­ter weit weg von Pe­king aus­ge­tra­gen wer­den müs­sen, bringt die IOC-Ge­wal­ti­gen nicht um den Schlaf.

Es wird sie je­doch längst nach­denk­lich ge­macht ha­ben müs­sen, dass zu­neh­mend die ver­gleichs­wei­se au­to­kra­tisch re­gier­ten Län­der zu den Olym­pia­Be­wer­bern ge­hö­ren. Sie leis­ten es sich, die Bür­ger vom Ent­schei­dungs­pro­zess aus­zu­schlie­ßen. Und sie blei­ben da­durch die ein­zig si­che­ren Kan­di­da­ten für das IOC. Nach der Ab­stim­mung der Ham­bur­ger ge­gen Olym­pia sag­te Andre­as Mi­chel­mann, der Prä­si­dent des Deut­schen Hand­ball­bun­des: „Das Er­geb­nis heißt, dass ein de­mo­kra­tisch re­gier­tes Land nicht zur Ver­fü­gung steht. Wir zie­hen zwar über die Sot­schis und Do­has her, sind aber nicht in der La­ge, selbst Sport­er­eig­nis­se die­ser Di­men­si­on aus­zu­rich­ten.“

Die ver­gleichs­wei­se au

to­kra­tisch re­gier­ten Län­der ge­hö­ren zu­neh­mend zu den Olym­pia

Be­wer­bern

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